Die Liestaler Bürgergemeinde ist in Hochform. Praktisch im Wochenrhythmus präsentiert sie neue Projekte: zuerst den Quartierplan Grammet an der Grenze zu Lausen mit 168 Wohnungen, dann den Baumwipfelpfad beim Aussichtsturm und gestern nun den Quartierplan Brunnmatt vis-à-vis dem gleichnamigen Pflegezentrum. Wobei sie bei Letzterem eine Nebenrolle einnimmt: Sie stellt das 2400 Quadratmeter grosse Grundstück zwischen Spielplatz und der Pfauenhof-Siedlung der Liestaler Paul-Schwob-Stiftung im Baurecht zur Verfügung.

Zentral und attraktiv wohnen

Die Stiftung hat den Zweck, Wohnen im Alter zu Fördern. In der Stiftungsurkunde steht der Zusatz: «wobei zu beachten ist, dass Besuche von Angehörigen leicht möglich sind und ältere Leute nicht gerne abseits leben». Auf dem Gelände will sie für rund acht Millionen Franken zwei Gebäude mit 18 Alterswohnungen bauen. Die Beteiligten bezeichneten gestern das Vorhaben als Glücksfall für alle.

Die Paul-Schwob-Stiftung kann den Stiftungszweck an «attraktiver Lage mit Bushaltestelle und Pflegezentrum in unmittelbarer Nähe» umsetzen, sagte Ernst Bronner, Präsident ad interim. Für die Bürgergemeinde könne eine ungenutzte Baulücke sinnvoll gefüllt werden, meinte deren Präsident Peter Siegrist. Dass die Parzelle heute weitgehend eine Brache mit ein paar Parkplätzen ist, hat mit dem Wandel des «Brunnmatt» vom Alters- zum Pflegezentrum zu tun: Früher seien die Leute früher und körperlich fitter ins Altersheim eingetreten und hätten die Parzelle noch als Pflanzplätze genutzt. Das sei heute nicht mehr denkbar, sagte Siegrist. Und für die künftigen Mieter seien die Alterswohnungen eine Situation «à la carte», sagte Gerhard Läuchli vom Arealentwickler Priora AG. Damit spielte er darauf an, dass die Leute «in reifen Jahren», also ab Alter 60, selbstständig in den Wohnungen leben und je nach Bedarf im nahen «Brunnmatt» essen können. Wenn sie gebrechlicher werden, können sie sich das Essen in die Wohnung bringen lassen und wenn es nicht mehr anders geht, ins Pflegezentrum umziehen.

Dank Deponie tiefere Mietzinse

Eine der beiden dreigeschossigen Bauten kommt an den oberen Rand der Parzelle an der Arisdörferstrasse zu stehen, die andere an den unteren an der Heidenlochstrasse. In der Mitte gibt es einen grosszügigen Platz; die Autos «verschwinden» in einer unterirdischen Einstellhalle mit 44 Plätzen, wovon 20 fürs «Brunnmatt»-Personal vorgesehen sind. Die Wohnungen verfügen über zweieinhalb bis viereinhalb Zimmer. Die Miete für eine 3½-Zimmer-Wohung mit 92 Quadratmetern soll pro Monat 1700 Franken kosten.

Das ist ein relativ moderater Preis, was damit zu tun hat, dass die Bürgergemeinde der Paul-Schwob-Stiftung beim Baurechtszins entgegenkommt. Peter Siegrist sagte dazu: «Wir gewähren ihr die gleichen Vorzugsbedingungen wie dem Pflegezentrum.» Die Bürgergemeinde kann es sich leisten: Dank der Deponie Höli fährt sie beachtliche Überschüsse ein. So rechnet sie im nächsten Jahr mit 1,7 Millionen Franken Mehrertrag. Gestern ging der Quartierplan ins öffentliche Mitwirkungsverfahren. In einem Jahr soll der Baustart erfolgen und in der ersten Hälfte 2017 sollen die Mieter einziehen.