Peter Aerni hatte eine aufregende Gemeindeversammlung versprochen, und ein Auflauf rekordverdächtiger 240 Stimmbürger enttäuschte den bürgerlichen Gemeindepräsidenten und die angekündigte Spannung nicht. «Dann lassen Sie uns ordentlich einsteigen», sagte er nach der Begrüssung schmunzelnd und liess Bauvorsteher Felix Hoch das Vorhaben erläutern, Lausen flächendeckend unter ein Tempo-30-Diktat zu stellen. Kurzfristig hatte der Gemeinderat die Versammlung wegen des erwarteten Andrangs gar vom Gemeindesaal über die Strasse in die Turnhalle des Mühlematts verlegt.

Die Diskussion dauerte über eine Stunde, hätte sich aber eigentlich erübrigt, denn wie stets, wenn es um dieses Thema geht, waren die Meinungen schon vor Tagen und Wochen, wenn nicht Monaten gemacht worden. Trotzdem lieferte man sich eine ernste, wenn auch immer faire Debatte.

Die Gegner sprachen von einem generellen Misstrauensvotum gegenüber Automobilisten, man verlöre zudem Freiheit und zahle doppelt: einmal für die Errichtung der Tempo-30-Zonen, ein zweites Mal für die resultierenden Bussen. Auch die Gemeindekommission sprach sich gegen die Temporeduktion aus.

Selbstverantwortung zerpflückt

Die Befürworter - in erster Linie Mütter, Väter, Lehrer, Tierschützer, Rentner - verwiesen auf die Zahlen, auf Bremswege und Überlebenschancen, das Mehr an Sicherheit am Strassenrand, den gesunden Menschenverstand. Und auf den Zeitverlust von 30 Sekunden auf der längsten Strecke. «Wollen wir wirklich wegen einer halben Minute auf mehr Sicherheit verzichten?», liess darum einer zusammenfassend verlauten.

Das Argument der Selbstverantwortung, das die Gegner immer wieder anbrachten, zerpflückten sie schliesslich mit der Aussage, dass es bei genügend Selbstverantwortung ja gar keine Geschwindigkeitsbegrenzungen benötigte. Mit 131 zu 95 Stimmen wurde Lausens Entschleunigung schliesslich gutgeheissen.

Doch damit ist die Sache nicht über den Tisch. Reto Tschudin, der bereits vor der Gemeindeversammlung zu einem Nein auf seiner Homepage aufgefordert hatte, kündigte das Referendum an. Ob die Unterschriftensammler Erfolg haben werden, ist ungewiss. Das Referendum werden sie wahrscheinlich zustande bringen, die Wortmeldungen wie auch die Stimmenverteilung zeigten allerdings, dass die Befürworter von Tempo 30 eher in der Überzahl sind.

Schulhaus braucht Investitionen

Insbesondere der technische wie bauliche Brandschutz des Lausner Schulhauses entspricht nicht mehr den Standards und verlangt enorme Investitionen. Nicht zuletzt deshalb beantragte der Gemeinderat keinen Projektierungskredit für eine Sanierung, sondern für einen Neubau. 6,5 Millionen Franken würde allein die Sanierung des bestehenden Gebäudes kosten.

Die neue Schule schlägt gemäss Voranschlag mit knapp 8,8 Millionen Franken zu Buche - inklusive Aufstockung um eine Etage sowie die Kosten für die während der Bauarbeiten nötigen Provisorien. «Damit hätten wir eine Lösung für die nächsten 50 Jahre», warb Gemeinderätin Sybille Galster-Frey und ergänzte: «Mit einem Neubau haben wir Planungssicherheit, und es ist nur geringfügig teurer als die Sanierungsvariante. Ausserdem werden die Betriebskosten dank Minergie-P-Standard geringer sein. Der erste Schritt zur neuen Schule ist jetzt getan: Gegen den Projektierungskredit über 400'000 Franken sprachen sich lediglich vier Einwohner aus.

Hohe Investitionen verlangt auch die Sanierung respektive Aufstockung des Doppelkindergartens Furlen. Die Gemeinde hiess den Kreditantrag über 800'000 Franken deutlich gut, womit das Gebäude nun energetisch saniert und räumlich aufgestockt werden kann.