Herr Joset, im Kanton Baselland wurden in den vergangenen Jahren offenbar nach Belieben Spesen eingestrichen, einige scheinen sich illegal mit Honoraren bereichert zu haben. Sind Sie schockiert?

Marc Joset: Vor einem Monat hätte ich gesagt: Ein Regierungsrat verdient im Rahmen seines Arbeitsvertrags genug. Er braucht keine Entschädigungen für seine Mandate - dieses Geld steht ihm nicht zu, das sollte er abgeben.

Auch der Regierungsrat Ihrer Partei, Sozialdemokrat Urs Wüthrich, hat offenbar zu viel behalten und zu wenig dem Kanton überwiesen.

Wir müssen unterscheiden zwischen den Honoraren aus Mandaten und Spesen: Bei den Honoraren wurde das Recht verletzt - dieses Geld gehört dem Mandatsträger nicht. Bei Urs Wüthrich ist es ein anderer Fall. Er hat in seiner Rolle als Unirat 10 000 Franken als Sitzungsgeld erhalten - 10 000 Franken wurden an die Staatskasse überwiesen. Das hat er auch deklariert. Er hat die Praxis seines Vorgängers übernommen. Bei den Spesenentschädigungen gab es ja bisher keine Regelung. Das muss sofort ändern, fordert die Spezial-Subkommission der Finanzkommission.

Finanzkommission, Subkommission und Regierung haben die Pressekonferenz gemeinsam durchgeführt. Das ist eigenartig, zumal Sie damit mit den Beschuldigten am Tisch sitzen.

Wir haben in der Oberaufsichtsprüfung Anträge an die Finanzkommission gemacht, die am Mittwochabend in einer konzertierten Aktion an die Fiko-Mitglieder weitergeleitet wurden. Die Regierung hat sämtliche Anträge in unserem Sinn übernommen: Fortan fliesst alles Geld in die Staatskasse. Weil wir in der Sache einig waren, dachte ich: Wir können genauso gut gemeinsam informieren.

Die Regierung hat sich also entschieden, die Flucht nach vorne anzutreten?

Dies sind Ihre Worte, aber ich widerspreche nicht. Je länger man diese Affäre unter dem Deckel behalten hätte, desto grösser die Gefahr, dass die Betroffenen an die Öffentlichkeit treten, bevor wir es überhaupt publik gemacht haben. Wir wollen nicht, dass es häppchenweise an die Öffentlichkeit gelangt. Natürlich waren wir auch geprägt von den Ereignissen in Basel-Stadt rund um die BVB.

Wurden alt Regierungsrat Adrian Ballmer sowie die Familie des verstorbenen Regierungsrats Peter Zwick über die Ermittlungen informiert?

Ja. Die Regierung wurde von der Finanzkontrolle beauftragt, Stellungnahmen einzuholen. Dies, als noch nichts über die strafrechtliche Relevanz des Berichts bekannt war.

Wird es nach diesen Enthüllungen zu Rücktritten oder Demissionierungen kommen?

Die Entschädigungen sind für mich kein Rücktrittsgrund. Es waren hohe Spesenrechnungen, aber die Betroffenen waren, etwas übertrieben gesagt, auch Opfer unklarer Regelungen. Es ist keine Verfehlung im rechtlichen Sinn. Für mich ist schon viel damit getan, wenn sie sich entschuldigen und die Spesen, die zugegebenermassen viel zu hoch waren, zurückzahlen.

In einem konkreten Fall hat ein Mitarbeitender des Kantons zu Unrecht Honorar-Geld kassiert: Niggi Ulrich ist Baselbieter Kulturbeauftragter und vertritt den Kanton in der Trägerschaft der SRG. Das ist eine Straftat.

Ja, aber nur, wenn es ein Amt ist, in dem er den Kanton vertritt. Das muss von der Staatsanwaltschaft abgeklärt werden. Beispielsweise bei Adrian Ballmer und seinem Mandat als Verwaltungsrat des Euroairports ist der Fall ganz klar: Es ist der Volkswille, dass hier ein Kantonsvertreter für die Anliegen der Bevölkerung einsteht.

Mutet es für Sie nicht seltsam an, dass der ehemalige Finanzdirektor und Sparapostel Adrian Ballmer sich allein in den letzten fünf Jahren mit fast 300 000 Franken bereichert hat?

Ich bin zutiefst enttäuscht und ebenso überrascht.

Werden die Versäumnisse, die länger zurück liegen, ebenfalls untersucht?

Es wird einen Rattenschwanz an Untersuchungen geben. Es ist natürlich eine Kapazitätsfrage: Im Fokus standen zunächst einmal die grössten Fische.