«Abschaffen!» So lässt sich Caroline Malls Fazit zu den Leistungstests zusammenfassen, welche die Kantone Baselland, Basel-Stadt, Aargau und Solothurn vor drei Jahren eingeführt haben. Die Bildungspolitikerin und SVP-Landrätin lässt kein gutes Haar an den sogenannten Checks, die jeweils in der dritten und sechsten Primar- (P3/P6) sowie in der zweiten und dritten Sekundarklasse (S2/S3) durchgeführt werden.

Dies, um in den Fächern Deutsch, Mathematik, den Fremdsprachen und Naturwissenschaften eine von den normalen Zeugnissen unabhängige Standortbestimmung für jeden Schüler zu erhalten. Zwar gibt es momentan noch keine Noten, doch können die Resultate bei den Übertrittsempfehlungen in die Sekundarstufe I eine Rolle spielen. Zudem sind die S2/S3-Checks Bestandteil des Abschlusszertifikats der Volksschule, das ab dem Schuljahr 2017/18 obligatorisch ausgestellt wird.

Tests kosten halbe Million pro Jahr

«Diese Tests machen alle verrückt, ob Kinder, Eltern oder Lehrer», sagt Mall, «und sie bringen überhaupt nichts.» Tatsächlich sind die vom Institut für Bildungsevaluation der Universität Zürich konzipierten Tests für alle Beteiligten sehr aufwendig – und mittlerweile für alle Schüler obligatorisch. So laufen seit dem 5. September und noch bis Freitag in allen vier Kantonen wieder die Checks P3 und P6. In Baselland bedeutet dies für rund 5000 Schülerinnen und Schüler Tests von total 2,5 (P3) oder fast 5 Stunden (P6). Aber auch die Klassenlehrer benötigen jeweils eine dreistündige Weiterbildung, um die Checks durchführen zu können.

Mall sieht darin keinerlei Nutzen: «Die Checks werden schliesslich die Zeugnisnoten der einzelnen Fächer spiegeln. Da kann man sie auch gleich weglassen, nicht zuletzt, um Kosten zu sparen.» Und diese sind nicht ohne: Knapp 3,5 Millionen Franken bewilligte der Landrat 2010 für den Aufbau der Aufgabendatenbank, die Weiterbildung der Lehrer und die Durchführung der Checks. Mit prognostizierten Ausgaben von 3,2 Millionen bis Ende Jahr bleibt man hier im Rahmen, wie eine Antwort der Regierung in der landrätlichen Fragestunde vom vergangenen Donnerstag zeigt. Dazu kommen aber noch die jährlichen Kosten. Gemäss einer aktuellen Antwort der Regierung auf eine Interpellation der Grünen-Landrätin Florence Brenzikofer schlagen diese mit gut einer halben Million Franken zu Buche, rund 73 000 Franken für den kleineren P3-Check und je knapp 150 000 für P6, S2 und S3.

Angst vor dem Wettbewerb der Schulen

Vor allem die 300 000 Franken, die in Baselland für die erstmalige Durchführung der S2-Checks im Frühjahr 2017 sowie der S3 im Frühling 2018 anfallen, sind Brenzikofer ein Dorn im Auge: «Um zu sparen, werden unsere Schulklassen überfüllt, aber hier wird Geld aus dem Fenster geworfen, obwohl man mit den S-Checks noch mindestens ein Jahr hätte zuwarten müssen.» Dies, weil im Baselbiet 2017 die Schüler der zweiten Sek noch gar nicht aus dem Harmos-Zug kommen und daher nicht zu vergleichen seien. Auf Anfrage erklärt die Bildungsdirektion dies damit, dass sich die Baselbieter Schüler so mit denselben Unterlagen für Lehrstellen bewerben könnten wie die Schüler der drei anderen Kantone, die schon ein Jahr früher auf sechs Primar- und drei Sekundarschuljahre umgestellt haben.

Brenzikofer überzeugt diese Erklärung nicht. Zudem stört sie, dass die Checks am Ende der Sek I für April/Mai geplant sind, «viel zu spät, als dass Lehrbetriebe dann noch die Resultate für eine Anstellung gebrauchen könnten». Dabei sollen die S-Checks explizit auch als Lernnachweise dienen. Überhaupt sieht Brenzikofer hier einen grossen Widerspruch: «Die Macher betonen zwar, dass die Leistungschecks nicht zu einem Ranking der Schüler, Schulen oder Kantone führen werden, doch der Kanton Baselland hebt hervor, dass man mit den Checks ‹Steuerungswissen über 130 Schulen› erlange.» Es werde also doch ein Kontrollsystem geschaffen, das dazu führe, dass die Schulen ihre Didaktik auf die Checks ausrichten – «Teach to the test» à la USA. Für Brenzikofer, selbst eine Seklehrerin in Liestal, ein No-Go. Gleichwohl möchte sie die Checks nicht jetzt schon wieder abschaffen. Ganz anders Mall: Sie überlegt sich als Nächstes, mit welchen politischen Mitteln sie Baselland zum Rückzug aus dem Nordwestschweizer Projekt bringen kann.