Weil in den letzten Jahren vermehrt Luchsbeobachtungen im Baselbiet gemeldet wurden, wollte es der Kanton genauer wissen: Er erteilte der Kora, einer Fachstelle, die die Raubtiere und ihre Ökologie in der Schweiz erforscht, den Auftrag, bei ihren periodischen Untersuchungen des Luchsbestands im Nordjura auch grössere Teile des Baselbiets einzubeziehen.

Das machte Kora nun in diesem Frühjahr zum zweiten Mal: Von Mitte Februar bis Mitte April stellten die Forscher und ihre Helfer zwischen Tavannes im Berner Jura und Oltingen im Baselbieter Tafeljura an 94 Standorten Fotofallen auf, davon 30 im Kanton Baselland. Und zwar an jedem Standort zwei, um fotografierte Luchse von zwei Seiten bildlich festzuhalten und damit besser identifizieren zu können.

Seit Kurzem liegt nun der Auswertungsbericht dieses Luchs-Monitorings vor. Das Resultat: Im 1357 Quadratkilometer grossen Untersuchungsgebiet wurden auf total 99 Aufnahmen 15 verschiedene, mehr als ein Jahr alte Luchse identifiziert; dazu drei Jungtiere aus drei verschiedenen Würfen. Einige Tiere tappten mehrmals, andere nur einmal in eine der entlang von Forststrassen und Wanderwegen aufgestellten Fotofallen. Der Rekordhalter brachte es auf stolze 18 Schnappschüsse.

«Muttenzer» Luchs umging Fallen

Von den 15 Tieren wurden vier auch im Baselbiet fotografiert. Dies im Laufental sowie im Belchen-Passwang-Gebiet. Ueli Meier, Leiter des in Sachen Jagd und Wildtiere federführenden Amts für Wald beider Basel, sagt dazu: «Das sind etwa gleich viele Luchse wie bei der letzten Untersuchung vor drei Jahren. Der Bestand ist somit bei uns mehr oder weniger konstant.» Das «mehr oder weniger» hat mit der relativ kurzen Untersuchungsperiode und den grossen Revieren der Luchse zu tun: Mit einem Monitoring über zwei Monate können nicht alle Tiere erfasst werden.

Beweis dafür ist der «Muttenzer» Luchs: Dieser wurde drei Wochen vor dem Monitoring in Muttenz gefangen, besendert und wieder freigelassen. Er bewegte sich während der Untersuchungszeit im Baselbiet, wie der Sender zeigte, tappte aber nie in eine Falle. Zudem, so betont Meier, könne es aufgrund der grossen Wanderstrecken der Tiere sein, dass an einem Tag kein Luchs im Baselbiet sei, an einem andern dafür acht.

Das Luchs-Monitoring gibt indirekt auch eine Bewertung unserer Landschaftsqualität ab: Die festgestellten 15 Tiere bedeuten eine Luchsdichte von 1,03 pro 100 Quadratkilometer. Diese Zahl ist von sekundärer Bedeutung, weil innerhalb des Untersuchungsgebiets grössere Flächen nicht als Lebensraum für den Luchs geeignet sind, so im Baselbiet etwa Teile des Birs- und Ergolztals. Aussagekräftiger ist hingegen die Dichte in den geeigneten Habitaten. Und diese ist im Nordjura mit 1,69 Tieren auf 100 Quadratkilometer im Vergleich zum südlichen Jura (3,26), den Nordwestalpen (2,7) oder zur Nordostschweiz (2,17) erstaunlich tief. Ueli Meier erklärt: «Die Dichte ist geringer, weil der Lebensraum zwar geeignet, aber nicht ideal oder gar optimal ist. Denn wir haben zu wenig zusammenhängende Waldgebiete ohne Freizeitlärm und Autoverkehr.»

Mit dem Bestand der Rehe, dem Hauptfutter des Luchses, habe dagegen die geringe Dichte nichts zu tun, ergänzt Meier. Denn gäbe es zu wenige von ihnen, würde der Luchs mehr Nutztiere reissen. Und ein solches – eine Ziege in Liesberg – hat die Raubkatze im Baselbiet erst einmal nachweislich getötet.

Das Luchs-Monitoring brachte aber auch noch eine – traurige – Premiere ans Licht: Im Rahmen des Monitorings wurde ein Tier zwecks Umsiedlung gefangen. Eine Untersuchung zeigte, dass es an Katzen-Aids leidet, was zum ersten Mal an einem frei lebenden Luchs diagnostiziert worden ist. Er wurde wegen Ansteckungsgefahr eingeschläfert.