Die 300 Mitglieder der Fischerei-Pachtvereinigung des Bezirkes Laufen (Fipal) erhielten kürzlich gesalzene Post. Der Vorstand teilte den Fischerinnen und Fischern mit, an der Generalversammlung zu demissionieren. Heute Abend werden alle sieben Vorstandsmitglieder im Gemeindesaal in Zwingen ihr Amt niederlegen.

«Aufgrund unüberwindbarer Differenzen zwischen dem Vorstand der Fipal und Vereinsmitgliedern hat der Gesamtvorstand beschlossen, zurückzutreten», erfuhren die Mitglieder. Eine Kultur von mangelndem Vertrauen, Intrigen, Verleumdungen und Sabotageakten verunmögliche es dem Vorstand, seine Aufgaben in Zukunft weiterhin zu erfüllen. Insbesondere nach diversen Vorkommnissen der letzten Wochen sei der Gesamtvorstand zum Schluss gekommen, sich nicht weiter einzubringen.

Medien sind unerwünscht

Dem Vorstand ist der Rücktritt unangenehm, und er möchte vor der Generalversammlung nichts in der Zeitung darüber lesen. Medienvertreter wurden an die Versammlung nicht eingeladen und sind auch nicht erwünscht. Präsidentin Annegret Schaub möchte sich auf Anfrage nicht zum Thema äussern. Es handle sich um eine interne Generalversammlung, weshalb die Presse nicht dabei sein könne.

Aus Mitgliederkreisen erfährt man jedoch Hintergründe zu den Streitigkeiten, die zum Rücktritt des Vorstands geführt haben sollen. Walter Graf aus Breitenbach, welcher der Vereinigung seit vielen Jahren angehört, erklärt: «Es handelt sich um einen Machtkampf zwischen der alten Garde in der Vereinigung und dem neuen Vorstand, der vor wenigen Jahren übernommen hat.» Hauptstreitpunkt seien unterschiedliche Vorstellungen über die Art der Gewässerbewirtschaftung, insbesondere den Fischbesatz und die Fisch-Entnahmeregelungen.

Die Alteingesessenen wollten zurückkehren zum früheren System, also dem Einsatz hunderttausender Brütlinge, um den Fischbestand künstlich zu erhöhen, obwohl wissenschaftlich erwiesen sei, dass innert weniger Tage rund 95 Prozent der eingesetzten Brütlinge nicht überleben. Heutzutage soll jedoch die Selbstverlaichung stark gefördert werden, was auch schweizweit von den Behörden unterstützt werde, weil dadurch eine erhöhte Erfolgsrate resultiere.

Walter Schilling, ehemaliger Fipal-Vizepräsident, hat vor, den Mitgliedern ein Dokument zu schicken, in dem er die Geschehnisse aus seiner Sicht schildert. «Eine neue Leitungs-Crew ist seit einiger Zeit dabei, Neuerungen zu einer modernen Gewässerbewirtschaftung einzuführen und breit durchzusetzen. Dies gefällt leider nicht allen, weil dadurch möglicherweise der eigene Fischfang-Ertrag darunter leiden könnte», schreibt Schilling. Leider hemmten noch immer zu viele den Fortschritt zugunsten der Fische, stellt er fest.

Neuer Vorstand wird gewählt

Grundsätzlich ginge es bei den Auseinandersetzungen um den Gegensatz zwischen der etablierten Einsetzung von Zuchtfischen auf der einen und der neu angewandten Selbstverlaichung der Fische auf der anderen Seite. «Neue, jüngere Kräfte haben erfolglos versucht, unterstützt durch kantonale Stellen, eine nach bewährten Praktiken, neuesten wissenschaftlichen und auch ethisch abgestützten Erkenntnissen ausgerichtete Bewirtschaftungsstrategie der Birs zu realisieren», sagt Schilling.

Nicht überraschend seien aber noch zu viele anders denkende Kräfte im Untergrund wirksam. Er habe während seiner Tätigkeit im Vorstand ähnliche Erfahrungen machen müssen.

An der Generalversammlung in Zwingen werden nicht nur die sieben Vorstandsmitglieder zurücktreten, sondern gleich Nachfolger gewählt werden. Ein Name, der als neuer Präsident immer wieder auftaucht, ist Urs Campana, früherer Präsident des Kantonalen Fischereiverbands Baselland und der Fipal. Auf die Möglichkeit einer erneuten Präsidentschaft angesprochen, sagt Campana: «kein Kommentar.»