Steigen die Besucherinnen und Besucher hinauf ins Krippen- und Spielzeugmuseum Bubendorf, werden sie wunderbar auf die Ausstellung unter dem Dach des Dorfschulhauses eingestimmt: Das Treppenhaus ist geschmückt mit süssen Engelbildern, gemalt und gebastelt von Primarschülerinnen und -schülern. Das passt, denn Engelkinder bevölkern auch den ersten grossen Museumsraum. Sie stammen aus dem Erzgebirge und werden behütet von erwachsenen Versionen, die ebenfalls fast alle grüne Flügel mit elf Punkten haben - das Markenzeichen der Manufaktur Wendt & Kühn.

Die kleinen Engel fliegen allerdings nicht davon. Sie laufen Ski, schlitteln, hüten das Jesuskind und Schafe oder schleppen Geschenke heran. Und die meisten von ihnen spielen in Engelsorchestern mit. Fast vermeint man, feinste, lieblichste Töne in der Ausstellung zu hören.

Die Erzgebirge-Engelchen sind ein Geschenk von Heidi Jäggi aus Basel. Vor rund einem Jahr rief sie die Museumsleiterin Claudia Rüfenacht an, sagte, sie müsse ins Altersheim und fragte, ob das Museum Platz für ihre Engel hätte. Es hatte – auch weil die Engel schon schön verpackt zum Abtransport bereitstanden, als Rüfenacht Jäggi besuchte. Postwendend beschloss die Museumsleiterin, Engel wären ein ideales Thema für 2014. Jedes Jahr nämlich stellt das fünfköpfige Team eine komplett neue Ausstellung auf die Beine.

Engel aus irdischem Material

Einen schönen Kontrast zu den Holzengeli aus dem Erzgebirge bilden die sie umrahmenden weichen Engel-Quilts von Elisabeth Stein. Die Hölsteinerin lässt sich meist von Stoffen inspirieren und kreiert daraus harmonische «Bilder», oft in Weiss und Beige. Andere Quilts muten anthroposophisch an. Stein erreicht dies dank durchsichtiger Materialien. Beeindruckend sind auch ihre Fensterquilts, die an Kirchenfenster erinnern. Sie strahlen förmlich, ebenso wie der Weihnachtsstern oder der grosse blau-rot-lila Engel im hinteren Ausstellungsraum. Die leuchtenden Stoffe waren einst Kleider von Karin Erne, der zweiten Künstlerin, die in Bubendorf ihre Engelglasbilder präsentiert.

Erne zeigt acht Erzengel, vier davon in kräftigen, die anderen vier gegenüber in sanfteren Farben. Sie habe sich intensiv mit den Erzengeln beschäftigt, erzählt die Künstlerin, die früher ebenfalls mit Textilien arbeitete, dann aber mehr Transparenz wollte, aufs Glas kam und dafür das Handwerk der Glaserin erlernte. Mit ihren Bildern könne sie Leute berühren und beglücken. Das ist ihr wichtig. Soeben hat sie den Erzengel Uriel verkauft. «Mit ihm habe ich schon viel erlebt», sagt sie. Für sie gehören Engel zum Alltag. Ihre Wärme und ihr Licht setzt sie in ihren farbenfrohen Glasbildern um, die in der Ausstellung fast ausserirdisch leuchten.