Die freigelegten Reste der Römervilla Munzach in Liestal fristen heute ein trauriges Dasein. Eingeklemmt zwischen dem Parkplatz und dem Hauptgebäude der Psychiatrie Baselland sind die bis zu 1900 Jahre alten Artefakte den Witterungseinflüssen ebenso schutzlos ausgesetzt wie den (modernen) Vandalen. Zu diesem Schluss kommt kein Geringerer als der Baselbieter Kantonsarchäologe Reto Marti. Nach der «stürmischen Entdeckungsphase» sei der Gutshof ab 1980 zunehmend in Vergessenheit geraten. Längst hat sich die Natur Teile der damals grossflächig freigelegten Anlage zurückerobert und überwuchert, viele Funde verschwanden im Depot, manche bleiben heute unauffindbar. Doch nun ist Besserung in Sicht.

Innert des nächsten Jahrzehnts soll die in den 1950er-Jahren nur behelfsmässig restaurierte Ruine im Gelände gesichert und gleichzeitig aufgewertet werden. In der Zwischenzeit wird laut Marti die 60 000 Objekte umfassende Sammlung der Munzach-Funde «endlich detailliert gesichtet, um so die Geschichte und Funktion der Anlage besser zu verstehen».

Verblüffende Verbindung

Den Anfang zu diesem Grossvorhaben hat Debora Schmid, die 56-jährige Forschungsleiterin von Augusta Raurica, gemacht. Am Montagbend feierte ihre Neuerscheinung «Luxus auf dem Land. Die römischen Mosaiken von Munzach» in Liestal Buchvernissage. Den Rahmen hierfür bildete die Jahresversammlung der Munzachgesellschaft, die sich seit 1998 für den Erhalt der Anlage einsetzt. Im schön aufgemachten, üppig illustrierten, 112-seitigen Band stellt Schmid die sechs in Munzach entdeckten, teilweise grossflächigen Mosaiken in den Mittelpunkt ihrer wissenschaftlichen Untersuchung – und dabei in einen grösseren Zusammenhang.

Vieles deutet darauf hin, dass der Gutsbesitzer von Munzach im frühen 3. Jahrhundert nach Christi Geburt in der hiesigen Provinz derart mächtig und einflussreich war, dass er sich im fünf Kilometer entfernten Augusta Raurica auch ein luxuriös ausgestattetes Stadthaus hielt. Die Ähnlichkeit und Seltenheit der Mosaikfunde von Munzach und jener in den Augusta-Raurica-Arealen «Insulae 41/47» legen eine solche Verbindung nahe. In Zeiten seiner höchsten Blüte dürften bis zu 200 Menschen auf Munzach gelebt haben, wobei die hoch entwickelte Viehhaltung und Landwirtschaft die Quellen für Reichtum, Luxus und Macht der Besitzer bildeten. «Die grossen Gutsherren gaben in den Städten den Ton an», folgert der Baselbieter Kantonsarchäologe Reto Marti und bezieht diesen Schluss auch auf die einstigen Herren des grossen römischen Gutshofs von Pratteln-Kästeli, wo der Fund eines grossen Goldrings während einer archäologischen Notgrabung im vergangenen August für Furore sorgte (bz berichtete).

Bevölkerung fieberte mit

Bald 70 Jahre später ist es nur noch schwer nachvollziehbar, welche Wellen die Entdeckung des römischen Gutshofs von Munzach in den 1950er-Jahren schlug. Breite Bevölkerungskreise fieberten mit «ihrer Römervilla» mit, wenn der Entdecker und Grabungsleiter, der Liestaler Lehrer Theodor Strübin (1908–1988), zusammen mit seinen Schülern, den sogenannten «Munzachbuben», immer neue Schätze freilegte. Gestossen auf die Reste der «villa rustica Montiacum» war Strübin durch Zufall 1950, als die gleichnamige Wasserquelle neu gefasst wurde. Wenige Jahre später war bereits die gesamte Anlage freigelegt, woran beispielsweise auch der Künstler Walter Eglin als freiwilliger Helfer mitwirkte. Von den sechs zwischen 1950 und 1974 ans Tageslicht gebrachten Mosaikböden dürften fünf von ihnen zu Beginn des 3. Jahrhunderts im Rahmen einer umfassenden Modernisierung des Gutshofs verlegt worden sein.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist es gut zu sehen, dass trotz aller finanziellen Beschneidungen der Kanton Baselland diesem Kronjuwel seiner archäologischen Bodenforschung wieder verstärkte Aufmerksamkeit widmet.

Luxus auf dem Land Die römischen Mosaiken von Munzach (Schriften der Archäologie Baselland 52). Von Debora Schmid. Basel, Schwabe Verlag 2016. 23.90 Franken.