Jeder der 67 anwesenden Aktionäre verlor in dieser Stunde am Montagabend mindestens 90 Franken, die Hauptaktionärin gar 1,53 Millionen. Trotzdem ging die «historische» Generalversammlung der Liestaler Sport- und Volksbad Gitterli AG völlig oppositionslos und in rasantem Tempo über die Bühne.

Dies war vor allem das Verdienst von alt Bankdirektor und neu Verwaltungsratspräsident Bruno Imsand, von dem auch die Bezeichnung «historisch» stammte. Imsand hatte den aus der Not geborenen, radikalen Kapitalschnitt, bei dem der Nominalwert der 22 500 Aktien von 100 auf 10 Franken sank, zusammen mit der Stadt Liestal als Hauptaktionärin mustergültig aufgegleist.

Der Kapitalschnitt kompensiert die aufgelaufenen Defizite der letzten Jahre. Hauptgründe für die finanzielle Schieflage, in die die Bäder trotz der rund 250 000 Besucher jährlich geraten sind, sind lange aufgeschobene Abschreibungen sowie Rückstellungen für die Pensionskasse des Personals. Zudem stehen hohe Investitionen an. Letzteres sei eine Herausforderung, sagte Liestals Stadtpräsident Lukas Ott. Der Verwaltungsrat habe deshalb konzeptionelle Modelle in Auftrag gegeben.

Profiteure sollen mehr bezahlen

Ott lobte die Weichenstellung mit dem Kapitalschnitt ausdrücklich und ergänzte: «Für die Stadt Liestal ist das nicht weiter dramatisch, weil wir die Aktien in der Bilanz schon längst nur noch zu einem symbolischen Wert von einem Franken führen.» Viel bedeutender sei ein anderer Aspekt: «Wir wollen die wichtigste Sport- und Freizeitanlage im Oberbaselbiet unbedingt erhalten.»

Eine Bereinigung des Aktionariats sei nicht infrage gekommen, weil man die privaten Aktionäre an Bord halten wolle. Denn das Volks- und Sportbad lebe von der Identifikation der Bevölkerung mit ihm. Worauf die finanziell gebeutelten Aktionäre kräftig applaudierten. Von den 22›500 Aktien hält die Stadt Liestal übrigens deren 17 000; der Rest verteilt sich auf zehn umliegende Gemeinden sowie auf rund 700 Privatpersonen.

Wie geht es nun weiter? Als Überbrückungshilfe hat der Liestaler Einwohnerrat letzten Dezember ein nachrangiges Darlehen von 775 000 Franken gewährt und die Leistungsvereinbarung mit den Bädern um ein Jahr verlängert (die bz berichtete). Den weiteren Weg skizzierte Imsand so: Jede Gemeinde im Einzugsgebiet der Liestaler Bäder zwischen Langenbruck und Frenkendorf habe einen Brief erhalten mit der Bitte, acht Franken pro Einwohner und Jahr beizutragen.

Gartenbad rüstet auf

Jene drei Gemeinden mit eigenen Bädern – das sind Waldenburg, Büren und Frenkendorf – sowie deren Nachbarn, die bereits einen Beitrag an diese Bäder bezahlten, seien um einen halb so hohen Beitrag angegangen worden. Bei Zustimmung würden jährlich eine Viertel Million Franken an die Liestaler Bäder fliessen.

Zudem habe man beim Liestaler Bürgerrat und bei der kantonalen Sportkommission vorgesprochen. Bei Ersterem, so Imsand weiter, habe man offene Türen eingerannt, vom Kanton sei mit dem Maximalbeitrag von einer halben Million Franken zu rechnen. Voraussichtlich im Sommer befindet der Liestaler Einwohnerrat zudem über eine neue Leistungsvereinbarung.

Die detaillierten Besuchererhebungen, die das Liestaler Hallenbad seit November durchführt, zeigen laut Imsand, dass 20 Prozent der Besucher aus Liestal, knapp 18 aus den umliegenden Gemeinden und 15 Prozent aus den beiden Frenkentälern kommen. Das Liestaler Gartenbad eröffnet seine Sommersaison am 29. April. Und das mit neuen Anreizen wie gratis WLAN und einer Ladestation für Elektroautos.