«Nach der Schule Redakteur? Läuft.» Das Onlineportal Tize sucht auf seiner Website neue Mitarbeiter. Die Sprache trifft den Jugendton perfekt. Kein Wunder: Die Schülerzeitung 2.0 wird von Jugendlichen für Jugendliche geschrieben. Täglich erscheinen rund drei Artikel. Die Themenpalette ist breit gefächert: Krafttraining, Abstimmung über die erleichterte Einbürgerung, Rezension über ein Jugendbuch. Im August 2015 gegründet, arbeiten heute über 25 Teenager ehrenamtlich für Tize. An der Spitze steht mit Nils Feigenwinter ein 16-Jähriger. Er ist der wohl jüngste Medienunternehmer der Schweiz.

Feigenwinter wohnt in Büren und besucht in Liestal das Gymnasium. Tize betreibt er als Hobby, investiert rund acht Stunden pro Woche. Mehr wäre durchaus möglich. «Ich belasse den Aufwand aber bei acht Stunden, sonst haben meine Lehrer keine Freude und meine Eltern auch nicht», sagt er auf Anfrage. Eigentlich sei es aber ein 24-Stunden-Projekt, denn er sei mit den Gedanken immer bei Tize.

Mit seinem Projekt startet Feigenwinter gerade voll durch: Laut eigenen Angaben erreicht das Portal 15 000 Leser pro Monat. Seit Dezember flimmert Tize auch über TV-Bildschirme im öffentlichen Verkehr: Feigenwinter ist eine Partnerschaft mit Passenger TV eingegangen. Die App, ebenfalls im Dezember lanciert, wurde rund 1000 Mal heruntergeladen. Apple platzierte sie während einer Woche sogar auf der Startseite des App Stores, in der Rubrik «Neue Lieblings-Apps». Die klassischen Medien dürften etwas neidisch auf Tize schauen. Man decke mit Werbung den grössten Teil der Redaktionskosten, heisst es auf der Website. Zahlreiche Medien haben schon über Feigenwinter berichtet. Unter anderem hat das Fachmagazin «Schweizer Journalist» den jungen Medienmacher porträtiert. Die «Sonntagszeitung» schrieb gestern, Feigenwinter sei inzwischen ein gefragter Gast auf Podien.

Tize operiert nicht gewinnorientiert. Das bleibe auch so, sagt der Gründer. Jeder Jugendliche könne mitschreiben. Er versteht Tize auch als Spielwiese, wo künftige Journalisten neue Dinge ausprobieren können. Damit will er einen Beitrag leisten, die Medienkrise zu überwinden. Am wichtigsten seien ihm jedoch zwei Dinge: «Wir machen das, was uns Spass macht. Und es stehen keine Erwachsenen hinter dem Projekt.» Nur die aufwendige Entwicklung der Website www.tize.ch gab Feigenwinter in die Hände einer Agentur, sagt aber: «Die Ideen und das Design stammen aber von uns.»