«Ergebnisorientierte Strafmasse sind immer heikel», meinte Gerichtspräsident Dieter Eglin gestern zur Urteilsverkündung. Doch genau ein solches Urteil bestätigten die fünf Richter des Kantonsgerichtes gestern in zweiter Instanz: Für die 39-jährige Mutter von vier Kindern bleibt es bei einer teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren, davon ein Jahr unbedingt. Diese zwölf Monate wird sie dank der elektronischen Fussfessel zu Hause absitzen können.

Die Frau hatte im August 2008 ihrem damals zwei Jahre und zehn Monate alten Sohn drei Tabletten des krampflösenden Medikamentes Lioresal gegeben. Der damalige Ehemann, der nicht der leibliche Vater ist, den Sohn aber wie seinen eigenen aufgezogen hatte, nahm das Medikament als Querschnittsgelähmter.

Offenbar sollte der Verdacht aufkommen, er gehe nicht sorgfältig mit seinen Medikamenten um und das Büblein habe aus Versehen die Tabletten genommen.

Sorgerecht als mögliches Motiv

Die Frau hatte zugegeben, dass sie im Sorgerechtsstreit ihren damaligen Ehemann ausstechen wollte – dieses Geständnis kam allerdings erst nach vier Einvernahmen und einer Woche Untersuchungshaft. Wie Gerichtspräsident Dieter Eglin andeutete, bleibt das genaue Tatmotiv aber weiterhin im Dunkeln.

Sicher ist, dass die Frau mit Kind später ins Spital fuhr, dort allerdings die Ärzte an der Nase herumführte, obwohl das Kind im Koma lag. «Man muss sich das einmal vorstellen: Das Kind hängt auf der Intensivstation an Schläuchen, der Saal füllt sich nach und nach mit Ärzten, man ist ratlos, und Sie sagen einfach nichts», so Dieter Eglin.

Dennoch verurteilte das Gericht sie nicht wegen einer versuchten eventualvorsätzlichen Tötung, betonte aber, der Entscheid sei nur knapp zu ihren Gunsten ausgefallen. Es blieb bei der Verurteilung wegen eventualvorsätzlicher schwerer Körperverletzung.

Das Verschulden der Frau wiege allerdings sehr schwer, auch ihr systematisches Lügen, Betrügen und Manipulieren wertete das Gericht als äusserst heimtückisch.

«Erst wenige Tage, nachdem Ihr Sohn am Tod vorbeigeschrammt ist, beauftragen Sie Ihre Tochter, um mit einer Selbstmorddrohung per SMS einen Familienrichter zu beeinflussen», so Eglin.

Die Sanktion von teilbedingten drei Jahren sei milde, so das Gericht. Doch weil die Staatsanwaltschaft das erstinstanzliche Urteil nicht weitergezogen hatte, prüfte das Gericht eine höhere Strafe schon aus formellen Gründen nicht.

Trickreich Alibis beschafft

Die Frau hatte sich in einer Apotheke wie auch bei der Schwiegermutter trickreich Alibis beschafft - andererseits vor der Fahrt ins Spital offenbar auch zweimal mit dem Wahrsager Mike Shiva telefoniert. Der Zweck dieses Anrufes blieb auch an der zweiten Verhandlung unklar.

Die Frau lebt schon seit Jahren mit ihren vier Kindern in der Innerschweiz mit einem anderen Mann zusammen, trotz eines richterlich bestätigten Besuchsrechts hat der Ex-Ehemann die Kinder seit einem Jahr nicht mehr gesehen. «Er kann ja telefonieren», meinte die Verurteilte dazu bloss.

Auf intensive Nachfragen des Gerichts betonten allerdings beide, sie wollten Frieden schliessen und ihren Streit künftig nicht mehr auf dem Buckel der Kinder austragen. Das Strafverfahren dürfte nun erledigt sein.

Nur eine Beschwerde beim Bundesgericht ist noch möglich. Doch die Vormundschaften und Gerichte werden auch weiterhin auf Trab gehalten: In zwei Wochen wird ein Familiengericht über das Besuchsrecht des Ex-Mannes befinden, ebenso wird das Sorgerecht ein Thema sein.