Die Ablagerung liegt schon Jahre zurück – die Folgen werden jedoch erst jetzt deutlich. Zwischen 1991 und 2007 fuhren Lastwagen mit Schlacke des Prattler Unternehmens Metallum AG zur Deponie Elbisgraben in Liestal. Sickerwasserdaten zeigen nun erhöhte Arsenwerte, die auf die industriellen Stoffe zurückzuführen sind.

Insgesamt fanden rund 26'000 Tonnen Reststoffe den Weg von Pratteln nach Liestal. «Die Schlacke entstand beim Recycling von Batterien und Akkumulatoren bei 1100 Grad Celsius im Drehrohrofen in der Firma Metallum AG», erklärt Dominik Fricker, Mediensprecher der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion. Mit der Annahme und Ablagerung der Abfälle sei der Kanton Baselland auch Inhaber der Abfälle geworden. Somit müsse auch der Kanton für die Kosten aufkommen. Das Unternehmen, aus dem das Arsen in der Deponie Elbisgraben stammt, hat seinen Betrieb im Jahr 2009 eingestellt.

Kanton arbeitet Massnahmen aus

Hat der Kanton Baselland die Schlacke aus Pratteln nicht genau genug kontrolliert, als er sie in Liestal ablagern liess? «Die Schlacke wurde basierend auf der seinerzeitigen rechtlichen Grundlage, dem Stand der Technik sowie dem Kenntnisstand angenommen und auf dem Reststoffkompartiment abgelagert», antwortet Fricker. Neben den industriellen, nicht verwertbaren Reststoffen werden in der Deponieanlage Elbisgraben unter anderem auch Schlacke der Kehrichtverbrennungsanlage Basel sowie Klärschlamm-Asche abgelagert.

Dominik Fricker betont: «Aufgrund der abgelagerten Schlacke der Metallum AG kommt es gegenwärtig zu keinen lästigen oder schädlichen Umweltauswirkungen.» Basierend auf der Abfallverordnung des Bundes müsse aber ein Deponiestandort nach einer Nachsorgephase von 50 Jahren nach Deponieabschluss ohne technische Massnahmen der Umwelt überlassen werden können. Das Sickerwasser könne dann direkt und ohne Vorbehandlung in ein Oberflächengewässer eingeleitet werden.

Die Vorgaben des Bundes wird Baselland voraussichtlich nicht erfüllen können. «Gemäss heutigem Kenntnisstand werden die massgebenden Grenzwerte für Arsen im Sickerwasser für die Einleitung in ein Oberflächengewässer nach einer Nachsorgedauer von 50 Jahren ab dem Zeitpunkt des Deponieabschlusses nicht eingehalten werden können», sagt Fricker. Demzufolge müssten bereits heute vorsorgliche Massnahmen getroffen werden, die man in den nächsten Monaten ausarbeite.

Entsorgung kostet 37 Millionen

Rund 8000 bis 10'000 Tonnen der arsenbelasteten Schlacke wurden bereits ausgehoben und lagern auf dem Deponiekörper. Die Entsorgung dieses Materials kostet rund 5 Millionen Franken, die der Kanton Baselland aus bereits vorhandenen Rückstellungen finanziert. Um die restlichen 16'000 bis 18'000 Tonnen Schlacke, die noch in der Deponie Elbisgraben sind, entsorgen zu können, hat der Kanton in der vor zwei Tagen vorgestellten Kantonsrechnung weitere Rückstellungen von 32 Millionen Franken getätigt.

Auch wenn keine absolute Dringlichkeit besteht, ist der Kanton Baselland gut beraten, die Entsorgung bald in Angriff zu nehmen. «Gemäss internationaler Agentur für Krebsforschung kann Arsen beim Menschen Krebs auslösen», sagt der Basler Altlastenexperte Martin Forter. In mehreren Chemiemülldeponien in der Region sei der Giftstoff zu finden. Das Halbmetall Arsen komme neben der Deponie Elbisgraben in Liestal auch in den drei Muttenzer Deponien Feldrebengrube, Rothausstrasse und Margelacker von BASF, Novartis und Syngenta sowie in Schweizerhalle vor.

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Aufgrund eines Verortungsfehlers der Deponie stand im Artikel zuerst Arisdorf. Die Deponie Elbisgraben liegt allerdings auf Liestaler Boden. Die Redaktion entschuldigt sich für das Versehen.