Sollte es auf der Allschwiler Verwaltung Führungsprobleme geben, so hielt Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli am Mittwoch vor dem Einwohnerrat fest, dann seien diese alleine auf das aktuelle Gemeindeführungsmodell zurückzuführen. «Deshalb haben wir dieses Thema aufgegriffen.» Mit diesem Statement reagierte sie auf Berichte in der bz, die Vorwürfe diverser Betroffener über den Führungsstil von Gemeindeverwalter Dieter Pfister publik machten. Und genau diesen Betroffenen wird es flau im Magen beim Gedanken, dass die Gemeinde nun im Rahmen des Projekts «Zukunft Allschwil» ihr Führungsmodell überdenkt.

Verwalter wird zum CEO

Im Moment steht nämlich der Vorschlag im Raum, das Geschäftsführer-Modell einzuführen. Bei dieser auch als CEO-Modell bekannten Führungsstruktur amtet der Verwalter als Geschäftsführer für die Verwaltung. «Er führt sie nicht nur administrativ und personell, wie jetzt, sondern auch inhaltlich», führte Jürg Krummenacher im Januar vor dem Allschwiler Einwohnerrat aus. Der Professor der Hochschule Luzern (HSLU) hatte die Gemeindeorganisation im Rahmen von «Zukunft Allschwil» untersucht und Optimierungsvorschläge ausgearbeitet.

Das CEO-Modell kam dabei zur Sprache, weil zurzeit eine Doppelunterstellung der Hauptabteilungsleiter vorhanden ist. Diese sind zurzeit inhaltlich den Departementsvorstehern, also den jeweils zuständigen Gemeinderäten, und personell dem Gemeindeverwalter unterstellt. Deshalb seien die Rollen und Zuständigkeiten der Vorgesetzten nicht klar, wie es im Bericht der HSLU heisst. Beim Geschäftsführer-Modell wäre dem Gemeindeverwalter einzig die Gemeindepräsidentin vorgesetzt. Die Hauptabteilungsleiter wiederum kennen künftig nur noch den Verwalter als Chef. Informationen vom Gemeinderat in die Hauptabteilungen fliessen dann immer über den Verwalter und umgekehrt.

Sollten die Vorwürfe stimmen, die in der bz geäussert wurden, läuten hier die Alarmglocken. Denn unter anderem wurde dem Gemeindeverwalter unterstellt, er würde bewusst Informationen zurückhalten. Dazu hätte er bei dieser Verwaltungsorganisation noch mehr Gelegenheit. Mit der Möglichkeit, inhaltlich zu führen, und seiner engsten Vertrauten als einzige Vorgesetzte könnte er seine Interessen leichter durchsetzen, fürchten einige.

Theorien, die Idee zum neuen Führungsmodell könne gar von Pfister selber stammen, werden von Krummenacher verneint. Bedenken bezüglich der Doppelunterstellung seien von Gemeinderäten, Einwohnerräten und Hauptabteilungsleitern geäussert worden. Auch Nüssli betonte wiederholt, dass die Schwierigkeiten der Doppelunterstellung schon Thema waren, als Pfisters Vorgängerin noch im Amt war. Auch mehrere Politiker kritisieren auf Nachfrage die Doppelunterstellung. Viele bezeichnen das CEO-Modell als gute Lösung.

Gleichzeitig äussern sich aber auch mehrere von ihnen kritisch: In Anbetracht der Vorfälle rund um Pfister sei es bedenklich, ihm noch mehr Macht zuzusprechen. Das letzte Wort hat der Einwohnerrat.

Politik bleibt Gemeinderatssache

Ängste, dass der Gemeindeverwalter in die Rolle der Gemeinderäte schlüpfen und politische Entscheide fällen wird, versucht Nüssli gegenüber der bz zu zerstreuen. So sei «inhaltliche Führung» nicht gemeint. «Der Verwaltung obliegt unter der Führung des Gemeindeverwalters die sachliche und fachliche Vorbereitung der Gemeinderatsgeschäfte», erläutert sie. Der Gemeinderat bestimme als Kollegium die Ziele und die Verwaltung führt diese unter der Führung des Verwalters aus. «Das ist eine Verbesserung zu jetzt», ist Nüssli überzeugt. Denn aktuell sei es möglich, dass ein Gemeinderat bei der Abstimmung im Kollegium unterliege, der als Departementsvorsteher dann für die Umsetzung des Entscheids verantwortlich ist. «Dann kann der betroffene Gemeinderat zum Beispiel die Umsetzung verzögern.»

Angst um Kündigungsschutz

Sorgen am Projekt «Zukunft Allschwil» macht den Angestellten noch ein zweiter Punkt: der Kündigungsschutz. Im Bericht der HSLU wird dessen Lockerung zur Debatte gestellt, da er bei ungenügenden Leistungen ein Hindernis darstelle. Auch in der Analyse des Mitarbeitendenrats (bz berichtete) findet diese Debatte Einzug. Dass der Kündigungsschutz infrage gestellt wird, ist dort als klar negativer Stimmungstreiber vermerkt.

Böse Zungen behaupten im Anbetracht der in der bz publik gemachten fragwürdigen Entlassungen gar, es könnte Taktik dahinter stehen: Mit gelockertem Kündigungsschutz könnten Gemeindepräsidentin und -verwalter künftig unliebsame Leute entlassen, ohne juristische Folgen fürchten zu müssen. Auch diesen Verdacht zerstreut Krummenacher auf Nachfrage. Der Vorschlag, den Kündigungsschutz zu lockern, stamme aus dem Soundingboard, sagt er. Dieses ist beim Projekt «Zukunft Allschwil» konsultativ tätig und setzt sich aus Vertretern aller Fraktionen des Einwohnerrats sowie Vertretern des Gemeinderats und der Hauptabteilungsleiter zusammen. Und Krummenacher entwarnt weiter: «Es geht zunächst darum, zu prüfen, ob es wirklich eine arbeitsvertragliche Änderung braucht.»