Im Sommer gehören sie im Gebiet Dorenbach zum festen Bestandteil der Stimmung: die Mauersegler, die hoch oben im Himmel ihre Kreise drehen und die typischen Kreischtöne von sich geben. Doch wären am Samstag nicht vier Männer mit einer langen Eisenleiter, grauen Kästen und Akkuschraubern durchs Quartier gegangen, hätte dieses Bild vermutlich der Vergangenheit angehört.

Denn die Zugvögel nisten seit Jahrzehnten besonders gerne auf dem Stamm-Areal. «Mindestens zwanzig Brutpaare waren jeweils dort», sagt Kurt Bänteli vom Verein Natur- und Vogelschutz Allschwil, der in Binningen wohnt. «Sie waren zwischen Eternitdachplatten und Dachwerk in winzigen Zwischenräumen.» Doch wenn in den kommenden Wochen die Binninger Mauersegler aus dem südlichen Afrika zurückkehren, werden sie ihre angestammten Nistplätze nicht mehr vorfinden. Denn auf dem Stamm-Areal wird derzeit eine Wohnsiedlung erstellt, wie alle Neubauten ohne Ritzen.

Mauersegler sind aber ausgesprochen standorttreu und nisten wenn möglich immer am gleichen Ort. «Sie werden in der Nähe des Stamm-Areals neue Nistplätze suchen», sagt Bänteli. Deshalb hängten er und seine Kollegen am Samstag graue Nistkästen unter Dächern im Quartier auf.

Sie paaren sich in der Luft

Auf einen Aufruf im «Binninger Anzeiger» hatte sich ein Dutzend Hausbesitzer und Mieter gemeldet. «Die Mauersegler gehören einfach zum Quartier», sagte die Bewohnerin eines Reihenhauses an der Kernmattstrasse, die vier Kästen aufhängen liess. Als Vorbereitung besorgte sie sich das Buch des Baselbieter Mauersegler-Experten Emil Weitnauer – obwohl sie kaum je einen bei ihr nistenden Vogel sehen wird.

Denn Mauersegler verbringen den grössten Teil ihres Lebens in der Luft, sie schlafen und paaren sich sogar fliegend. Hunderte von Kilometern weit sammeln sie Insekten und kommen abends nur kurz zum Nistplatz, um ihre Jungen zu füttern. Weil sie keine Nester bauen, sondern ihre Jungen auf fast nacktem Boden aufwachsen lassen, müssen die Kästen nicht gereinigt werden. Nicht mal Kot hinterlassen sie, denn sie erleichtern sich in der Luft.

Dafür ist ihr Geräusch unüberhörbar – was die junge Familie, die ein altes Haus am Kapellenweg bewohnt, nicht stört, ganz im Gegenteil. «Das ist doch ein fröhliches Geräusch», sagt die Mutter. In den vergangenen Sommern sass sie oft mit ihrer Familie abends im Garten, als plötzlich zwei Mauersegler in rasantem Sturzflug und laut kreischend das Dach ihres Hinterhauses enterten.

Bereits vor einigen Jahren entdeckte ein Vogelpaar unter einem Dachziegel einen winzigen Hohlraum zum Nisten. Die Einflugschneise dort ist ideal. Darum stellten Bänteli und seine Kollegen am Samstag zwei Kästen auf. Das bedeutete zwei Stunden Gekrampfe, weil die selber hergestellten Kästen erst nach Zurechtsägen unter die hohen Giebel passten.

Unsicher, ob Vögel auch kommen

Doch von solchen Mühen liess sich das Vogelschutzteam nicht beeindrucken. Denn die Aufhängaktion war ein sozialer Anlass. Nachbarn schauten aus den Fenstern, andere brachten Kaffee und Sandwichs vorbei. Alle freuten sich über den noch jungen Frühling. «Ich habe bereits die ersten Schwalben gesehen», sagte eine Frau. «Ich glaube, ich hab eine Fledermaus im Garten», eine andere.

Der Samstag reichte den vier Vogelschützern nicht, um wie vorgesehen über zwanzig Kästen aufzuhängen. Unterstützung fanden sie bei der Gemeinde, die am Ortsmuseum bereits einige Kästen aufgehängt hat. Ob die Binninger Mauersegler die neuen Nistkästen annehmen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Mauersegler gelten als potenziell gefährdet. In der Schweiz existieren noch rund 75'000 Paare.