Die Stadt Laufen will im Gebiet Nau nordöstlich des Bahnhofs endlich vorwärtsmachen. Langfristig soll das Areal zu einem dritten Schwerpunktquartier des 5000-Einwohner-Städtchens neben der Altstadt und dem Bahnhofsgebiet werden. Die in Laufen beheimatete Eidgenössische Gesundheitskasse (EGK) möchte dort ihren neuen Hauptsitz errichten. Ausserdem sollen dereinst verschiedene Wohn- und Gewerbebauten entstehen.

Leicht, seine Pläne bei der Bevölkerung durchzubringen, wird es der Stadtrat von Laufen nicht haben. Im Herbst 2016 probierte er es schon einmal und blitzte bei den Laufnerinnen und Laufnern an der Urne ab. Damals entschieden sich die Abstimmenden deutlich gegen eine vom weltbekannten Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron ausgearbeitete Arealentwicklung Nau. Im Gegensatz zum abgeschmetterten Projekt, das Bauten auf beiden Seiten der Birs vorsah, konzentriert sich die neue Entwicklung auf das Gebiet südlich des Flusses. Aber auch gegen den neuerlichen Versuch, das Areal zwischen der Hauptstrasse und der Eishalle zu bebauen, gibt es Widerstand.

«Was früher sogenannte Generationenprojekte waren, wird heute rasch und ungeplant präsentiert», ärgert sich Urs Bieli. Der ehemalige Laufner Transportunternehmer und einstige Lokalpolitiker hat beim Mitwirkungsverfahren für den Quartierplan Birspark eine Eingabe gemacht. «Ich verlange, dass zuerst eine Grundsatzdiskussion darüber geführt wird, wo das Städtchen wachsen soll», sagt er. Eine politische Meinungsbildung habe bisher noch nicht stattfinden können, da die Stadt erst kürzlich informiert habe.

EGK ist guter Hoffnung

Das im Volksmund Villa Nau genannte Gebäude der ehemaligen Baufirma Steiner müsste dem geplanten Neubau der EGK weichen. Ausserdem befindet sich auf dem Gelände ein Waffengeschäft, das ebenfalls der Abrissbirne zum Opfer fallen würde. «Bei der vom Stadtrat gepriesenen Überbauung von Herzog & de Meuron hätte die Villa Nau ihren Platz behalten können. Nun ist der gleiche Stadtrat der Meinung, dass es richtig ist, wenn die Villa mit dem wunderschönen Baumbestand bodeneben gemacht wird», erklärt Bieli. Dabei sei die Villa vor sechs Jahren erst für rund 250'000 Franken saniert worden.

Was ihn auch störe, sei, dass das Filetstück des Gebiets verkauft, und nicht im Baurecht an die EGK abgegeben wird. An der kommenden Gemeindeversammlung am übernächsten Dienstag steht der Verkauf einer 3500 Quadratmeter grossen Parzelle für rund 2,2 Millionen Franken an die EGK auf der Traktandenliste. Der Quartierplan Birspark kommt dann im Dezember vor die Laufner Gemeindeversammlung.

Bei der EGK, der rund 100'000 Versicherte angehören, schaut man den anstehenden Gemeindeversammlungen optimistisch entgegen. «Wir haben den Eindruck, dass die Bevölkerung und auch die Stadtbehörden unserem Vorhaben wohlwollend gegenüber stehen», erklärt Mediensprecherin Ursula Vogt. Die Chancen, dass die Laufner sowohl dem Verkauf zustimmen als auch den Quartierplan befürworten, schätzt sie als intakt ein. Realistisch sei die Eröffnung des neuen Hauptsitzes, der die akuten Platzprobleme der Krankenkasse beheben würde, im Jahr 2021.

Für Urs Bieli sind die Voten an den beiden Gemeindeversammlungen entscheidend. «Sprechen sich die Laufnerinnen und Laufner knapp für den Landverkauf und für den Quartierplan aus – und davon gehe ich aus – ist ein Referendum ein gangbarer Weg.» Schon die Urnenabstimmung im Jahr 2016 beruhte übrigens auf einem Referendum zu einem Entscheid der Gemeindeversammlung.