Jetzt, da sich Regierung, Landrat und Kommissionen gegenseitig und untereinander nicht mehr über den Weg trauen, ist es höchste Zeit, das gute Werk fortzuführen und die nächste Runde in unserem fröhlichen Gesellschaftsspiel «Wir destabilisieren einen Kanton» einzuläuten. Wir sind stolz darauf, Ihnen hier die wichtigsten Hinweise geben zu können, wie die nächsten erfolgreichen Schachzüge mit einfachen Mitteln gelingen.

Fangen wir zuoberst an, bei der Regierung: Ihre Glaubwürdigkeit ist immer noch viel zu hoch. Dabei stehen die nächsten Wahlen praktisch vor der Tür. Eine Rufmordkampagne ist darum überfällig, am besten beim einzigen weiblichen Mitglied. Vielleicht irgendetwas mit sexuellen Ausschweifungen in der Studienzeit, idealerweise gepaart mit dem Konsum berauschender Substanzen?

Überhaupt, aber dies nur als Klammerbemerkung, scheint mir die sexuelle Skandal-Komponente bisher noch viel zu wenig ausgereizt zu sein. Das mit der Nötigung im Sexualkundeunterricht war ja nicht schlecht, aber bestimmt lassen sich auf diesem weiten Feld noch weitere Bonuskarten ausspielen.

Kommen wir zum Parlament. Intrigenvorwürfe und politische Ränkespiele genügen eindeutig nicht; diese sind zu beliebig und alltäglich. Nein, richtig entzweit werden Volk und Volksvertreter nur durch den Faktor Neid. Am besten man demonstriert an irgendeiner absurden Lappalie die herrschende Verschwendungssucht im Landrat. Vielleicht etwas mit luxuriöser Zwischenverpflegung an Kommissionssitzungen? Merke: Der Trumpf der Steuergeldverschwendung sticht immer!

In der Verwaltung sind wir schon erfreulich weit fortgeschritten. Unverzichtbar ist hierbei das ständige Befeuern des Bildes des faulen, unfreundlichen, spesengierigen, überbezahlten, freizeitverwöhnten, sturen und - selbstverständlich - inkompetenten Staatsangestellten. Leitenden Direktionsmitgliedern ist dagegen nur mit der Mobbing-, Vetterliwirtschaft- und Vertuschung-Keule beizukommen. Kantonstierärzte schreien förmlich danach, zur (Wild-)Sau gemacht zu werden.

Vergesst die Justiz und Polizei nicht, wie schon die Alten Römer mahnten. Zentral ist zunächst einmal, dass Gerichte, Staatsanwaltschaft und Polizei gegeneinander ausgespielt werden. Wenn der öffentliche Eindruck entsteht, dass sich diese drei Institutionen gegenseitig sabotieren, und sich die Verbrecher dabei ins Fäustchen lachen, ist ein Anfang gemacht. Nur dann fällt der Vorwurf der Kuscheljustiz - die zentrale Botschaft - auf fruchtbaren Boden. Aber Vorsicht! Der Begriff «Kuscheljustiz» darf nur mit ausländischen Dieben, Schlägern und Kriminellen in Verbindung gebracht werden; für Radarkontrollen und die Räumung besetzter Häuser sind vielmehr die Alternativausdrücke «Repression» und «Polizeistaat» zu verwenden.

Ja, die Kantonalbank: Zu dumm, dass sie nicht wenigstens ein paar US-Steuerflüchtlingen Unterschlupf gewährt hat. Diese fast schon bösartig zu nennende Korrektheit ist vermutlich nicht einmal durch eine neue Runde in der bewährten «Der Bankchef ist ein Abzocker»-Debatte zu retten. Einen Versuch ist es trotzdem wert.

Zu wenig bedient worden ist in dieser Auflistung bisher die nicht zu unterschätzende Zielgruppe der Weltverschwörer. Als Spielfigur kommt hier eigentlich nur die Wirtschaftskammer infrage. Schade, dass zuletzt die schöne Tradition der Andeutung in Vergessenheit geraten ist, dass sich Wirtschaftsorganisationen jedes beliebige Wahlresultat erkaufen können und durch Bestechung auch das absurdeste Strassenbauprojekt mit Steuermitteln durchbringen. Es kann nicht genügend betont werden, wie zentral eine korrupte Bauwirtschaft für einen erfolgreich destabilisierten Kanton ist.

Das alles kann natürlich nur eine höchst unvollständige Aufzählung sein. Sachdienliche Hinweise, wie im Baselbiet noch besser Denunziantentum, Zwietracht, Misstrauen und Staatsverdruss geschürt werden können, nehme ich gerne an die unten stehende Mail-Adresse entgegen. Am besten anonym, und stimmen muss es auch nicht. Hauptsache, es dient dazu, möglichst oft die Schlagzeile «Skandal» basteln zu können.

bojan.stula@azmedien.ch