Derzeit darf beim Kantonsspital Baselland (KSBL) guter Rat gerne etwas teurer sein. Wie gestern bekannt wurde, leitet die Baselbieter FDP-Präsidentin und PR-Profi Christine Frey neu die Kommunikationsabteilung des KSBL in einem 80-Prozent-Pensum.

Auf die Münchensteinerin kommt einiges zu, denn derzeit stehen ihre Vorgesetzten in der Kritik; allen voran der CEO Heinz Schneider und der Verwaltungsratspräsident Dieter Völlmin.

Von der renommierten Orthopädieabteilung auf dem Bruderholz hat fast die gesamte Leitung angekündigt, das Spital zu verlassen. Der Grund sind Grabenkämpfe innerhalb des fusionierten Unternehmens. Im Bruderholzspital fühlen sich die Angestellten mit dem Fokus auf den Standort Liestal als Zentrumsspital degradiert.

Auch Patienten sorgen sich

Doch mittlerweile rumort es beim KSBL nicht mehr nur in den eigenen vier Wänden. Erich Planta, der Präsident des Ärztevereins Leimental, hat sich in einem offenen Brief an Völlmin und Schneider gewendet. Planta kritisiert die Umstrukturierungen und empört sich darüber, dass der Ärzteverein mit seinen knapp 100 praktizierenden Ärzten als wichtiger Partner nicht angehört werde.

«Als es um die Kündigungen auf der Orthopädieabteilung ging, wurden wir mit der Begründung abgespeist, dass diese Problematik nur die Orthopäden betreffe.» Das sei nicht nur überheblich, sondern auch zu kurz gedacht, mahnt Planta. «Wir Ärzte sind ja die Zulieferer der Spitäler. Und ein engagierter Arzt will für seinen Patienten den besten Chirurgen.»

Sollte das Bruderholz zu einem Fast-Track-Spital für schnelle, einfache Eingriffe herabgestuft werden, dann könnten die besten Kräfte nicht mehr gehalten werden. Und bevor sich neue Ärzte ein Renommee erarbeitet hätten, brauche eine Abteilung «erfahrungsgemäss fünf bis sieben Jahre.»

Etwas nüchterner sieht dies der Präsident des Hausärztevereins Angenstein, dessen Einzugsgebiet sich über die drei Kantone Baselland, Basel-Stadt und Solothurn erstreckt. «Gute Namen sind nicht unbedeutend, aber man soll den Personenkult nicht übertreiben», findet Hanspeter Merz.

Es ist indes unbestritten, dass ein guter Ruf schneller ruiniert ist als erarbeitet. Im unteren Kantonsteil scheinen mittlerweile nicht mehr nur die Ärzte verunsichert. «Es gibt bereits Patienten, die sich mit dem Gedanken einer Unterschriftensammlung für den Standort Bruderholz tragen», berichtet Planta.

Denn Liestal sei als Zentrumsspital für die Leimentaler zu weit weg: «Die Ärzte werden ihre Patienten stattdessen immer öfter dem Unispital zuweisen», warnt er. Erleichtert werden kantonsübergreifende Zuweisungen durch das revidierte Krankenversicherungsgesetz: In der Schweiz haben die Patienten seit dem letzten Jahr die freie Spitalwahl.

Spital bedauert Kommunikation

Die Kritik wird beim KSBL offenbar ernst genommen, nachdem der Ärzteverein den Weg an die Öffentlichkeit gesucht hat. Gestern nahm die Spitalleitung Kontakt mit dem Ärzteverein auf, um der Forderung nach einem Hearing nachzukommen.

«Es tut uns leid, wenn wir gewisse Kreise aussen vor gelassen haben, als wir die Entscheide kommunizierten», bedauert Christine Frey. Sie will das Treffen mit dem Ärzteverein nutzen, um «Wege für eine bessere Kommunikation zu diskutieren».

Für Planta steht weit mehr auf dem Spiel. Er will die Spitalleitung vom eingeschlagenen Weg abbringen. «Das Bruderholzspital muss gestärkt werden - gerade im unteren Baselbiet ist die Konkurrenz der anderen Spitäler zu gross.»