Eine schlechte Berufsqualifikation ist einer der Hauptgründe, in die Sozialhilfe abzurutschen. Dies belegen die jährlichen Statistiken. Es gibt zwar einige Arbeitsintegrationsangebote, die einen Weg aus der Sozialhilfe aufzeigen. Doch für viele sind diese Programme eine zu grosse Hürde. Reinach und Aesch haben seit Juni nun auch ein niederschwelliges Angebot.

Tagesstruktur hat Priorität

Littering ist für viele Bürger ein Ärgernis, für von der Sozialhilfe abhängige Personen aber ein erster Schritt Richtung Erwerbsleben. Schweizer Sozialhilfeempfänger, anerkannte Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene gehen täglich für je drei Stunden morgens und nachmittags achtlos weggeworfenen Müll einsammeln. «Sie erhalten damit eine Tagesstruktur und können soziale Kontakte aufbauen», sagt Severine Schürch, Beauftragte für Arbeitsintegration Reinach. Als Zustupf erhalten die Sozialhilfeempfänger für ihre Arbeit 250 bis 300 Franken im Monat.

Bisher habe in Reinach ein niederschwelliges Angebot gefehlt. Bei den anderen Programmen müssten die Leute gesund sein und einigermassen Deutsch können, betont Schürch. Aber auch beim Littering-Programm wird deutsch gesprochen. «Die Flüchtlinge besuchen Deutschkurse und sollen ihre Kenntnisse anwenden.»

Motivieren, morgens aufzustehen

Die Integrationsprogramme seien generell ein Erfolg. In den letzten vier Jahren hat jeweils rund ein Drittel der Personen eine Festanstellung gefunden, wie eine interne Statistik zeigt. Das Littering-Programm sei für Reinach und Aesch aber erst in der Versuchsphase.

Entstanden ist das Littering Programm 2008 in Pratteln in Zusammenarbeit mit der ABS AG, die dort bereits Asylsuchende betreut. «Die Gemeinde war mit dem Littering-Problem sehr stark gefordert und gleichzeitig hatte die Gemeinde geeignete Leute in der Sozialhilfe, welche für ein solches Programm infrage kommen», sagt Tobias Knol, Abteilungsleitung Littering der ABS. Das Programm solle diese Menschen motivieren, morgens aufzustehen und an einem Arbeitsprozess teilzunehmen.

Fit machen für den Arbeitsmarkt

«Solche niederschwelligen Integrationsprogramme sind im Baselbiet selten», sagt Knol. Erst Pratteln, Liestal, Birsfelden, Reinach, Aesch, Frenkendorf und Füllinsdorf bieten diese an. Dabei sei das Littering-Programm für die Gemeinden eine Win-win-Situation: «Die Sozialhilfeempfänger bekommen eine Tagesstruktur mit Bewegung an der frischen Luft und die Gemeinde wird entlastet.»

Kritik, wonach diese Arbeit unwürdig sei, lässt Knol nicht gelten. «Ich finde das diskriminierend für alle die, welche bei der Strassenreinigung oder der Kehrichtabfuhr arbeiten.» Für den hoch qualifizierten Flüchtling, dessen Diplom in der Schweiz nicht anerkannt wird, gäbe es andere Integrationsangebote.

«Wir haben nur Klienten, die zu unserem Programm passen», sagt Knol. Das primäre Ziel sei der Aufbau und Erhalt einer Tagesstruktur. Auch soll es die Teilnehmer physisch und psychisch fit machen. Immerhin: Rund 25 Prozent der Teilnehmer fänden nach diesem Programm eine Anstellung im ersten Arbeitsmarkt.

ABS stellt Sozialhilfeempfänger an

Die einzelnen Littering-Teams werden von einem ABS-Mitarbeiter begleitet. Dieser ist vorzugsweise ein ehemaliger Sozialhilfeempfänger, den die ABS einschult, begleitet und fest anstellt. «Damit kann die Gemeinde bereits den ersten Fall von der Sozialhilfe ablösen».

Konkrete Erfolge zur Bekämpfung des Littering-Problems lassen sich hingegen nicht überall messen. Oft sind die Eindrücke subjektiv. In Birsfelden beispielsweise wird der eingesammelte Abfall gewogen. Knol: «Birsfelden wurde massiv sauberer. Im Oktober 2010 sammelten die Klienten 3,4 Tonnen Abfall. Heute sind es noch rund 1,4 Tonnen im Monat.»