Obwohl draussen immer noch der Berner Bär prangt, ist das Laufner Amtshaus seit dem Kantonswechsel im Jahr 1994 im Besitz des Kantons Baselland. Bis vor zwei Jahren waren im geschichtsträchtigen Gebäude in der Altstadt die Bezirksschreiberei und das Bezirksgericht untergebracht. Seit der aus Spargründen beschlossenen Verlegung der beiden Institutionen nach Arlesheim steht der schmucke Palazzo an hervorragender Lage leer.

Bei der zuständigen Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) herrschte nach dem Auszug der Einrichtungen lange Zeit Stillstand, womit sie den Zorn von Laufentaler Landräten auf sich zog. An der Parlamentssitzung vom 10. März musste sich Baudirektorin Sabine Pegoraro von verschiedener Seite den Vorwurf gefallen lassen, beim Amtshaus nicht vorwärtszumachen. Die freisinnige Regierungsrätin erklärte daraufhin, dass sich der Kanton vorstellen könnte, das Gebäude zu veräussern. Es gebe einen Interessenten, mit dem man in Verhandlungen stehe, die kurz vor dem Abschluss stünden.

Haus in öffentlicher Hand

In Laufen kursiert das Gerücht, dass die Burgergemeinde interessiert daran sei, dem Kanton das Amtshaus abzukaufen. Burgergemeindepräsident Bruno Imhof bestätigt auf Anfrage der bz, dass es sich beim potenziellen Käufer tatsächlich um die Burgergemeinde handelt. «Wir haben beim Kanton vor einiger Zeit unser Interesse angemeldet», sagt er. Mittlerweile habe man ein Angebot erhalten, zu dessen Höhe er sich jedoch nicht äussern möchte. An der Burgergemeindeversammlung in zwei bis drei Monaten werde sich die Burgergemeinde entscheiden, ob sie die Offerte des Kantons annimmt.

Falls es dazu kommt, hat die Burgergemeinde vor, das Amtshaus künftig zu vermieten. «Uns ist wichtig, dass die Liegenschaft in öffentlicher Hand bleibt, weshalb wir uns an den Kanton Baselland gewendet haben», betont Imhof. Wer sich letztlich in den Räumlichkeiten einmiete, sei in seinen Augen sekundär. Darüber wolle er sich sowieso erst Gedanken machen, wenn die Versammlung entschieden hat.

Um das Amtshaus ausserhalb der Baselbieter Verwaltung nutzen zu können, muss es zuerst vom Verwaltungs- ins Finanzvermögen des Kantons umgewidmet werden. An seiner heutigen Sitzung verabschiede die Regierung eine entsprechende Landratsvorlage, erklärt BUD-Sprecher Dieter Leutwyler. Der Entscheid, ob die Burgergemeinde Laufen die Immobilie überhaupt nutzen kann, liegt anschliessend beim Baselbieter Landrat.

Ein kleines Uni-Institut in Laufen?

Dass das Gebäude verkauft wird, glaubt Georges Thüring indes nicht. «Der Kanton soll das Amtshaus für seinen Eigenbedarf nutzen», sagt der SVP-Landrat aus Grellingen. Für moderne Büroräumlichkeiten seien die Zimmer nicht geeignet, findet er. Zwar würde er es begrüssen, wenn die Burgergemeinde Laufen das Haus erwerbe, er gehe aber nicht davon aus. Dem Kanton Baselland macht er den Vorschlag, eine publikumswirksame Organisation wie den Naturschutz ins Amtshaus zu verlegen.

Eine andere Idee hat der Laufner SP-Parlamentarier Linard Candreia: «Ich könnte mir vorstellen, dass der Kanton das Haus zur Hälfte benutzt und eine Amtsstelle von Liestal nach Laufen zügelt.» Die oberen Räumlichkeiten würden sich wiederum idealerweise für die neuen Lokalitäten des Museums Laufental eignen. Eine weitere Möglichkeit sei, dass Bildungsdirektorin Monica Gschwind Kontakt mit der Universität Basel aufnehme und ein kleines Institut nach Laufen hole. Bis es zu «schlauen definitiven Lösungen kommt, sollte das Gebäude in jedem Fall zwischengenutzt werden, um Einnahmen zu generieren», findet Candreia. Um über die Zukunft des Amtshauses zu diskutieren, ist ein runder Tisch geplant. Initiator ist der Laufner CVP-Landrat Marc Scherrer. Ihm schwebt vor, dass bei den Gesprächen der Kanton, der Wirtschaftsverband Promotion Laufental, die Laufentaler Gemeinden und verschiedene Institutionen teilnehmen sollen.

Egal, wie die Nutzung letztlich auch aussehe: «Wichtig ist vor allem, dass endlich etwas mit dem Gebäude geschieht», fordert Scherrer. Er spüre in der Laufentaler Bevölkerung ein grosses Unbehagen darüber, dass das Amtshaus noch immer leer steht. Es könne einfach nicht sein, dass ein solches Schmuckstuck nicht genutzt wird.