Es ist die Ziffer 7 des Artikels 716a im Schweizerischen Obligationenrecht, die schon bei so manchem Unternehmer für schlaflose Nächte gesorgt hat: Im Falle einer Überschuldung einer Aktiengesellschaft muss der Verwaltungsrat den Richter benachrichtigen. Dies gehört zu den unübertragbaren Aufgaben des Gremiums. Etwas salopp wird das üblicherweise als «die Bilanz deponieren» bezeichnet.

Im Falle der Galaxys Fitness AG in Liestal geschah dies zwar am 24. Juni 2016, doch hatte man bereits Ende April 2016 alle Kunden ausgesperrt. Zuvor hatte man noch fleissig neue Jahresabonnemente verkauft – dies trotz hoher Schulden und stark defizitärem Betrieb. Das unschöne Ende des Fitnessclubs sorgte in Liestal und Umgebung für viel Aufregung und grosses Aufsehen.

Der Mietvertrag am Eichenweg bestand seit dem Jahr 2005, im April 2015 kündigte die Vermieterin diesen allerdings wegen ausstehender Zahlungen. Um eine Lösung zu finden, wurde von Mai bis Oktober 2015 ein befristeter Vertrag abgeschlossen, die Monatsmiete dabei von regulär 14'000 auf 9800 Franken pro Monat reduziert.

Nach langen Verhandlungen gab es erneut einen befristeten Vertrag, diesmal von November 2015 bis Ende April 2016. Im März teilte die Vermieterin der Galaxys AG mit, dass damit nun definitiv das Ende der Fahnenstange erreicht sei und der Vertrag nicht mehr verlängert werde. Die Mietzinsausstände betrugen zu jenem Zeitpunkt stolze 124'000 Franken.

In der strafgerichtlichen Aufarbeitung diese Woche wurde der Fall nochmals aufgerollt. Die beiden ehemaligen Verwaltungsräte betonten vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz mehrfach, man habe ihnen damals einen Schuldenerlass sowie einen «Neustart» versprochen. Gerichtspräsident Daniel Schmid hingegen sagte am Donnerstag in der Urteilsbegründung, einer der Verurteilten habe in einem Schriftstück im Oktober 2015 selbst den Begriff «Stundung» verwendet.

Schulden verschwinden nicht

«Niemand, der halbwegs wirtschaftlich denkt, geht davon aus, dass einfach so 100 000 Franken erlassen werden», sagte Schmid. Auch sei der befristete Mietvertrag von der Vermieterin explizit als kurzfristige Lösung bezeichnet worden, um nicht in einen vertragslosen Zustand zu geraten. Auch die daran geknüpften Bedingungen für eine Fortführung waren laut Gericht klar: Die Vermieterin verlangte eine marktübliche Miete sowie den Abbau der bestehenden Schulden.

Nebst dem Schuldspruch wegen Misswirtschaft durch Konkursverschleppung fällte das Strafgericht auch Schuldsprüche wegen mehrfachen Betruges: Die beiden Brüder hatten ihre Kunden am Vermögen geschädigt, da sie am Ende Abonnemente ohne Gegenleistung verkauften. «Die Kunden hatten nicht Insiderwissen wie Sie. Es ist klar, dass Kunden die finanzielle Lage eines Fitnessstudios nicht überprüfen», sagte Strafrichter Schmid. Dass die Kunden in der Folge teilweise von anderen Fitnessclubs übernommen worden sind, ändere am Schaden nichts.

Da die Taten vor 2018 geschahen, war in diesem Bereich noch eine milde Geldstrafen möglich: Bei beiden Männern beträgt die Sanktion 330 Tagessätze zu 20 Franken bedingt. Nach aktuellem Recht wäre dafür eine bedingte Freiheitsstrafe von neun Monaten fällig. Von einem gewerbsmässigen Betrug, wie von der Staatsanwaltschaft angeklagt, wollten die Richter allerdings nichts wissen, hier wären die Strafen höher gewesen.

Auch noch Schadenersatz

Manche Kundenbeziehung war noch relativ neu, doch 15 der klagenden Kunden waren zehn Jahre oder länger bei Galaxys in Liestal. Den Rekord hält ein Kunde mit 19 Jahren Mitgliedschaft. Aufgrund der Restlaufzeit ging die Staatsanwaltschaft von einem Schaden von 21'500 Franken aus, doch die drei Richter setzten die Zeitschwelle für das betrügerische Inkasso der wertlosen Abos etwas später an und kamen so auf einen tieferen Deliktsbetrag von rund 16'000 Franken.

Entsprechend verdonnerten sie die beiden Männer auch zu Schadenersatz. Die restlichen Gläubiger müssen ihre Forderungen beim Zivilgericht einreichen.