Mit diesen « Pflichtlektüren für Zauberer», wie sie Caviola selbst nennt, hat sich der Familienvater aus Tenniken hartnäckig sein magisches Wissen erarbeitet. Über Jahre studierte er ebenfalls Filmmaterial, um von Zauberkünstlern die besten Tricks und Kniffs zu lernen.

Zauberabend 2010 Marco Caviola



Fleissarbeit alleine reicht aber noch lange nicht, um als Zauberer in einem Solo-Programm zu überzeugen. Morgen Freitag, wenn Caviola in schwarzem Anzug mit farbiger Krawatte auf die Bühne in der Tenniker Turnhalle tritt, möchte er mit seiner Show vor allem für Unterhaltung und Lacher sorgen. «Das Handwerk der Zauberei gut zu beherrschen ist wichtig, löst bei den Zuschauern aber noch nicht den Wow-Effekt aus», erklärt Caviola.

Akribische Planung

Um Staunen und Freude auf die Gesichter zu zaubern, tüftelt Caviola schon seit einem Jahr an seinem Programm. Einen Viertel der Vorbereitung widmete er der Technik und dem Erlernen neuer Tricks. Die meiste Zeit investierte der nebenberufliche Zauberer jedoch in die Konzeption der Show. Mit Hang zur Perfektion überlegte sich der gelernte Spengler-Sanitär, der heute beim Kiga in Pratteln als Informatiker tätig ist, wie er das Programm aufbauen soll, damit die Spannung bis zum Schluss steigt. «Die Besucher sollen den Raum verlassen und sagen: Das ging jetzt aber schnell.»

Was für die Besucher kurzweilig sein soll, ist für den Hobbyzauberer 75-minütige Schwerstarbeit, welche höchste Konzentration verlangt. Bei einem Trick ist Caviola noch unsicher, ob dieser klappen wird. Dieses Risiko nimmt er in Kauf. «Ich habe einen Notfallplan, falls dieses eine Detail nicht klappen soll», erklärt er.

Dank einer akribischen Vorbereitung sitzt jeder Handgriff, die Pointen sind exakt platziert, nichts ist dem Zufall überlassen. Zumindest in der Theorie: «Ich weiss, was ich sagen will, habe aber nicht alles wortwörtlich auswendig gelernt.» Denn Caviola will auf keinen Fall unnatürlich wirken.

Premiere und Derniere zugleich

Schliesslich hat der Showman genau eine Chance, um den Besuchern «Wau» und «Oh» zu entlocken. «Die Premiere ist auch gleich die Derniere», erklärt der 51-Jährige. Auf Anfrage der Kulturkommission Tenniken hat Caviola seinen ersten Solo-Abend einstudiert. Im Gegensatz zu halbstündigen Auftritten an Geburtstagen und Hochzeiten ist für ihn ein abendfüllendes Programm Neuland. So mischt sich Nervosität zur Vorfreude. Dennoch ist Caviola zuversichtlich: «Etwas überzeugend zu verkaufen, bereitet mir keine Mühe», besinnt sich der Zauberer seiner Stärke. Die Rolle als Unterhalter scheint Caviola zu gefallen. Seine Frau Sonja und die Söhne Fabian und Dominik kennen ihn auch anders: «In der Familie bin ich nicht so der lockere Typ, da sorgen andere für die Unterhaltung.»

Das soll aber nicht heissen, dass die Familie Caviolas nie verzaubert wird. Im Gegenteil: Wenn es darum geht, neue Tricks unter die Lupe zu nehmen und ehrlich zu kritisieren, sind seine Liebsten gefragt. Die familiäre Jury ist streng: So schnell lässt sie sich nicht mehr um den Finger wickeln. Die Familienangehörigen kennen so einige Tricks, aber längst nicht alle.

Wer ein guter Zauberer sein will, muss nicht nur die Kunst der fairen Täuschung, sondern auch diejenige des Schweigens beherrschen. Caviolas Freunde wollen ihm oft erzählen, welche Tricks sie hinter einer Zaubernummer vermuten. «Du machst das sicher so und so», heisst es dann immer. Darauf folgt die unbefriedigende Antwort, welche Marco Caviola, seit er zehn Jahre alt ist, unzählige Male gegeben hat: «Es könnte sein.»

Nicht dass der Zauberer nur das Nötigste sagen würde: Wenn Marco Caviola zu erzählen beginnt, sprudelt er vor Enthusiasmus. Magische Geheimnisse hütet er aber äusserst sorgfältig. So kennt nicht einmal seine Familie das Programm des Solo-Abends von A wie aufgeregt bis Z wie zauberhaft.