Herr Lüdin, warum müssen Sie den Offsetdruck aufgeben?


Mathis Lüdin:
Seit es das Internet gibt, hat die ganze Druckbranche Aufträge verloren. Vereine, Verbände und auch der Staat lassen immer weniger drucken. Dieser Prozess ist nicht abgeschlossen. Das führt zu Überkapazitäten in allen Druckereien, daraus folgt ein heftiger Preiskampf, und die Erträge schrumpfen. Hinzu kommt der starke Franken. Der Euro-Markt ist 20 bis 30 Prozent günstiger. Da überlegt sich manch ein regionales Unternehmen, ob es nicht nach Deutschland, Frankreich oder Polen gehen will, um drucken zu lassen. Mühe macht uns schliesslich, dass dank der neuen technischen Möglichkeiten viele Firmen Sachen selber drucken, die sie früher uns gaben.

Haben Sie versucht, dem Negativtrend etwas entgegenzuhalten?

Ja, wir haben das Marketing und den Aussendienst verstärkt. Damit konnten wir den Umsatz halten, aber die Margen wurden immer kleiner. Nach drei Jahren substanzieller Verluste im Offset mussten wir feststellen: Jetzt sind wir in einer Sackgasse. Wir machen nur noch Verluste und es ist keine Besserung in Sicht. Alle Zeichen stehen auf negativ. Wir waren rund 180 Jahre auf dem Markt, aber es fällt uns jetzt nichts mehr ein, wie wir weiter bestehen könnten.

Hat das Personal die Entlassungen voraussehen können?

Wir haben immer kommuniziert, dass es dem Offsetdruck schlecht geht. Aber es ist wie bei einem Todesfall: Auch wenn man ihn erwartet hat, ist es schrecklich, wenn er dann mal da ist.

Wie weh tut es Ihnen, fast drei Viertel Ihrer Belegschaft zu entlassen?

Das ist das Schlimmste an der ganzen Sache. Einige Mitarbeiter waren 30 Jahre bei uns. Wir setzen alles daran, die Auswirkungen der Entlassungen abzufedern. Unser Sozialplan sieht viel mehr vor, als der Gesamtarbeitsvertrag vorschreibt. Zudem haben wir eine Härtefallkommission, um jeden Fall einzeln betreuen zu können. Wir wollen unsere Verantwortung wahrnehmen. Dank unseres patronalen Fonds haben wir dafür auch die nötigen Mittel. Unser Ziel ist, alle Mitarbeiter irgendwo zu platzieren, auch wenn Umschulungen nötig sind. Wir haben einige Mitarbeiter, die viel mit Elektronik zu tun haben. Sie dürften in anderen Sektoren etwas finden.

Ist der Digitaldruck eine Alternative zum Offsetdruck, für Sie und für Ihre Kunden?

Wir hoffen, einen Teil des Volumens vom Offset in den Digitaldruck herüber nehmen zu können. Das ist möglich, wenn man die Aufträge leicht modifiziert, denn die Qualität ändert sich. Unser Digitaldruck-Bereich ist rentabel, dieser Bereich hat Zukunft. Aber aufgrund der rasanten technischen Entwicklung müssen wir dauernd investieren.

Wie geschieht mit den übrigen Bereichen der Lüdin AG?
Die Papeterie und der Buchhandel laufen ganz normal weiter, obwohl es auch das Buchgeschäft schwer hat.