Zugegeben. In der jetzigen Lage bleibt gar nicht viel anderes übrig, als auf eine positive Fortsetzung der Wirtschaftsoffensive zu setzen. Denn die Frage nach einem Scheitern stellt sich gar nicht. Selbst ohne «Welcome Desk», «Tax Guide» oder «Investors Guide» würden sich künftig im Baselbiet neue Unternehmen ansiedeln - alleine schon aufgrund der Bemühungen der Gemeinden, die sich im Fall von Muttenz im Infrapark Baselland positiv niederschlagen oder im Fall von Birsfelden im Hafengebiet nach neuen Wegen suchen.

Entscheidend ist aber, wie koordiniert und gesteuert all diese Aktivitäten fortan ablaufen. Denn es geht in nicht um die Frage, wie viele neue Unternehmen sich neu im Baselbiet ansiedeln, sondern welche. Die innovativen, wertschöpfenden sind gefragt, jene die hochqualifizierte Arbeitsplätze anbieten - nicht die platzfressenden.

Ginge es nur darum, Salina Raurica mit weiteren Logistikern aufzufüllen, könnte man das schon morgen haben. Für jene hochwertigen Wirtschaftszweige wie den Life-Sciences-Bereich, um die sich die Standortförderer in der ganzen Welt reissen, sind hingegen oftmals milliardenschwere Vorinvestitionen nötig, um beispielsweise mit einem vom Staat finanzierten Forschungszentrum rundherum die entsprechende Industrie anzulocken. Davon ist Baselland noch weit entfernt.

Die Verlockung liegt deshalb nahe, nach der demonstrativen Regierungsinszenierung vom Dienstag die ganze Wirtschaftsoffensive als PR-Schwindel abzutun, die bisher bloss ein paar farbige Broschüren und Konzeptpapiere mehr hervorgebracht hat. Ein Claim wie «Baselland - Inspiration for Business» schreit förmlich danach, intellektuell durch den Kakao gezogen zu werden.

Man kann darauf verweisen, dass mit der am Dienstag vorgestellten Schaffung der Grundlagen nicht viel mehr getan worden ist, als das, was andere Kantone bereits vor einem Jahrzehnt zustande gebracht haben.

Man kann hinter den Projektleiter Marc-André Giger ein Fragzeichen setzen, der bei Santésuisse und Swiss Olympic viele Kritiker hatte, die behaupteten, dass er seinen Job nicht im Griff habe.

Schliesslich kann man auch in der Frage nach der obersten Projektleitung ein Gezerre zwischen Sabine Pegoraro und Thomas Weber sehen und somit den ersten handfesten Krach innerhalb der neuen Regierung inszenieren.

Man kann aber auch das Ganze positiv betrachten: Baselland ist endlich daran, Versäumtes nachzuholen. Dass andere Kantone viel schneller waren, bietet die Möglichkeit, von den Besten zu lernen, von anderen begangene Fehler zu vermeiden und von Beginn an alles richtig und noch viel besser zu machen.

Vielleicht wird Marc-André Giger gerade in diesem Job seine Sternstunde erleben, hat er doch schliesslich mit PricewaterhouseCoopers das Knowhow von einem der weltweit grössten Wirtschaftsberater im Rücken.

An fehlender Motivation wird es bestimmt nicht scheitern. Und vielleicht ist der direktionsübergreifende Projektausschuss gerade deshalb wegweisend, weil er das alte Baselbieter Leiden der «Direktionitis» überwindet, ganz egal, welcher Regierungsrat den Ausschuss am Ende leitet.

Wirft man dem Baselbiet nicht ständig vor, dass er sich unter Wert verkauft? Diesbezüglich scheint mir ein Claim wie «Baselland - Inspiration for business» und ein neuer farbiger «Investors Guide» weniger bedenklich als der durch ewige Nörgelei verursachte Minderwertigkeitskomplex.

Glauben wir also, dass sich die Wirtschaftsoffensive endlich auf Kurs befindet, und Giger das nötige Feuer für ihren Erfolg in die Verwaltung tragen wird. Auch warten wir gerne ein bisschen länger auf einen Top-Investor, als nach dem schnellen Erfolg zu schreien. Umso genauer, werden wir hinsehen, wenn sich die Erfolge einstellen - echte und vermeintliche. Es bleibt uns gar nichts anderes übrig, denn zum Nörgeln haben wir schlicht keine Lust mehr.