In Liestal gilt wie fast überall: Verkehrsfragen spalten die politischen Parteien. Umso mehr lässt aufhorchen, dass nun alle im Einwohnerrat vertretenen Fraktionen von links bis rechts einen gemeinsamen Vorstoss unter dem Titel «Befreiung des Bücheliplatzes vom Durchgangsverkehr!» eingereicht haben.

Darin bemängeln die fünf Postulanten Diego Stoll (SP), Rolf Gutzwiller (Mitte-Fraktion), Hanspeter Zumsteg (Grüne), Michael Bischof (FDP) und Hanspeter Meyer (SVP), dass sich der «rege Durchgangsverkehr» störend auf den Bücheliplatz vor der neuen Manor auswirke, der der Bevölkerung als Ort zum Verweilen und als direkte Verbindungsachse vom Bücheli-Center in die Altstadt diene.

Wörtlich schreiben sie: «Durch den Durchgangsverkehr mutiert die an sich attraktive Begegnungszone zur leidigen Konfrontationszone zwischen den einzelnen Verkehrsteilnehmern.»Die Postulanten bitten deshalb den Stadtrat, den Bücheliplatz vom Durchgangsverkehr zu befreien. Dabei soll die Zufahrt zu den Geschäften und Wohnhäusern an der Büchelistrasse sowie die Zufahrt zur Altstadt via Rumpel sichergestellt bleiben

Bauernmarkt soll auf Bücheliplatz

Die öffentlichen Busse sollen über den Kantinen- und Nonnenbodenweg verkehren, Begleitmassnahmen wie die Abstimmung der Lichtsignalanlagen sollen den Verkehrsfluss über diese Route begünstigen und der Bauernmarkt soll künftig auf dem verkehrsbefreiten Bücheliplatz stattfinden.

Unter dem Strich gibt es nur eine Lösung, um diese Forderungen zu erfüllen: Die Büchelistrasse wird auf Höhe des Bücheliplatzes mit einem Riegel – denkbar wären Poller – unterbrochen; die Zu- und Wegfahrt für die oberhalb liegenden Gebäude müsste vom Törli her, für die unterhalb liegenden über den Obergestadeckweg respektive den unteren Teil der Büchelistrasse erfolgen.

«Sache des Stadtrats»

Diego Stoll, der bei der Ausarbeitung des Postulats als Koordinator wirkte und auch die Bau- und Planungskommission präsidiert, will solche Schlussfolgerungen nicht kommentieren. Er sagt: «Wir wollen das Problem benennen, aber die Lösung bewusst offen lassen. Diese ist Sache des Stadtrats.»

Für ihn sei wichtig, dass man mit dem Vorstoss unideologisch vorgehe und nicht die Autofahrer verteufle, sondern den Bücheliplatz sinnvoll nutzen wolle. Und Stoll ergänzt: «In Liestal hat ein Umdenken stattgefunden.»

Das gilt auch für den Stadtrat. Im Januar sagte Stadtrat Peter Rohrbach im Einwohnerrat laut Protokoll noch: «Die Büchelistrasse soll weiterhin eine Durchgangsstrasse bleiben.» Er fügte jedoch an, dass das Verkehrskonzept nicht in Stein gemeisselt sei und man die weitere Entwicklung im Zusammenhang mit der neuen Manor beobachten wolle.

Ott sieht ein Sicherheitsproblem

Diese wurde ein paar Wochen später eröffnet, und Stadtpräsident Lukas Ott sagt heute: «Wir begrüssen sehr, dass dieser Vorstoss vom Einwohnerrat kommt. Er stärkt uns den Rücken.» Man habe gehofft, dass sich der Durchgangsverkehr wegen der vielen Fussgänger im Bücheli von alleine auf die Achse Kantinenweg-Nonnenbodenweg verlege.

Doch die Macht der Gewohnheit sei bei den Automobilisten offensichtlich zu gross. Und Ott bilanziert: «Jetzt herrscht auf dem Bücheliplatz ein Sicherheitsproblem und es ist eine Frage der Zeit, bis etwas passiert, wenn wir nicht handeln.»

Das zweite Problem sei, dass die Büchelistrasse wie eine Trennlinie auf die Fussgängerströme von der neuen Manor ins Stedtli wirke – das Gegenteil von dem, was man will.

Nicht äussern will sich Ott im jetzigen Zeitpunkt zu den Zusatzforderungen der Postulanten: «Wir haben den Vorstoss im Stadtrat noch nicht behandelt und müssen ausloten, was möglich ist und was nicht.»

Das gelte auch für den künftigen Standort des Bauernmarktes. Bekannt ist, dass Stadträtin Regula Nebiker diesen gerne im Stedtli behalten möchte.