Kinder lachen und spielen an einem Brunnen, Gäste schlendern an den Marktständen des «Oltiger Määrt» vorbei, über ihnen blauer Himmel. Es sind lebendige, fröhliche Szenen, mit denen der Kurzfilm «Handwerk, sprich!» beginnt.

Doch der erste Eindruck täuscht: Es ist nicht ein Film über einen Dorfmarkt, der im Studiokino im Gebäude Kunst und Gestaltung der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) erstmals gezeigt wird. Nach dem Bild eines Pferds kommt der Szenenwechsel: Zwei Männer sitzen in einem schwarzen Raum, beide sind Handwerker. Einer hält das Innenleben eines Sattels in die Kamera und erzählt von seiner Leidenschaft, die gleichzeitig sein Beruf ist.

Neben dem Sattler sind 15 weitere Handwerkerinnen und Handwerker im Film vertreten: Steinmetze und Spengler, Glasarbeiter und Gipser. Auch ein Hufschmied, eine Schneiderin, ein Kunstgiesser und ein Ofenbauer sind unter den Protagonisten. Sie alle haben eines gemeinsam: Ihr Handwerk ist ihre Passion.

Die Handwerker erzählen jeweils in Zweier- oder Dreiergruppen. Alle haben ein Objekt dabei, das er oder sie hergestellt hat. Doch nicht nur die jeweiligen Tätigkeiten sind Thema. Besonders über die Stellung des Handwerks in der digitalisierten Zeit wird diskutiert, über die Schwierigkeiten, mit denen man als Handwerker heute konfrontiert ist. Während rund 20 Minuten sprechen die 14 Männer und zwei Frauen über die Berufe, die ihnen so wichtig sind, inzwischen aber kaum jemand ausübt.

Handwerk ist im Trend

Dürfte sich das bald ändern? Geht es nach Nicolaj van der Meulen, Co-Leiter des Instituts für Ästhetische Praxis und Theorie an der FHNW, könnte dies der Fall sein. Er erzählt von der Entstehung des Films: «Wir haben gemerkt, dass unsere Studenten immer mehr Interesse am Handwerk zeigten», erklärt er. «Ich fragte mich: Weshalb wollen die Eisen giessen, wenn wir einen 3D-Drucker haben?», sagt van der Meulen lachend. Doch das Phänomen schien nicht zu verschwinden, weshalb er sich entschied, ein Projekt zum Thema aufzugleisen.

Van der Meulen ist überzeugt, dass dies mit der Digitalisierung zusammenhängt: «Wir haben uns so daran gewöhnt, nur noch mit dem Kopf und einem Finger zu arbeiten, dass man sich selber auch mal zeigen will, dass auch der Körper arbeiten kann.» Um das aufzuzeigen, habe er erst eine Ausstellung «Immaterielles Kulturerbe Handwerk» geplant – diese konnte er jedoch nicht umsetzen. Nachdem er mit dem Heimatschutz Baselland in Kontakt kam, stand schon bald die Idee eines Kurzfilms über Handwerker am «Oltiger Määrt» im Raum. Ziel ist, die Vielfalt des Handwerks aufzuzeigen. «Der Film könnte irgendwann auch an Schulen, Berufsmessen oder in der Berufsbildung gezeigt werden», sagte Ruedi Riesen, Präsident des Baselbieter Heimatschutzes, dazu.

Acht Vorführungen am Markt

Im Rahmen eines Seminars an der FHNW hat der Dozent und Filmemacher Angelo Lüdin das Projekt mit den Studierenden umgesetzt. Das Resultat findet Ruedi Riesen «gewaltig, wahnsinnig, schon fast philosophisch». Auch deshalb freut er sich auf die Vorführungen des Films während des diesjährigen «Oltiger Määrt». Am Stand des Baselbieter Heimatschutzes wird der Kurzfilm insgesamt achtmal gezeigt.

Der «Oltiger Märt» findet am 18. und 19. Mai statt; er ist am Samstag von 11 bis 18 Uhr und am Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Die Filmvorführungen sind samstags um 12, 13.30, 15 und 16.30 Uhr sowie sonntags um 11, 12.30, 14 und 15.30 Uhr. Sie dauern jeweils rund 20 Minuten. Am Sonntag um 16 Uhr gibts eine Verlosung zum Film.