Marc-André Giger, US-Vizepräsident Joe Biden und die damalige Bundespräsidentin Doris Leuthard bewundern an den Olympischen Spielen in Vancouver den Goldsprung von Simon Ammann. Das Bild stammt aus Gigers Vergangenheit als Swiss-Olympics-CEO. Doch dürfte es auch die in Giger gesetzten Zukunfts-Hoffnungen der Baselbieter Regierung symbolisieren: Giger wird als Interims-Projektleiter bis im Sommer die Wirtschaftsoffensive aufgleisen. Diese soll dann bis 2018 «den Ertrag aus den Unternehmenssteuern um 50 Prozent steigern» (siehe Kasten), erklärte Regierungspräsidentin Sabine Pegoraro, als sie gestern Giger der Öffentlichkeit vorstellte.

Giger - vormals unter anderem Direktor von Santésuisse, Kommunikations-Chef im Seco und Journalist - ist derzeit Direktor bei Pricewaterhouse Coopers (PwC). Formal vergibt die Regierung das Mandat der Interims-Projektleitung an PwC mit der Auflage, dass Giger den Job übernimmt. Der Ökonom ist zwar weiter bei PwC angestellt, untersteht aber bis im Sommer direkt dem Baselbieter Gesamt-Regierungsrat. Über die Kosten der Interims-Projektleitung wollte Pegoraro gestern keine Auskunft geben. Diese seien Teil des Gesamtbudgets von 1,5 Millionen Franken für das laufende Jahr.

«Selbstverständlich kann Herr Giger sich auch für die definitive Leitung der Wirtschaftsoffensive bewerben», setzte Pegoraro hinzu und tönte damit an, dass es im Baselbiet laufen könnte wie im Kanton Schaffhausen: Dort übernahm derjenige, der das Wirtschaftsförderungs-Konzept ausarbeitete, anschliessend auch das Mandat, dieses umzusetzen. Und Baselland bezieht sich in der Startphase der Wirtschaftsoffensive explizit auf die in Schaffhausen gemachten Erfahrungen (bz vom 28. Januar). Ob Giger sich wirklich bewerben wird, machte er gestern von der Entwicklung des Projekts abhängig.

Zugleich wurde deutlich, dass Giger sich mit der Wirtschaftsoffensive auf das Spannungsfeld der Interessengegensätze in der zerstückelten Nordwestschweiz einlässt: Die Wirtschaftsoffensive soll einerseits ausdrücklich Firmen dazu bewegen, sich im Kanton Baselland niederzulassen. Pegoraro betonte entsprechend, dass Giger exklusiv fürs Baselbiet tätig sein müsse.

Giger formulierte andererseits: «Auf dem Globus sind wir hier Region. Und diese ist einerseits zu klein, um Abgrenzungen zu suchen. Andererseits haben wir föderalistische Strukturen.» Entsprechend warf er selbst die Frage auf, wie die Zusammenarbeit mit BaselArea, der Wirtschaftsförderung beider Basel, aussehen wird. Angesichts der komplexen Lage findet er es einen richtigen Schritt, das Projekt mit einem Blick «von aussen» anzuschieben.

Bestandespflege integriert

Wie er das Zusammenspiel mit Bestandespfleger Thomas de Courten aus der Volkswirtschafts-Direktion des gestern nicht anwesenden Peter Zwick gestalten will, scheint bereits geklärt: «Die beste Visitenkarte einer Wirtschaftsregion ist die Zufriedenheit bereits ansässiger Firmen», erklärte Giger und sprach von einer Arbeit «Hand in Hand.»

Konkret will Giger nun bis im Frühling erste Teilprojekte und entsprechende Aufträge für die Verwaltung definieren. In der zweiten Phase will er Chancen und Risiken des Wirtschafts- und Wohnstandorts Baselland analysieren. Daraus soll bis im Sommer «eine fundierte Grundlage» für die Wirtschaftsoffensive entstehen: Welche Schlüssel-Branchen sollen auf welchen Entwicklungsarealen angesiedelt werden? Wo muss der Landrat noch etwas beschliessen? Wie geht man die anzulockenden Investoren an?

Gewisse Eckpfosten sind bereits entschieden: So nannte Pegoraro mit Salina Raurica, dem Dreispitz und dem ABB-Areal in Arlesheim drei bereits bekannte Entwicklungsareale.