Vor kurzem wurde bekannt, dass die Confiserie Krattiger am Fischmarkt per Ende Mai schliesst. In den letzten Tagen nun sickerte durch, dass ein paar Schritte weiter oben am Wasserturmplatz auch die Confiserie Wassertürmli per Ende Juni ihre Türen zumacht. «Wir müssen aus wirtschaftlichen Gründen aufhören», sagt Peter Bleuler, der die Lokalität seit 2006 zusammen mit seiner Partnerin Judith Gasche betreibt. Es würden Investitionen in die 34 Jahre alte Backstube anstehen, die sie nicht aus den betrieblichen Erträgen stemmen könnten. Zudem müsste auch der Eingangsbereich ihres Geschäfts umgebaut werden, um den Betrieb zu rationalisieren und damit Kosten einsparen zu können.

Und die Investitionen hinauszuschieben, ist für die beiden keine Option, weil sie den Glauben an eine bessere Zukunft in Liestal verloren haben. Bleuler: «Wenn im Sommer der Umbau der Rathausstrasse beginnt, wird die Zahl der Kunden in Liestal und damit auch in unserem Betrieb nochmals zurückgehen.» Er fügt bei: «Überspitzt formuliert kann man sagen, lieber jetzt ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.»

Fast die Hälfte blieb weg

Begonnen hat der Abwärtstrend im «Wassertürmli» offenbar vor etwas mehr als vier Jahren, als der Wasserturmplatz umgebaut wurde. Damals sei die Kundenfrequenz trotz origineller Aktionen wie die Bedienung der Gäste draussen im Café mit Helm und Baukleidung um fast bis zur Hälfte eingebrochen. Und seither habe sie nie mehr das frühere Niveau erreicht, was insofern nicht erstaune, da die frühere «wunderschöne Gartenterrasse in lauschiger Umgebung unter mehreren Bäumen» an Atmosphäre eingebüsst habe, sagt Bleuler. Dem Café habe zudem geschadet, dass mehrere Firmen in unmittelbarer Umgebung weggezogen seien. Deren Mitarbeiter hätten sich oft bei ihnen verpflegt und ihre Kundengespräche hier geführt. Im Laden mit seinen Confiserie-Produkten von Pralinés über Schokoladen-Kreationen bis zur Patisserie – «altes, selbst hergestelltes Handwerk in edler Qualität», wie Bleuler sagt – sei dagegen der Umsatz nicht so stark zurückgegangen.

Ein Problem sieht Judith Gasche auch im veränderten Einkaufsverhalten: «Die Leute wollen am liebsten mit dem Auto vors Geschäft fahren und schnell einkaufen. Rund ums ‹Wassertürmli› sind aber in den letzten Jahren Parkplätze verschwunden und jetzt sollen nochmals sieben aufgehoben werden zugunsten einer verlängerten Bushaltestelle. Das geht nicht auf.» Und etwas neidisch schaut sie nach Sissach, wo dies im «Strichcode» besser funktioniere und es auch «lässige Läden» habe.

Wie es nun mit ihnen weitergeht ab Juli, wissen Bleuler und Gasche noch nicht. Lange hatten sie gehofft, dass sie einen Nachfolger finden würden, der das Inventar sowie die Stammkunden übernimmt. Doch daraus scheint nichts zu werden. Und ob das neunköpfige, langjährige Personal, das kürzlich über die bevorstehende Schliessung informiert wurde, eine Stelle findet, ist im Moment auch völlig offen. Zumindest das Fachpersonal dürfte es in Liestal schwer haben, gibt es doch ab Juli nur noch eine richtige Confiserie hier – den «Aebischer» an der Rathausstrasse.