Das hat Seltenheitswert, dass eine Gemeinde zufrieden ist, wenn ihr ein geplanter Anschluss an eine übergeordnete Strasse verwehrt wird. Bei Liestal ist das jetzt aber der Fall. Konkret geht es um den auf 45 Millionen Franken veranschlagten Zentrumsanschluss an die Umfahrungsstrasse A22. Dieser war auf der Höhe des Feuerwehrmagazins vorgesehen und hätte eine ziemlich direkte Erschliessung von mehreren Wohnüberbauungen in Liestal Nord, aber auch der kantonalen Verwaltung ermöglicht.

Doch die neuste Anpassung des Kantonalen Richtplans sieht vor, dass dieser Zentrumsanschluss ersatzlos gestrichen wird; der Entwurf, der noch andere Änderungen beinhaltet (siehe Box), liegt bis Mitte März zur Vernehmlassung auf.

Das kantonale Tiefbauamt und die Stadt Liestal haben den Verzicht auf diesen Anschluss gemeinsam ausgehandelt. Dahinter steht auch die Erwartung, dass der Kantonshauptort langfristig vom ökologischen Sündenfall Umfahrungsstrasse befreit wird.

Und so sieht der «Deal» im Detail aus: Die A22 ist in einem schlechten Zustand. Zwar gewähren die im letzten Jahr ausgeführten Notmassnahmen einen Weiterbetrieb bis 2025, doch dann muss die Schnellstrasse rundum erneuert werden. Das würde nach ursprünglichem Projekt inklusive Zentrumsanschluss gegen 200 Millionen Franken kosten. Die Arbeiten würden sieben Jahre dauern und Liestal in dieser Zeit massiven Mehrverkehr bescheren.

Bund macht grosses Fragezeichen

Dazu kommt, dass die Bundesämter für Strassen (Astra) und Umwelt (Bafu) erhebliche Vorbehalte gegen den Zentrumsanschluss haben. Das Astra kritisiere die Anschlussdichte, weil zwischen den Anschlüssen Liestal Nord und Liestal Zentrum nur 800 Meter liegen würden, was bei hohem Verkehrsaufkommen zu kritischen Stausituationen führen könne. Und das Bafu bezweifle, ob der Zentrumsanschluss, der auch über die Ergolz zu liegen käme, überhaupt bewilligungsfähig sei, sagt Axel Mühlemann vom kantonalen Tiefbauamt.

Als Alternative steht nun für den Kanton und Liestal im Vordergrund, die A22 mit sogenanntem Ultra-Hochleistungs-Faserbeton zu sanieren. Damit ist zwar der Bau des Zentrumsanschlusses nicht mehr möglich, weil dazu die Trasseeführung geändert werden müsste. Dafür dauert diese Sanierungsvariante nur vier Jahre und kostet nur 74 Millionen Franken. Und sie hält etwa halb so lang (30 bis 40 Jahre) wie eine Gesamterneuerung, bis der nächste Grosseingriff nötig ist. Das ist, so paradox es tönt, ein entscheidender Vorteil für Liestal.

Stadtpräsident ad interim Franz Kaufmann erklärt: «Diese 30 bis 40 Jahre reichen, um eine alternative Umfahrungsstrasse um Liestal zu planen und zu bauen. Ich denke dabei an einen Tunnel durch den Schleifenberg.» Und er fügt an: «Deshalb, aber auch wegen der fragwürdigen Bewilligungsfähigkeit und dem massiven städtebaulichen Eingriff steht der Stadtrat voll hinter der Streichung des Zentrumsanschlusses aus dem Richtplan.» Für Liestal wäre das ein Befreiungsschlag: Anstatt des lärmigen Betonbands würde wieder die plätschernde Ergolz den nördlichen Ortsteil dominieren, wie es vor 1970 der Fall war.

Offen ist, wieweit der Bund als künftig wichtigster Akteur bei diesen Langzeitplänen mitspielt. Er übernimmt ab 1. Januar 2020 die A22 (und die A18) vom Kanton. Der Landrat hat ihm im Herbst jedenfalls schon mal einen Wink mit dem Zaunpfahl gegeben: Er hat 250'000 Franken für die Planung der langfristigen Führung der A22 im Raum Liestal gesprochen.