In den Ohren der tausenden Baselbieter Lehrer klingt der Satz wie eine Drohung: «Die Regierung ist nicht gewillt, für das unterrichtende Personal einen Unterschied zu machen.» Das hielt Finanzdirektor Anton Lauber gleich zu Beginn der Präsentation des neuen Lohnsystems am Freitag fest. Tatsächlich ist es das erklärte Ziel der Teilrevision des kantonalen Lohnsystems, die nun in die Vernehmlassung geschickt wird, für sämtliche 6000 Staatsangestellten die automatischen Lohnerhöhungen über den Erfahrungsstufen-Anstieg abzuschaffen – vom Verwaltungsmitarbeiter, über den Polizisten und Richter bis eben zum Lehrer. Ersetzt werden sollen sie durch stufenlose Lohnbänder mit einem kleinen leistungsabhängigen Lohnanteil. Dieser wird aufgrund der Bewertung in neu konzipierten Mitarbeitergesprächen (MAG) ausgeschüttet.

Lehrer bekommen Lösung, hinter der sie stehen können


Inhaltlich deckt sich das, was Lauber vorstellte, mit dem, was die «Schweiz am Wochenende» bereits vergangenen Dezember publik gemacht hatte. Schon dort war der Widerstand der Arbeitsgemeinschaft der Personalverbände (ABP) gross. Vor allem Lehrer-Vertreter riefen aus. Der Tenor: Leistung lässt sich bei Lehrern schlechter messen als bei einem Verwaltungsangestellten. Vor wenigen Tagen doppelten die Schulleitungskonferenzen sämtlicher Stufen mit einem Brief an Lauber nach. Dieser hielt dagegen: «Leistung ist immer messbar. Und wir reden nicht von der Anzahl Facebook-Likes.»

Und doch kommt die Regierung den Lehrern entgegen. Die neuen MAG werden für sie erst auf Mitte 2020 eingeführt. Lauber betonte, dass die Bildungsdirektion die MAG bis dann zusammen mit den Schulleitungen und Personalverbänden erarbeiten würden. Während Lauber eher eine harte Haltung vertritt, klingt es bei Severin Faller schon anders: «Die Lösung muss praktikabel sein. Wenn sie von Schulleitern und Lehrern nicht getragen wird, dann funktioniert sie auch nicht», sagt der Generalsekretär der Bildungsdirektion im Gespräch mit dieser Zeitung.

6 Millionen werden jährlich nach Leistung verteilt

Er weist darauf hin, dass es schon heute den Schulleitern wegen der Menge nicht möglich ist, mit jedem Lehrer jedes Jahr ein MAG durchzuführen. «Denkbar wäre, dass es für Lehrer nur alle zwei Jahre ein lohnrelevantes MAG gibt.» Noch nicht beurteilen möchte Faller, ob es sinnvoll wäre, Lehrern doch wieder automatisch eine Lohnerhöhung zuzugestehen – etwa durch eine durchgehende A-Bewertung im MAG. «Wir nehmen die Anliegen der Schulen sehr ernst», sagt er.

Das neue Lohnband-System soll für alle Staatsangestellten 2022 inkraft treten. Es ersetzt die Lohnklassen. Statt über Erfahrungsstufen steigt der Lohn in einem Band flexibel. Der variable Teil ist allerdings nur klein. 99 Prozent der gesamten Lohnsumme des Kantons von 600 Millionen Franken sind fixiert, bloss ein Prozent oder 6 Millionen Franken sind leistungsabhängig. Dieses Prozent wird vor allem aufgrund des MAG verteilt. Drei Noten wird es geben: B, A und A+. Nur bei einem B geht man leer aus. Lauber geht davon aus, dass dies bloss rund 5 Prozent der Mitarbeiter treffen wird. 80 bis 90 Prozent dürften ein A erhalten.

Hierbei steigt der Lohn fast genauso stark wie bisher bei einem ES-Anstieg. Fünf der sechs Millionen Franken werden so verteilt. Die restliche Million wird für jene wohl 10 bis 15 Prozent verwendet, die ein A+ erreichen. Diese fixen Grössen dienen vor allem einem Zweck, wie Lauber betont: «Es muss niemand schlecht bewertet werden, damit jemand anderes belohnt werden kann.»

Gefahr von Mobbing

Das System hat aber einen Haken: Da die sechs Millionen Franken immer voll ausgezahlt werden, profitiert man stärker, je weniger Personen eine A oder A+-Bewertung erhalten. Das fördert Mobbing. Martin Lüthy, Chef des Baselbieter Personalamts, bestätigt diesen Mechanismus. Er hält aber auch fest, dass im neuen MAG auch das Verhalten eines Mitarbeiters bewertet würde: «Es fällt auf, wenn jemand andere unterdrückt, das fliesst dann mit ein. Im Militär nennt man so jemanden übrigens Kameradenschwein – und sorgt dafür, dass er es kein zweites Mal macht.»