Von Lehrpersonen wird immer mehr abverlangt. Im Baselbiet müssen Lehrerinnen und Lehrer seit neuestem auch Rettungsschwimmer und Lebensretter sein – das schreiben das Amt für Volksschulen (AVS) und das Sportamt Baselland so vor.

Beide Dienststellen haben im Juni Broschüren publiziert, in welchen die neuen Anforderungen festgehalten werden. Bei Schulreisen oder Lagern an Gewässern müssen Lehrkräfte über das entsprechende Schwimmbrevet von der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG) verfügen. Konkret bedeutet das: Führt ein Ganztägiger der Birs entlang, muss die begleitende Lehrperson das Schwimmbrevet Modul Fluss vorweisen können. Auch hält die Broschüre fest, dass Lehrer einen Kurs zur Herz-Lungen-Wiederbelebung und dem korrekten Umgang mit einem Automatischen Externen Defibrillator (BLS-AED-Kurs) der SLRG besucht haben müssen. Wird er nicht alle vier Jahre aufgefrischt, verfällt er.

Die Broschüren stossen beim Lehrverband Baselland (LVB) auf Unverständnis. «Wir sind über das Vorgehen des AVS und des Sportamts nicht begeistert», sagt Michael Weiss vom LVB. Weiss ist Geschäftsführer und Vizepräsident des LVB und unterrichtet am Gymnasium Münchenstein. Laut Weiss sei die Broschüre ohne Ankündigung erschienen. Weiter sei nicht klar, ob es sich nur um Empfehlungen oder Vorschriften handle. Trotz dieser Unsicherheit habe der LVB rasch handeln müssen. «Die Broschüre hat teilweise Auswirkungen auf bereits geplante Schullager und Schulreisen, die nun an anderen Orten durchgeführt werden müssen», führt Weiss aus.

Weiter habe die vage Formulierung dazu geführt, dass nicht alle Lehrer auf demselben Wissensstand seien. Dies, weil die Schulleitungen ihrerseits nicht gewusst hätten, wie sie die Weisungen weitergeben müssten. Merkwürdigerweise waren genannte Schulleitungen die Auslöser der Broschüren. Sie hätten, so teilen AVS und Sportamt mit, immer wieder bei der Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) nachgefragt, ob es Vorgaben für den Schwimmunterricht und für Ausflüge ans Wasser gebe. Die BKSD hatte daraufhin die Broschüren initiiert. «Direktionsvorsteher Regierungsrat Urs Wüthrich hatte den Auftrag dazu erteilt und war in den Erarbeitungsprozess einbezogen worden», teilt die BKSD auf Anfrage mit. Ausgestellt wurde je eine «Broschüre zur Wassersicherheit» für die Volksschul-Stufe sowie eine für die Sekundarstufe II. Beide Dokumente sind inhaltlich praktisch identisch.

Unklare Regelung

Die Frage nach der Umsetzung beantworten AVS und Sportamt wie folgt: «Die Schule entscheidet letztendlich selbst, wie sie diese Empfehlungen in der Praxis anwendet.» Weiter stellen AVS und Sportamt klar, dass es sich um eine Empfehlung handelt – das werde im Vorwort «klar gestellt». Für Verwirrung sorgen dürfte dann aber die Einleitung: In dieser ist von «Mindeststandards» die Rede, «die eingehalten werden müssen».

Eine weitere einschneidende Änderung betrifft die Primarschulen. Nehmen mehr als 17 Schüler am Schwimmunterricht teil, muss eine zusätzliche Betreuungsperson zugegen sein. Auch diese Regelung sorgte für Verwirrung. In Allschwil behalf man sich damit, dass nun für jede Schwimmlektion Eltern aufgeboten wurden. Vorerst komme man mit dieser Regelung durch, teilte Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli an der jüngsten Sitzung des Einwohnerrats mit. Spätestens für das kommende Jahr erwarte sie aber eine klare Regelung.