«Jo is denn heut scho Wääinachtän?», fragte Fussball-Kaiser Franz vor Jahren in einem TV-Spot für irgendeinen Mobilfunkanbieter. Obschon sich Herr Beckenbauer inzwischen durch seine unkritische Unterstützung der Fussball-WM in Katar selbst ins Abseits gestellt hat, greifen wir sein geflügeltes Wort auf und münzen es auf den FC Basel um. Wenn am Sonntag der FCB seinen 6. Meistertitel in Folge und seinen 18. insgesamt feiert, dann nehmen wir dieses Geschenk gerne an und fügen – ganz im Stile jener habgierigen Kleinkriminellen, die «Papi» zu uns sagen – noch weitere Punkte der FCB-Meisterwunschliste hinzu. Also, lieber FCB, zu deinem 18. Meistertitel, der dich quasi volljährig macht, wünsche ich mir von dir:

  • dass du tatsächlich bereits morgen Sonntag den Pott holst, da ich auf eine Meisterfeier am Mittwoch zwischen Fan-Ausschluss in Aarau und Wochentags-Hektik auf dem Barfi keine Lust habe.
  • dass noch zwölf weitere FCB-Meistertitel in Serie folgen, damit neben dem ersten auch ein zweiter und dritter Stern dein Vereinslogo ziert, bevor ich dement werde und das nicht mehr mitkriege.
  • dass rund um die Meisterfeier alles schön friedlich bleibt, da mir die ewig fruchtlose Debatte um Fangewalt und die verschärfte Repression dagegen zum Halse heraushängt.
  • dass du auch weiterhin alle zwei bis drei Jahre deinen Trainer auswechselst, damit kein anderer dem legendären Helmut Benthaus dessen Rekord von sieben Meistertiteln streitig machen kann.
  • dass du auch weiterhin alle zwei bis drei Jahre einen Trainer findest, der auf Anhieb den Titel holt, damit ich noch möglichst lange mit der Einschätzung Recht behalte, dass in den zehn Jahren unter Christian Gross mehr als nur vier Meistertitel möglich gewesen wären.
  • dass du fortan immer derart begeisternden Angriffsfussball spielen lässt, damit es niemandem in den Sinn kommt, angesichts deiner Dauerdominanz das Wort «langweilig» in den Mund zu nehmen.
  • dass sich deine Konkurrenten nicht ständig durch Managementfehler selber schwächen, damit die Entscheidung über deinen Titelgewinn auch mal erst in der Nachspielzeit der allerletzten Runde fällt.
  • dass du künftig YB den Titel erst in der Nachspielzeit der letzten Runde abjagst, damit wir Fans nicht nur arrogant, sondern auch schadenfreudig sein dürfen.
  • dass du mal wieder einen pfiffig grossmäuligen Spieler wie Mario Cantaluppi verpflichtest, weil mich nichts mehr aufregt, als wenn bereits Jungprofis nach einem müden Kick nur abgedroschene, unverfängliche Fussballer-Phrasen in die Mikrofone stammeln.
  • dass alle deine Trainer und Spieler Deutsch lernen, damit ich mich auch in Zukunft ärgern kann, sobald ich verstehe, dass sie nur Belangloses schwafeln.

So, das wäre ungefähr alles, was ich mir von dir wünschen darf. Natürlich gibt es dann noch die unrealistischen Begehrlichkeiten: Etwa, dass du der Baselbieter Regierung anhand deiner eigenen Geschichte beibringst, wie man aus einem hoffnungslosen Pleitebetrieb ein Bombengeschäft machen kann. Oder dass du den Baselbieter Sozis die Bedeutung von Siegermentalität erklärst. Und noch einen Wunsch kannst und sollst du mir nicht erfüllen: dass ich mich je wieder über einen Meistertitel so eruptiv-ekstatisch freue wie damals 2002 nach der 22-jährigen Durststrecke und Roche-Turm-hoch angestauten Minderwertigkeitskomplexen. Das war wirklich wie Ostern, Weihnachten und Neujahr zusammen.