Rosmarie Pabst hat sich Ende letzter Woche mit einem schwerwiegenden Verdacht bei der Römisch-katholischen Landeskirche Baselland gemeldet. Die Präsidentin des Grellinger Kirchgemeinderats hat «Unregelmässigkeiten und allenfalls strafbares Handeln im Finanzbereich» festgestellt, wie es in einer Mitteilung der Landeskirche heisst. Die Landeskirche ist als Aufsichtsbehörde für die Kirchgemeinden zuständig. Pabst hat einen Strafantrag eingereicht. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft (Stawa).

Wie Landeskirchen-Sprecher Dominik Prétôt auf Anfrage der bz sagt, geht es um eine Summe zwischen 300'000 und 500'000 Franken, die in der Grellinger Kirchenkasse fehlt. Bei einem Jahresbudget von 300'000 Franken wiegt das Delikt schwer. «Das Loch ist gross, die Kasse aber zum Glück noch nicht ganz leer», sagt Prétôt. Die Landeskirche prüfe dennoch einen Überbrückungskredit, damit alle laufenden Rechnungen bezahlt werden können.

Die Kassiererin wehrt sich

Die Anzeige richtet sich nicht gegen Unbekannt, sondern gegen eine Person aus dem vierköpfigen Kirchgemeinderat. Prétôt möchte keinen Namen nennen. «Aufgrund der Zugriffsrechte auf die Konten ist der Personenkreis aber eingeschränkt.» Vom Kreis der Verdächtigen ausgeschlossen sei Kirchgemeinderatspräsidentin Pabst, die den Fall ins Rollen gebracht habe. Indirekt nennt Prétôt die Person allerdings: «Wir haben vorsorglich alle Konten gesperrt und der Kassiererin die Handlungsfähigkeit entzogen.»

Der Verdacht richtet sich also gegen die Kassiererin, wobei die Unschuldsvermutung gilt. Die Frau sei laut Prétôt eine engagierte Person und schon mehrere Jahre in der Kirchgemeinde aktiv. «In ihrer bisherigen Tätigkeit bei uns gab es keine Anzeichen von Unregelmässigkeiten.» Von der bz kontaktiert, zeigt sich die Kassiererin überrascht: «Von den Vorwürfen höre ich jetzt von Ihnen zum ersten Mal.» Sie sei «völlig vor den Kopf gestossen». Sie habe weder eine Anzeige auf dem Tisch, noch sei sie von der Kirchgemeinde, der Landeskirche oder der Stawa informiert worden. Prétôt bestätigt, dass man die Information der Stawa überlassen wollte.

Etwas hält die Beschuldigte klar fest: «Die Vorwürfe sind völlig haltlos. Ich bin mir keiner Schuld bewusst.» Es müsse sich um ein Missverständnis handeln. Sie wisse nicht, wie sie nun damit umgehen solle. Bisher habe sie ein gutes Einvernehmen mit dem Kirchgemeinderat gehabt. «Das ist jetzt ein grosser Vertrauensbruch.»

Beschuldigte ist bei der CVP aktiv

Speziell: Die Beschuldigte, die eine eigene Consulting-Firma betreibt, ist auch Kassiererin der CVP Baselland und Präsidentin der CVP Grellingen. Kantonalpräsidentin Brigitte Müller-Kaderli gibt gegenüber der bz an, intern nur Positives über die Frau gehört zu haben: «Alle, die sie kennen, sind überrascht.» Sie sei als sehr penible Zahlenfrau bekannt. Bei der CVP Baselland sei die Kasse auf alle Fälle in Ordnung. «Seit sie 2014 das Amt übernommen hat, hat sie sogar aufgeräumt und eine übersichtlichere Buchhaltung eingeführt», sagt Müller. Sie sagt aber auch: «Sollten sich die Vorwürfe als wahr herausstellen, dann werden wir unsere Kassiererin des Amtes entheben.» Dies habe sie der Beschuldigten klar gemacht.