Wenn gestern zwei Begriffe arg strapaziert wurden, dann «Visitenkarte» und «Perlenkette». Sie sollen die Bedeutung des Grossprojektes am Bahnhofplatz Liestal ausdrücken. Nach dem Quartierplan I mit dem Uno-Gebäude folgt nun der Quartierplan II mit zwei daran anschliessenden Wohnhäusern inklusive Ladenflächen im Erdgeschoss.

Anstatt wie ursprünglich vorgesehen «Due» und «Tre» nennen die Projektverantwortlichen die zwei Häuser nun «Zentraliestal». Zusammen mit der Kantonsbibliothek und den neuen Bushaltestellen ergibt sich für die Planer eine eindrückliche Visitenkarte, die Ankommende am Bahnhof vom Kantonshauptort zu Gesicht bekommen. Nimmt man das Ziegelhofquartier, den Manor-Neubau auf dem Bücheli-Areal und den neu gestalteten Wasserturmplatz dazu, ergibt sich dann die oft genannte Perlenkette an städtebaulichen Highlights.

Allee-Umgestaltung zurückgestellt

Gestern wurde «Zentraliestal» erst der Presse, am Abend dann der interessierten Bevölkerung erstmals näher vorgestellt. Das Millionenprojekt – 25 Millionen Franken an Baukosten investiert die Pensionskasse der Migros (MPK), eine Million steuert die Stadt Liestal bei – hat es eilig. Noch diese Woche kommt die Baueingabe. Im Frühling sollen die beiden bestehenden Gebäude abgerissen werden. Läuft alles nach Plan, beginnen ab Juli die Arbeiten am Bahnhofplatz und der Bahnhofstrasse. Von September 2012 bis Frühling 2014 folgt der Bau der beiden Hauptgebäude.

«Wir haben andere Investitionen extra zurückgestellt, um den Quartierplan II noch dieses Jahr in Angriff zu nehmen», sagt der Liestaler Stadtrat Ruedi Riesen und unterstreicht damit den straffen Zeitplan. Erst 2013 soll deshalb die Allee zwischen Altstadt und Bahnhof umgestaltet werden. Diese Verschiebung der Investitionen muss erst noch durch den Einwohnerrat. «Die Investoren um die MPK sind jetzt bereit, da können wir nicht einfach ein Jahr lang pausieren», sagt Riesen in Richtung der zuständigen Bau- und Planungskommission.

Kernstück des von Mettler2Invest entwickelten Projekts ist die Kombination von Wohn- und Gewerbefläche. Zielpublikum der grossteils Zwei- und Drei-Zimmer-Mietwohnungen sind einerseits junge Singles, die gemäss Riesen «in cooler Atmosphäre» wohnen wollen, andererseits ältere Menschen, die die Nähe zum Bahnhof schätzen. Familienfreundliche Aussenanlagen fehlen. Stattdessen gibt es mit Bäumen begrünte Plateaus mit Platz für Kaffees, wie Andri Seipel vom Liestaler Architekturbüro Otto + Partner ausführt.

KMU Liestal am Standort interessiert

Ob das Prestigeprojekt Erfolg hat, hängt auch von den Läden im Erdgeschoss ab. Laut Reto Schär von der MPK laufen bereits Gespräche mit potenziellen Mietern, für Namen sei
es aber noch zu früh. Eher unwahrscheinlich seien weitere Lebensmittelgeschäfte am Bahnhofplatz. Für Riesen ist derweil klar, wer ansaugen soll: «Ich habe mit dem Verein KMU Liestal gesprochen. Er zeigt sich sehr interessiert.»

KMU-Liestal-Präsident Andreas Zbinden bestätigt das Interesse gegenüber der bz: «Grundsätzlich begrüssen wir die Belebung des Bahnhofplatzes.» Zbinden sieht aber auch mögliche Probleme. So müsse auf eine hohe Durchlässigkeit zum Stedtli hin geachtet werden. «Das ist extrem wichtig. Bahnhof und Stedtli müssen fast zusammenwachsen», so Zbinden. Diesbezüglich gibt Rolf Bühler von Mettler2Invest Entwarnung: «Neue, extra breite Fusswege und Treppen führen direkt ins Stedtli.»

Dass die Liestaler Innenstadt am Ende gar unter dem Boom des Bahnhofplatzes leiden könnte, glaubt Zbinden nicht. Für ihn sprechen die beiden Standorte andere Kunden an: «Dass sich vor allem Pendler am Bahnhof versorgen, wird sich kaum ändern.»