Herr Joset, Sie schlagen laut einem Fernsehbeitrag von Tele M1 und einem Text in der Pendlerzeitung «20 Minuten» vor, dass ab 80-Jährige ihren Führerschein abgeben sollen. Was steckt hinter Ihrem Anliegen?

Marc Joset: Ich verlange nicht, dass man ab 80 Jahren den Führerschein automatisch abgeben muss. Mein Anliegen ist, dass älteren Menschen mehr Angebote gemacht werden im öffentlichen Verkehr und im Nahverkehr, damit sie im Alter allenfalls aufs Auto verzichten.

Ältere Lenkerinnen und Lenker sollen durch entsprechende Angebote dazu bewegt werden, nicht mehr Auto zu fahren.

Genau. Ich nehme meine Eltern als Beispiel. Sie sind beide über 90; vor rund zehn Jahren gaben sie ihr Auto ab, freuten sich übers U-Abo und waren glücklich, einfach ins Tram steigen zu können. Wenn sie regelmässig in weiter gelegene Orte reisen wollen, würde ich dafür sorgen, dass sie ein General-Abonnement bekämen und günstig Taxi fahren könnten. Ich finde, diese Möglichkeiten muss man älteren Leuten geben – ob sie ein Auto haben oder nicht. Ansonsten wäre es diskriminierend.

Sind solche politische Forderungen mehrheitsfähig?

Die Ziele sind schrittweise zu erreichen. Vorerst gilt es zu verhindern, dass ausgerechnet jetzt öV-Benutzer im Baselbiet unter Sparmassnahmen leiden müssen. Auf den öffentlichen Verkehr sind vor allem viele ältere Leute in ländlichen Gebieten angewiesen.

Sie kandidieren für SP 60 + für den Binninger Gemeinderat. Sie möchten damit älteren Altersgruppen eine Stimme geben. Wollen Sie mit Ihrem Anliegen eine bessere Ausgangslage schaffen, um gewählt zu werden?

Ich setze mich nicht erst jetzt gegen Sparmassnahmen beim öffentlichen Verkehr ein. Diese treffen vor allem die Alten, aber auch Junge, Familien und Kinder, die zur Schule gehen. Ich kämpfe gegen die öV-Ausdünnung, die auf dem Land geplant ist. Wenn ich mich in Binningen für den Ortsbus zum Friedhof einsetze, ist das auch etwas für die ältere Bevölkerung. So kann sie in einem Ruf-Taxi-System vom Altersheim abgeholt werden. Hier helfe ich älteren Leuten. Ich will, dass sie Hilfe bekommen, um ihre Mobilität erhalten zu können, was zu mehr Lebensqualität führt. Sie werden realisieren, dass ein U-Abo etwas Sinnvolles ist. SP 60 + setzt sich für ein ganzes Päckli von Mobilitätserleichterungen für Ältere ein.

Sie sind 69-jährig. Glauben Sie, dass es Ihnen leicht fallen wird, in einem Jahrzehnt freiwillig aufs Autofahren zu verzichten?

Wenn ein gutes öV-Angebot vorhanden ist, wird das kein Problem sein. Aber diese Bedingung muss die Politik erfüllen. Dann kann man über eine Altersgrenze diskutieren und ältere Leute allenfalls dazu animieren, freiwillig aufs Autofahren zu verzichten. Ich besitze ein U-Abo und würde später ein General-Abo kaufen. Darauf könnte man ruhig einen Seniorenrabatt gewähren.