«Wir im Leimental wollen die Südumfahrung nicht», sagte der Therwiler Gemeinderat Gregor Gschwind kürzlich in einem bz-Interview. Seit gestern deuten alle Zeichen darauf hin, dass der Leimentaler Bevölkerung dieser Wunsch in Erfüllung geht. Gemäss Informationen, die der bz vorliegen, wird die Baselbieter Baudirektorin Sabine Pegoraro an der nächsten Regierungssitzung eine modifizierte Elba-Vorlage präsentieren, in der die Trasseesicherung für die Südumfahrung nicht mehr enthalten ist. Offenbar haben die dezidiert ablehnenden Stellungnahmen der betroffenen Gemeinden im Leimental und Birseck zu einem Umdenken in der Baudirektion geführt.

Gegenüber der bz wollte die FDP-Regierungsrätin diesen Sachverhalt gestern nicht kommentieren, bestätigte aber, dass der Gesamtregierungsrat kommende Woche über die Elba-Vorlage entscheiden werde und dieser von ihr an der gestrigen Sitzung vorinformiert wurde.

Umbau-Variante kein Thema

Als die Entwicklungsplanung Leimental-Birseck-Allschwil (Elba) im März 2014 zur Vernehmlassung freigegeben wurde, war in der Verkehrsplanung neben den Varianten «Ausbau mit neuen Netzelementen» und «Umbau bestehender Struktur» auch die Untervariante «Ausbau plus Trasseesicherung äussere Tangente» zur Beurteilung enthalten. Kritiker erkannten darin sofort die Wiederbelebung der bereits abgeschrieben geglaubten Südumfahrung, die seit ihrer Lancierung 2003 den unteren Kantonsteil gespalten hatte wie kaum ein anderes Strassenbauprojekt. Die fast vierstündige Landratsdebatte im November 2007 zur später wieder zurückgezogenen Volksinitiative «Keine Autobahn im Leimental» gehört nach wie vor zu den erbittertsten Auseinandersetzungen, die im vergangenen Jahrzehnt im Baselbieter Parlament geführt wurden.

Der Aufschrei der Südumfahrungskritiker in den betroffenen Gemeinden war entsprechend gross, als Baudirektorin Sabine Pegoraro die Idee im vergangenen Frühjahr aus der Schublade holte. Sie tat dies, um sich im Hinblick auf künftige Entwicklungen alle Ausbau-Optionen offen zu halten; vorbereitende Elba-Studien verwarfen dagegen explizit die Idee der Südumfahrung. In der dreimonatigen Vernehmlassung sprachen sich Parteien, Verbände und andere Interessengruppen je etwa zur Hälfte für und gegen die Verkehrsvariante mit der Südumfahrung aus. Allerdings war der Tenor von gewichtigen Meinungsträgern im direkt betroffenen Gebiet eindeutig negativ, obschon ein konkretes Bauprojekt nicht vor 2040 in Angriff genommen werden würde. Dies dürfte nun den Ausschlag gegeben haben, dass die Baselbieter Regierung kommende Woche aller Voraussicht nach die Ausbauvariante ohne Trasseesicherung dem Landrat zur Annahme vorschlagen wird. Eine Elba-Variante mit dem Umbau des bestehenden Verkehrsnetzes und einer Verlagerung hin zum öffentlichen, Fuss- und Veloverkehr scheint dagegen keine Option mehr zu sein.

Lob von der IG Südumfahrung

Für die langjährige Südumfahrungsgegnerin Elisabeth Schneider-Schneiter sind das höchst erfreuliche Nachrichten. «Chapeau vor diesem Entscheid der Baudirektorin!», zeigte sich die CVP-Nationalrätin und Präsidentin der «IG Südumfahrung Nein» gestern erleichtert. «Das ist auch insofern ein kluger Entscheid von Pegoraro, als man jetzt Ja zur Umfahrungsstrasse Allschwil sagen kann, über die am 8. März abgestimmt wird.» Dass die Umfahrung Allschwil in der regionalen Strassenplanung quasi die 1. Etappe zur Südumfahrung bedeuten könnte, war eine in der Gegnerschaft weit verbreitete Befürchtung. Tatsächlich steigen nun die Chancen, dass auch im Leimental und Birseck zahlreiche Stimmberechtigte der Gesetzesinitiative zum Bau der mit total 430 Millionen Franken Baukosten veranschlagten Umfahrung Allschwil zustimmen werden.