Letztlich läuft alles auf eine Frage hinaus: Soll künftig der Landrat darüber entscheiden, mit welchem Lehrplan und mit welchen Fächern unsere Kinder auf das Berufsleben vorbereitet werden, oder soll dies weiterhin der Bildungsrat tun? Also entweder ein 90-köpfiges Kantonsparlament, dem nur wenige Bildungsexperten angehören oder aber ein extra für diese Fragen geschaffenes 14-köpfiges Gremium. 

Die Antwort muss zugunsten des Fachgremiums ausfallen. Dabei spielt es keine Rolle, dass es bei der Abstimmung «nur» darum geht, wer über die Einführung des Lehrplans 21 entscheidet und nicht um die inhaltliche Erarbeitung. Denn erhielte dieses Recht neu der Landrat, würde es garantiert dazu führen, dass er den Lehrplan so lange zur Überarbeitung an den Bildungsrat zurückschickt, bis er inhaltlich der Landratsmehrheit zusagt. Kommt hinzu, dass die Vorlage im Bildungsgesetz explizit festschriebe, dass der Landrat inhaltliche Änderungsaufträge erteilen könnte. 

Dass sich 90 Volksvertreter mit ihrem Parteibüchlein im Hinterkopf aber darüber streiten, welche Ziele unsere Kinder für welche Fächer erlangen müssen, würde eine geordnete Entwicklung der «Guten Schule Baselland» fast verunmöglichen. Niemand kann sagen, wie lange das Hin und Her dauern und die Einführung des neuen Lehrplanes verzögern würde. Dabei geht es nicht darum, welche Kräfte im Landrat zurzeit das Sagen haben, ob bürgerliche oder linke. Es ist schlicht nicht stufengerecht. Dafür ist ein Parlament nicht vorgesehen, sondern eben ein Fachgremium.

Ausserdem ging etwas im hitzigen Abstimmungskampf bis jetzt unter: Der Landrat kann den Bildungsrat bereits beeinflussen. Es ist kein völlig selbstständig operierendes Gremium, das niemandem Rechenschaft schuldig ist. Angegliedert an die Bildungsdirektion wird der Bildungsrat von Regierungsrätin Monica Gschwind (FDP) präsidiert. Und gewählt werden die 13 restlichen Mitglieder – 12 ordentliche und mit beratender Stimme ein Vertreter der Landeskirchen – alle vier Jahre vom Landrat. Wenn also nun dem Bildungsrat vorgeworfen wird, er handle nicht im Interesse der Bevölkerung, weil er Reformprojekte oft bloss durchwinke, so haben es die 90 Volksvertreter selber in der Hand, die Zusammensetzung zu ändern.

Durch das Bildungsgesetz vorgegeben wird lediglich, dass drei Mitglieder der Amtlichen Kantonalkonferenz der Lehrer (AKK) und je zwei den zuständigen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen angehören müssen. Aktuell sind dies die Handels- und die Wirtschaftskammer auf der einen und Lehrerverein sowie Gewerkschaftsbund auf der anderen Seite. Den direktesten Einfluss hat der Landrat aber auf den Rest. Fünf Mandate gehören nämlich – ohne dass dies im Bildungsgesetz explizit vorgegeben wäre – schon jetzt Vertretern der Parteien, konkret von SVP, SP, FDP, Grünen und CVP.

Auffällig ist dabei, dass sich mit Simone Abt von der SP nur eine Landrätin darunter befindet. Die Juristin ist aber wie die anderen vier Parteivertreter keine eigentliche Bildungsexpertin und auch nicht Mitglied der landrätlichen Bildungs-, Kultur- und Sportkommission (BKSK). Das mag früher so gewünscht worden sein, um eben gerade den Bildungsrat von der BKSK zu unterscheiden. Doch anstatt dass SVP, FDP, GLP und Grüne-Unabhängige nun den Bildungsrat kritisieren und ihn mit zweimal Ja am 5. Juni in seinen Kompetenzen beschneiden, sollten sie erst einmal dafür sorgen, dass sich ihre Vertreter darin für ihre Interessen einsetzen. 

Anders als bei der Vorlage zur Einführung des Lehrplans 21 liegt dem Verzicht auf Sammelfächer eine berechtigte Sorge zugrunde: Dass Lehrer, die ihren Schülern auf sich allein gestellt komplette Fächerverbünde beibringen müssen, Abstriche bei der Qualität machen müssen. Dennoch ist die Vorlage der falsche Weg. Nicht nur erlaubt der neue Lehrplan ausdrücklich auch, dass mehrere Lehrer zusammen ein Sammelfach unterrichten. Vor allem ist es erneut nicht stufengerecht und viel zu behäbig, sechs Einzelfächer im Bildungsgesetz festzuschreiben. Fortan könnte jeweils nur der Landrat per Vier-Fünftel-Mehr etwas daran ändern, ansonsten müsste erneut das Stimmvolk entscheiden. Dabei ist Bildung kein starres Gebilde, sondern muss sich weiterentwickeln können.

Und hier wären wir wieder beim Bildungsrat: Die Angst der Initianten rund um die «Starke Schule Baselland» ist zumindest zu grossen Teilen unbegründet. Der Bildungsrat hat bereits bewiesen, dass er nicht auf beiden Ohren taub ist. So hat er etwa angekündigt, die Baselbieter Variante des Lehrplans 21, den Lehrplan Volksschule Baselland, für die Sekundarschule an die hiesigen drei Niveaus A, E und P anzupassen. Zudem sicherte er zu, dass Bildungsziele trotz Fächerverbünden weiterhin auch für Einzelfächer definiert werden sollen. An diesen Aussagen kann das Gremium gemessen werden. Die beiden Initiativen – vor allem jene zum Lehrplan 21 – sind hingegen der falsche Weg und würden die Bildung in Baselland noch stärker zum Spielball der Politik machen.