«Hier brodelt es nur so vor gespannter Erwartung», verrät Willy Surbeck, Direktor der Biennale Pratteln, die heute Abend mit einer Vernissage für geladene Gäste eröffnet. Bis am Sonntag werden über 50 Künstler aus der Region «von Laufen bis Laufenburg» ihre Werke auf dem ehemaligen Buss-Areal in Pratteln ausstellen und vor Ort für Fragen, Anregungen und persönlichen Austausch zur Verfügung stehen. «Im Vordergrund steht die Kommunikation. Die Besucher sollen mit den Künstlern ins Gespräch kommen, sie und ihre Werke kennenlernen», erklärt Surbeck. Rund 4000 Besucher werden zu dem Anlass erwartet.

Überraschende Kunst

«Das Spektrum an Werken und Techniken ist sehr gross», sagt Surbeck. «Das geht von konventionellen Aquarellbildern bis zu nie gesehenen Bearbeitungsmethoden.» So stelle zum Beispiel die Baselbieter Künstlerin Ursi Glatz Kunstwerke aus, die von Flammen gezeichnet sind. Hauptkriterium für die Teilnahme sei, dass die Kunstschaffenden einen Bezug zur Region Basel hätten. «Sie müssen hier wohnen, arbeiten oder aufgewachsen sein, oder die Ausbildung hier gemacht haben», fasst Surbeck zusammen.

Die international besetzte Jury hat aus 110 Bewerbungen die Selektion vorgenommen. «Besonders auffällig ist der Urban-Art-Bereich, der von Kunstförderer Philipp Brogli kuratiert wurde.» Für diese spezielle Kunstform wurde auf dem Biennale-Gelände ein Urban-Art-Walk eingerichtet. Surbeck: «Die Biennale findet auf kompakten 1100 Quadratmetern statt, sodass man die ganze Ausstellung in einem Nachmittag bewältigen kann.»

Das lohne sich, fügt er hinzu, denn nach Einschätzung der hochkarätigen Jury seien Werke von höchstem Niveau und internationaler Relevanz darunter. Die Jury, die am Ende der Biennale die besten Werke aus den Kategorien Malkunst, Skulpturen, Installationen, Videokunst und Young Urban Art küren wird, setzt sich aus fünf renommierten Kunstkennern zusammen, darunter Rolando Bellini, Direktor der Biennale Florenz. Bis auf eine Ausnahme seien sie nicht mit der regionalen Kunstszene verbandelt und werten daher unbefangen.

«Wir bewegen uns mit der Biennale ausserhalb des etablierten Kunstbetriebs der Region. Das bringt ein gewisses Risiko, aber dafür steht die Kunst im Vordergrund, weniger die Politik», hält Surbeck fest.

Die Finanzierung sei zwar ein hartes Stück Arbeit gewesen. Der Markt sei gesättigt mit etablierten Kunstveranstaltungen. Aber dank der finanziellen Absicherung durch den Initiator und Präsidenten der Trägerschaft, Hermann Alexander Beyeler, sei die Realisierung möglich geworden und ein Budget von 600 000 Franken gesichert.

Sandra Meier, Kommunikationsleiterin der Gemeinde Pratteln, lobt Beyelers Engagement für lokale Kunst: «In der Gemeinde freut man sich darüber, dass mit der Biennale ein klares Zeichen für die Region gesetzt wird. Hiesige Künstler erhalten eine Plattform für ihr Schaffen.» Sie hoffe, dass gute Kunstwerke dadurch die verdiente Aufmerksamkeit erhalten.

«Vielleicht trägt diese Ausstellung ja auch zum Dialog über den Stellenwert von Kunst und Kultur in der Region und deren Förderung bei. Wir hoffen auf viele neugierige Besucher, die sich mit diesen Fragen auseinandersetzen.»