Eigentlich könnte es kaum besser laufen für Lukas Ott. Der Liestaler Stadtpräsident erlebt Tag für Tag, wie sich das Bahnhofsareal des Kantonshauptorts weiterentwickelt. Und in einer für Baselland wohl einzigartigen Kooperation sind die nächsten Schritte bereits aufgegleist: Gemeinde, Kanton und die Trägerin SBB sind sich einig, dass das alte Bahnhofsgebäude durch einen Neubau ersetzt und zusätzlich ein Verwaltungsbau erstellt werden soll. Im Projekt, das einen dreistelligen Millionenbetrag kosten wird, möchte sich der Kanton einmieten, um rund 550 Angestellte an einem Ort zusammenzuziehen anstatt sie wie heute auf verschiedene Areale in Liestal zu verteilen. Sorgen bereitet Ott aber die höchste politische Kraft im Kanton ...

Herr Ott, wie kommt die Entwicklungsplanung des Areals am Bahnhof Liestal voran?

Lukas Ott: Eigentlich sehr gut. Wir arbeiten mit Hochdruck daran. Am vergangenen Montag startete der Architekturwettbewerb für die verschiedenen Teilprojekte – also hauptsächlich der Bahnhofsneubau und das neue Verwaltungsgebäude. Bis Anfang August läuft die offene Ausschreibung, im November haben wir dann die Wettbewerbsbeiträge auf dem Tisch. Parallel dazu läuft die Quartierplanung, die im Spätherbst in die öffentliche Mitwirkung kommt. Und unabhängig davon beginnt bald die Testplanung für das Postareal.

Dann läuft ja alles nach Plan.

Bei der Zusammenarbeit von Liestal, der Baselbieter Regierung, der Bau- und Umweltschutzdirektion sowie den SBB schon. Sorgen bereitet uns, dass wir aus dem Umfeld des Landrats zuletzt eine gewisse Verunsicherung gespürt haben.

Inwiefern?

Mehrere Mitglieder der Finanzkommission (Fiko) sowie der Bau- und Planungskommission (BPK) sagten uns, dass die kantonalen Pläne für das Bahnhofsareal kein Selbstläufer seien. Ihre Kernbotschaft war: Warum solle sich der Kanton dort einmieten? Etwas zu kaufen, sei doch weitaus günstiger.

Aber was kümmert das die Stadt Liestal? Das Gebäude an bester Lage würde doch sicher auch andere Mieter finden.

Grundsätzlich funktioniert die Entwicklung des Bahnhofsareals auch, ohne dass sich der Kanton dort niederlässt. Der springende Punkt ist aber, dass durch den Zusammenzug eines grossen Teils der Kantonsverwaltung am Bahnhof andere vom Kanton genutzte Flächen auf Gemeindegebiet für eine bessere Nutzung frei würden. Und die 550 Kantonsangestellten würden am Bahnhof wiederum die Ansiedlung von kommerziellen Nutzungen fördern.

An welche Flächen, die frei würden, denken Sie konkret?

Zum Beispiel an das Kreuzbodenareal oder auch jenes des alten Birmann-Spitals. Beide bieten an bester Lage eine Fläche von rund 30 000 Quadratmetern. Letzteres und weitere Flächenreserven werden vom Kanton aber zu wenig wertschöpfend genutzt. Dabei sollte man dort attraktive Wohnungen bauen oder auch Gewerbebetriebe ansiedeln.

Da haben Sie vor allem den eigenen Vorteil im Auge.

Nein, denn durch die Bewirtschaftung der frei werdenden Flächen steigert sich die Wertschöpfung um ein Vielfaches, gute Steuerzahler werden angezogen. Es ist ein wichtiger Beitrag an den ganzen Wirtschaftsstandort Baselland. Jeder Gemeindesteuerzahler ist auch ein kantonaler Steuerzahler. Wirtschaftsförderung funktioniert nur in der Zusammenarbeit mit den Gemeinden, denn diese sind für die Nutzungsplanung zuständig. Es gilt unter allen Umständen zu verhindern, dass eine Diskussion über die Kosten einer Mietlösung im Vergleich zu einer eigenen Investition die wirtschaftliche Entwicklung weiterer Areale blockiert.

Wie gross ist denn der Widerstand im Landrat wirklich?

Unsere Sorge ist berechtigt. Es wird Stimmung gemacht gegen das Vorhaben, Flüsterparolen werden herumgereicht. Die Bedenkenträger streuen Sand ins Getriebe. Und die kritischen Stimmen kommen aus alles Fraktionen. Ich befürchte, dass der Landrat das Projekt kippt, ohne dass er das Potenzial dieser Lösung sieht. Sparen ist aber doch keine Entwicklungsstrategie.

Aber greifen Sie da nicht etwas vor? Der Landrat wird sich erst kommendes Jahr mit dem Bahnhofsareal beschäftigen.

Wir stellen einfach fest, dass hinter den Kulissen in der Fiko und der BPK der Meinungsbildungsprozess bereits fortgeschritten ist. Da wird der Richterstab über ein Projekt gebrochen, bevor man überhaupt die genauen Konditionen und Parameter kennt.

Und was erwarten Sie vom Landrat?

Ich möchte ihn daran erinnern, welche Verantwortung er trägt. Wir können jetzt bei der Entwicklung dieser Areale doch nicht auf halber Strecke stehenbleiben. Mit dem Bau der A 22 wurde der teure Grundstein für eine bessere Erschliessung gelegt. Es wäre töricht, jetzt ausgerechnet eine Entwicklung auszubremsen, die für den Kanton zum Return on Investment führen könnte. Investoren zeigen grosses Interesse. Die Landräte aber, die bloss auf die Quadratmeterpreise schauen, irritieren das Umfeld und schaden so dem investitionsfreundlichen Klima.

Sie glauben, dass die wirtschaftliche Entwicklung verzögert werden könnte?

Absolut. Denn sollte sich der Kanton gegen eine Einmietung entscheiden, wird sich so schnell nichts am Status quo ändern. Man müsste mit der Planung wiederum von vorne beginnen. Die Verwaltung würde die Areale weiter blockieren. Dies, weil es sich Baselland bekanntlich nicht leisten kann, in neue Vorhaben zu investieren. Der Kanton klagt jetzt schon über einen Investitionsstau. Etwas kaufen zu wollen, statt zu mieten, würde neben dem Bahnhofsareal auch andere Arealentwicklungen verzögern. Da verlieren wir schnell einmal zehn Jahre. Und glauben Sie mir: Wenn das Geld der Investoren deswegen nicht nach Liestal fliesst, fliesst es nicht einfach in eine andere Baselbieter Gemeinde. Dann ist es verloren.