Es ist Donnerstagabend. Die Generalversammlung der Baselbieter SVP steht an. Der grosse Restaurantsaal im Hofgut Grosstannen ob Bubendorf ist bis auf wenige freie Plätze gefüllt. Der Blick in die Runde zeigt viele sympathische, gut aufgelegte, wenngleich oft etwas angejahrte Gesichter. Die Bedienung ist freundlich. Eine Band auf dem Podest spielt Dixieland, Journalistenkollege Knechtli aus Gelterkinden bläst die Trompete. Das Baselbiet ist nach dem 8. Februar (wieder) nach rechts gerutscht. Also werfen wir einen Blick auf jene, die hauptsächlich dafür verantwortlich sind.

Wofür steht diese Baselbieter Volkspartei, die für die Zürcher Prägung zu wenig poltert und für den Berner Begriff zu wenig «gmögig» ist? Die im Jahresbericht des Präsidenten den Sieg über die «links-grünen Fusionisten» als den unbestrittenen Höhepunkt 2014 feiert, aber den blamablen Rücktritt der eigenen Landratspräsidentin verdrängt. Die im Kantonsparlament rekordträchtige 28 von 90 Mandaten erkämpft hat, was zusammen mit der FDP die Hälfte aller Sitze ausmacht. Die mit dieser Mehrheit «verantwortungsvoll» umgehen will, hinter den Kulissen jedoch knallhart bei der Kommissionssitzvergabe ihre Muskeln spielen lässt. Die es wiederum dank geschickten Taktierens und dem Nachgeben im rechten Augenblick geschafft hat, FDP und CVP fest an sich zu binden und deshalb seit 2012 von Wahlerfolg zu Wahlerfolg eilt. Die sich gleichzeitig zugute hält, nur auf die eigenen Stärken zu schauen, und es darum nicht nötig habe, politische Gegner zu diskreditieren.

Von der Nussknackerin zum Polemiker

Da am gleichen Abend die Nominierungen für die Nationalratswahlen anstehen, ergibt sich aus den Einzelvorstellungen der acht Anwärter ein aufschlussreiches Bild. Da ist Nationalrat Thomas de Courten, der wiedergewählt werden möchte, da er in Bern Mehrheiten beschaffen könne, bei mehreren Dossiers fraktionsintern den Lead innehalte und konsequent für die KMU politisiere. Gewohnt knapp referiert er, dass er künftig den «direkten Kontakt zum Bürger» verbessern wird. Da ist mit dem zweitbesten Resultat der zugängliche Ex-Polizist und Feuerwehrkommandant Dominik Straumann, der sich auf seinem Weg ins Bundeshaus auf sein grosses Netz in Politik und Wirtschaft beruft und die Staatsfinanzen in Ordnung bringen will. Da ist als Drittbeste die stets aufgestellte Bubendörfer Malermeisterin Sandra Sollberger, der nach ihrem Top-Resultat in den Landratswahlen gute Chancen eingeräumt werden, die erste Baselbieter SVP-Nationalrätin zu werden. Sie führt den Mitgliedern verschiedene Möglichkeiten vor, eine Baumnuss zu knacken, um zu zeigen, wieso sie als Handwerkerin in der Politik stets die einfachste und preiswerteste Lösung anstrebt. Danach folgt der Wirtschaftsberater Hanspeter Weibel, der sich gegen die Umverteilung im Sozialstaat stemmt und sich nicht damit abfinden kann, dass gewisse Gemeinden bereits 50 Prozent ihres Budgets für Sozialkosten ausgeben, aber 40 Prozent der erwachsenen Baselbieter keine Steuern bezahlen. Danach spricht sich die Kauffrau und neu Jurastudentin Caroline Mall eindringlich für gute Bildungsmöglichkeiten aus.

Gegen die Linken und Netten

Weniger als 100 Stimmen erhält Vizepräsidentin Jacqueline Wunderer, die erzählt, wie sie wegen ihrer Parteizugehörigkeit ihre Stelle bei der Bundespolizei verloren hat und seither beruflich und politisch Dinge riskiert, von denen ihr alle abraten. Schliesslich der frühere FDPler Patrick Schäfli, der sich im Zweikampf um den letzten freien Listenplatz gegen den noch unbekannten, aber viel versprechenden Matthias Liechti durchsetzt. Dies mit einer kräftigen Polemik gegen den Bundesrat, «die Linken und Netten», die noch immer mehr als 80 000 Einwanderer jährlich ins Land lassen. «Leistung, Ordnung, Eigenverantwortung und Freiheit» stehen für die Werte dieser SVP, addiert Kantonalpräsident Oskar Kämpfer zum Schluss.

Machen diese Rechten das Baselbiet aus? Nein. Ein Baselbiet. Genau so, wie die Genossinnen und Genossen an der heutigen SP-Delegiertenversammlung ein anderes ausmachen. Nicht viel besser, nicht viel schlechter; einfach ganz anders. Doch untrennbar miteinander verbunden.