Schon aus der Ferne sind die feinen Stimmen aus dem Therapiehaus zu hören. Der Klinikchor und mit ihm die singenden Patienten proben zum letzten Mal ihren Auftritt. Die Feier zur Zertifikatsübergabe stand gestern ganz im Zeichen des Gesangs. Und die Freude am Singen war jederzeit greifbar.

«Singen ist die Urform, die Urkraft des Menschen», schwärmte Klinik-Geschäftsführer Andreas Jäschke. Seit Jahrzehnten wird das Singen in der Klinik Arlesheim gepflegt und laufend ausgebaut. Und diese «singende Kultur», wie es Jäschke umschrieb, möchte die Klinik Arlesheim noch stärker nach aussen tragen. Dafür haben sie sich beim internationalen Singnetzwerk «Singende Krankenhäuser e. V.» zur Zertifizierung angemeldet.

Das Netzwerk setzt sich für die Förderung des Singens in öffentlichen Institutionen ein. Die Klinik Arlesheim ist neben dem Gesundheitszentrum Bodensee und der Klinik St. Urban nahe Luzern erst das dritte als «Singendes Krankenhaus» zertifizierte Spital in der Schweiz.

Umfangreiches Singangebot

Die Klinik Arlesheim entstand vor etwas mehr als vier Jahren aus dem Zusammenschluss der Ita Wegman Klinik und der Lukas Klinik. Schon in den Gründungstagen der Ita Wegman Klinik hatten Musik und Kunst eine grosse Bedeutung. «Die therapeutischen Erfolge des Heilsingens sind schon in den 1920er-Jahren dokumentiert», erklärt Musiktherapeutin Viola Heckel. Singen könne den Heilstrom fliessen lassen, ist sie überzeugt. Die Klinik Arlesheim bietet heute neben der Musiktherapie und dem Klinikchor ein regelmässiges Heilsingen für Patienten, Projektchöre zu verschiedenen Anlässen und mehrere Singkurse für Menschen mit Atemwegserkrankungen an. Ein umfangreiches Singangebot war Voraussetzung für die Zertifizierung durch das Singnetzwerk, verrät Musiktherapeutin Aurelia Delin. «Wir erleben sehr viel Potenzial bei den Patienten, Angehörigen und Mitarbeitenden. Dieses Potenzial wollen wir nutzen.»

In der Musiktherapie der Klinik Arlesheim werden mit Instrumenten und Gesang seelische Stimmungen angesprochen. «Die feinen Schwingungen, die auch durch das Gehör wahrgenommen werden, wecken seelisches Erleben, wirken aber auch auf die körperlichen Vorgänge ein», beschreibt Viola Heckel. Die Musiktherapie setze diese Möglichkeit bewusst ein, um den Verlauf einer Krankheit günstig zu beeinflussen. Je nach Gesundheitszustand hören Patienten in der Musiktherapie einer vorgespielten Musik zu oder erzeugen selber Klänge.

«Von den Patienten wird die Musik als wohltuend und beruhigend erlebt», betont Heckel. «Sie wirkt oft lösend, schmerzlindernd und versöhnend.» Musiktherapeut Wolfgang Bossinger, Begründer und Ehrenmitglied des Singnetzwerks, würdigte die «tolle Singkultur» der Klinik Arlesheim in den höchsten Tönen. «In der Musiktherapie der Anthroposophen hatte das Singen schon immer eine grosse Bedeutung. Und hier befinden wir uns an der Wiege der anthroposophischen Medizin.» Singen könne sogar Medikamente ersetzen oder deren Einsatz mindern, glaubt Bossinger.

Viel reden wollte der deutsche Musiktherapeut aber nicht. Zusammen mit seiner Frau Katharina Bossinger und seiner Gitarre ermunterte er die Anwesenden zum Singen. «Ich schenke Dir ein Lied» – eine einfache Melodie und ein kurzer Satz, und das Therapiehaus wurde zum Chorsaal.