Post der unangenehmen Sorte haben die Mitarbeiter des Liestaler com-il-faut-Verlags am Dienstag erhalten: Per E-Mail teilte ihnen Verwaltungsrat Rolf Kaufmann mit, dass das Unternehmen in finanziellen Problemen stecke – und deshalb wohl liquidiert werden müsse.

Käme es dazu, würden auch noch die letzten übrig gebliebenen Mitarbeiter ihre Jobs verlieren, denn schon in den vergangenen Wochen und Monaten hatte sich die com-il-faut AG von mehreren Angestellten getrennt. Dass nun das Ende droht, lässt das Schreiben erahnen: Das knappe Dutzend Angeschriebene wird dazu aufgefordert, nochmals in den Büros vorbei zu kommen, um sich «allfälligen persönlichen Effekten zu behändigen» und die Schlüssel abzugeben. Unter den Adressaten des E-Mails ist auch das Kiga, das Baselbieter Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit.

Die Geschäftsleitung versucht offensichtlich krampfhaft, frisches Geld aufzutreiben – bisher aber ohne Erfolg. «Die Verhandlungen betreffend Übernahme von com-il-faut AG beziehungsweise deren Medientitel konnten leider unter dem gegebenen Zeitdruck bisher nicht abgeschlossen werden», heisst es im erwähnten Schreiben. «Eine tragfähige Lösung ist zwar greifbar nahe, es fehlt uns aber die nötige Zeit.» Somit habe sich die «Liquidationsproblematik» verschärft. Die Februarlöhne könnten nicht mehr ausbezahlt werden.

Der Verlag mit Sitz an der Kanonengasse im Stedtli wurde im September 2015 ins Handelsregister eingetragen. Er ist auf Fachtitel spezialisiert und beschäftigte zeitweise gegen 15 Angestellte und freie Mitarbeiter. Zum Portfolio gehört etwa «Tierisch g’sund», das auch in Tierarztpraxen aufliegt. Die Zahlungsprobleme begleiten den Verlag schon länger. Wie die bz in Erfahrung bringen konnte, warten zahlreiche freie Mitarbeiter auf ihre Honorare. Ebenso hat com-il-faut etliche Rechnungen nicht beglichen. Der bz liegt ein Auszug aus dem Betreibungsregister vor. Stand Anfang Januar wurden vier Betreibungen eingeleitet sowie eine Konkursandrohung eingereicht.

In die Zwangsferien geschickt

Gearbeitet wurde in den Verlagsbüros an der Kanonengasse schon seit Ende Februar nicht mehr. Damals wurde die Belegschaft darüber in Kenntnis gesetzt, dass sich die Auszahlung der Saläre verzögere. Die Mitarbeitenden wurden in die bezahlten Zwangs-Fasnachtsferien geschickt. Bereits bei der Auszahlung des 13. Monatslohns war es zu Schwierigkeiten gekommen. Auch auf die Januarlöhne mussten die Angestellten bis etwa Mitte Februar warten.

Rolf Kaufmann sagte gestern auf Anfrage, Liquiditätsprobleme kämen bei einem Start-up häufig vor. Weitere Auskünfte wollte er keine erteilen. Trotz mehrerer Versuche nicht zu sprechen war für die bz der geschäftsführende Verlagsleiter, Christian Ruetz.

Für Ruetz wäre es nicht der erste Firmenkonkurs. Der umtriebige PR-Berater und Jurist mit Doktortitel war bereits bei mehreren Unternehmen, die liquidiert werden mussten, in leitenden Funktionen tätig. Die letzte Firma, die unter Ruetz’ Führung Konkurs anmeldete, war die EPM Medien GmbH in Romanshorn, bei ihr fungierte er zwischen 2014 bis 2015 als Gesellschafter und Geschäftsführer. Dieselben Positionen bekleidete Ruetz bei der Arlesheimer Walzwerk Media GmbH (Konkurs 2011), der HCW GmbH in Bern (Konkurs 2008) sowie der weiterhin sich in Liquidation befindlichen Ruetz & Partner GmbH, ebenfalls in Bern.

Gestern Donnerstag war die com-il-faut AG laut Handelsregistereintrag weiterhin aktiv. Auf der Webseite des Verlags erfuhren die Besucher jedoch nichts von den Finanzproblemen.