Der Jubel war gross in Liestal, als vor drei Jahren das Bücheli-Center mit Manor als Hauptmieter eröffnete. Zwar schloss damit die Warenhauskette nach über acht Jahrzehnten Präsenz ihr Geschäft mitten im Stedtli und zog ein paar Meter weiter aus der Altstadt hinaus. Gleichzeitig aber war dieser Umzug ein kräftiges Bekenntnis zum Standort Liestal: Manor verdreifachte die Verkaufsfläche und band sich als Hauptmieter mit einem 20-jährigen Vertrag ans neue Bücheli-Center.

Dieses Beispiel mit einem neuen Einkaufszentrum am Altstadtrand sollte unter dem Namen «Powerblock-Strategie» Schule machen und auch den Detaillisten innerhalb der Stadtmauern mehr Kunden bringen. Zumindest propagierten das KMU Liestal und Behörden frohgemut. Als nächster Pflock war das Ziegelhof-Center mit Coop als Hauptmieter angesagt. Dieses ist aber mittlerweile Geschichte. Und den Detaillisten im Stedtli gehts durchzogen, wie die zahlreichen Mieterwechsel bei den Läden zeigen. Dazu kommt das Gerücht, dass die Lebensmittelabteilung im neuen Manor nicht gut laufe.

KMU Liestal ist begeistert

Letzteres verneint Manor-Mediensprecherin Elle Steinbrecher: «Wir sind verhalten gestartet, verzeichnen aber heute eine positive Entwicklung.» Insbesondere verweist sie auf die schon über 30 lokalen Produkte-Lieferanten. Allerdings beinhaltet Steinbrechers Aussage einen Schönheitsfehler: Manor weigert sich beharrlich, konkretere Angaben zu den Warenhäusern zu machen, und seien es nur prozentuale Veränderungen. Das relativiert alle Positivmeldungen. Trotzdem: KMU-Liestal-Sprecher Michael Bischof ist mehr als zufrieden mit der Manor-Entwicklung: «Ich bin begeistert, wie sich das Bücheli-Center entwickelt hat. Es ist ein absoluter Gewinn für Liestal.» Zum positiven Bild passe auch, dass das Parkhaus inzwischen besser belegt sei.

Allerdings gebe es auch eine Kehrseite, beantwortet Bischof eine entsprechende Frage. Der untere Teil des Stedtlis sei «weiter weg von den Passanten-Strömen», deshalb wäre das Ziegelhof-Center mit Coop für die Detaillisten in diesem Stadtteil so wichtig gewesen. Bischof hofft nun, dass die geplante neue Passage vom Bahnhof über die Allee ins Stedtli Abhilfe schafft. Doch die grösste Herausforderung sei nun, das nächste Jahr als «Leidenszeit» mit Aktionen so zu überbrücken, dass die Geschäfte im Stedtli einigermassen über die Runden kommen: 2017 wird die Rathausstrasse saniert und neu gestaltet. Die entsprechende Vorlage kommt im April vor den Einwohnerrat.

Für Stadtrat ein Referenzprojekt

Auch Stadtpräsident Lukas Ott zieht nach drei Jahren Bücheli-Center ein positives Fazit, spannt den Bogen aber weiter: Für ihn stellt das neue Einkaufszentrum mit «dem Treiber Manor» zusammen mit dem UNO-Gebäude am Bahnhof einen eigentlichen Wendepunkt für Liestal dar. Ott: «Nach Jahren mit etlichen gescheiterten Planungen brauchten wir Referenzprojekte, die zeigten, dass die Stadt die Rahmenbedingungen für Grosses schaffen kann.» Seither habe Liestal «einen guten Lauf» mit etlichen weiteren Grossprojekten insbesondere bei Bahnhof und Post.

Aber auch das Bücheli-Center als solches habe Liestal einen Schub gebracht: «Insgesamt haben Kundenfrequenz und Umsatz in Liestal seit der Manor-Eröffnung zugenommen. Somit wurde der Detailhandelsstandort Liestal trotz schwierigem Umfeld gestärkt.» Manor habe dank des diversifizierten Angebots eine starke Ausstrahlung, wobei der Food-Bereich aus Kundensicht noch zulegen könne. Das Bücheli-Center habe ebenso einen positiven Effekt auf die Geschäfte entlang der Passage zur Rathausstrasse. Hiezu trügen aber auch Swisscom und Fielmann als «gute Frequenzbringer» ihren Teil bei.

Und ähnlich wie Bischof konstatiert Ott: «Es gibt aber auch Verlierer an der unteren Rathausstrasse.» Auch Ott setzt hier unter anderem auf die neue Verbindung vom künftigen «Powerblock Postareal» sowie auf die in der Studie von Wüest & Partner angeregte «erlebnisorientierte» Ausrichtung der Rathausstrasse. Um diese auch atmosphärisch aufzuwerten, sei es nun höchste Zeit für die Sanierung. Ott ist aus heutiger Sicht froh, dass Coop als grösster Kundenmagnet im Stedtli bleibt.

Bäckerei auf Verliererseite

Einer der Verlierer im untern Stedtli-Teil ist die Traditions-Bäckerei Finkbeiner. Geschäftsleitungsmitglied Florian Finkbeiner sagt: «Wir haben die Manor-Eröffnung recht gespürt und spüren sie noch immer.» Der Umsatz sei in den letzten drei Jahren «im hohen einstelligen Prozentbereich» gesunken, man plane aber in nächster Zeit Gegenmassnahmen. So solle die Werbung verstärkt werden und der Laden während jener Zeit, in der die Rathausstrasse unmittelbar vor dem Geschäft saniert wird, umgebaut werden. Eine Zeit übrigens, in der Finkbeiner einen regelrechten Umsatzeinbruch befürchtet.

Positiv wirkt sich für Finkbeiner hingegen aus, dass seine Bäckerei mittlerweile Brot in mehrere Volg-Filialen liefern kann. Er schaut denn auch zuversichtlich in die Zukunft: «Die Bäckerei ist in der Substanz nicht gefährdet, und ich hoffe mit der neuen Rathausstrasse auf einen Aufschwung.»