«Ich kam vor vier Jahren zum Seifensieden. Die Initialzündung gab ein Beitrag in einer Zeitschrift, den ich gelesen hatte. Handwerk allgemein liebe ich, und ich probiere gerne Neues aus. Mit meinen Recherchen im Internet stieg das Interesse noch mehr. Ich suchte nach Produkten und Büchern, um das Seifensieden einmal auszuprobieren. Die hergestellten Seifen verkaufte ich dann bei meiner ersten Teilnahme am Binninger Märt im Mai 2012 und es lief hervorragend.

Meine Seifen sind für mich kleine Kunstwerke. Das Schönste an meiner Arbeit ist, wenn ich danach die bunten und wohlduftenden Ergebnisse sehe. Vor allem bei marmorierten Seifen ist immer spannend, wie sie farblich aussehen.

In der Küche statt im Atelier

Ich habe kein Atelier, sondern stelle die Seifen bei mir zu Hause in der Küche her. Beim Seifensieden ist eine gewisse Sicherheit zu beachten: Schutzbrille tragen, Schutzhandschuhe, Arbeitskleidung und Frischluftzufuhr, dies weil ich mit Ätznatron arbeite. Utensilien wie Kochtopf, Massbecher, Stabmixer, Besteck dürfen nur für das Seifensieden benutzt werden. Die fertigen Seifen lagere ich dann im Keller auf einem Holzgestell.

Rezepte erfinde ich nicht selber, sondern entnehme sie aus sogenannten Seifenbüchern oder aus dem Internet. Die Hauptzutaten richten sich nach Rezeptur, umfassen jedoch im Wesentlichen: flüssige Fette wie Oliven-, Sonnenblumen-, Jojoba-, Aprikosenkern-, Traubenkern- oder Rapsöl und feste Fette wie Kokosfett, Shea-, Mango- oder Kakaobutter. Bienenwachs setze ich ebenfalls ein.

Zutaten in Hülle und Fülle

Als Farbstoffe können Kosmetikpigmente, Pflanzenfarben wie Paprika, Kurkuma, Kakaopulver oder Safran sowie verschiedene Tonerden benutzt werden. Für den Peeling-Effekt mische ich Mohnsamen, Haferflocken, Kaffeesatz oder gemahlene Nüsse unter die Seifenlauge. Zum Beduften der Seife füge ich ätherische Öle bei. Je nach Empfindlichkeit der Haut ist darauf zu achten, was man in die Seifenmasse mixt. So können bestimmte ätherische Öle für die Haut eher anregend oder beruhigend wirken, während andere Öle entzündungshemmend wirken können. Je nach Jahreszeit unterscheiden sich auch die Geschmäcker der Käuferinnen und Käufer. Winterseifen riechen eher nach Zimt, Orangen oder Gewürznelken, Sommerseifen nach Zitronengras, Bergamotte oder Geranium.

Nun zum eigentlichen Seifensieden.

Zuerst werden die festen Fette abgewogen, erhitzt und langsam geschmolzen, danach die flüssigen Fette und Öle beigegeben. Das Ätznatron mit dem destillierten Wasser mischen. Hier ist Vorsicht geboten, denn diese Lauge kann sich bis auf 90 Grad erhitzen. Sind beide Flüssigkeiten – Fette und Lauge – auf 40 bis 45 Grad abgekühlt, kann die Lauge unter die Fettmischung gemixt werden. Mit dem Stabmixer die Lauge mit den flüssigen Fetten vermengen, bis ein «Kartoffelsuppen-Stadium» erreicht ist. Nun die Duftstoffe und die Farbe untermischen. Kurz weiterrühren.

Reifeprozess dauert vier Wochen

Die breiige Masse fülle ich in Holz- oder Silikonformen. Holzformen staffiere ich mit Backpapier aus. Danach ist die Masse mit einer Frischhaltefolie abzudecken, damit keine Luft dazukommt. Dies nennt man Isolieren, und damit vermeidet man die Bildung von Sodaasche, wenn die Seife grau wird. Dann ruht die Seife für 24 Stunden. Eine Seife muss nach dieser eintägigen Ruhephase für mindestens vier Wochen gelagert und getrocknet werden, bevor man sie verkaufen kann. In dieser Zeit verliert die Seife einen Teil des Wassers, wird fester, und der pH-Wert fällt.

Die Seifen, die ich produziere, sind auch Objekte zum Präsentieren und Dekorieren. Leute kaufen sie oft als Geschenke für jemanden. Der gute Duft entfaltet sich herrlich im Badezimmer. Eine Lavendelseife kann auch im Wäscheschrank zwischen die Wäsche gelegt werden.

Meine Seifen verkaufe ich vorwiegend am Binninger Märt, einer meiner Lieblingsmärkte. Nächstes Mal am kommenden 28. November. Dieser Markt findet jeweils im Frühjahr am Samstag vor dem Muttertag und im Winter mit dem Adventsmarkt am Samstag vor dem ersten Advent statt.

«Binninger Seife» als Eigenkreation

Ich finde es spannend, den Stand jeweils nach einem Thema zu dekorieren und so meine Seifen richtig in Szene zu setzen. Da ich auch in Binningen aufgewachsen bin und nun schon das achte Mal einen eigenen Stand habe, kennen mich die Marktbesucher. Mit diesen ergeben sich oft interessante Gespräche, und ich bin stolz, kann ich bereits auf treue Stammkunden zählen. Meine Seifen kosten je nach Aufwand und verwendeten Inhaltsstoffen zwischen 5 und 12 Franken. Gerne stelle ich auch individuelle Seifen auf Anfrage her. Im Frühjahr habe ich beispielsweise eine «Binninger Seife» mit dem Gemeindewappen entworfen.

Jeweils etwa zwei Monate vor einem Markt beginne ich mit Sieden. Dann habe ich während einer Woche Hochbetrieb. Zuerst suche ich eine gute Rezeptur aus, die mir von der Farbe und dem Geschmack gut gefällt. Ich stelle jeweils ungefähr fünf verschiedene Seifensorten her. Gewisse Klassiker gehören natürlich auch ins Sortiment, zum Beispiel die Rosenseife, denn sie eignet sich gut als Geschenk. Lavendel-Seifen sind bei meinen Kunden auch sehr beliebt.

Freude über die eigenen Kreationen

Seifensieden ist heute leider nicht mehr so verbreitet. Hier in der Region habe ich noch keine andere Seifensiederin kennen gelernt. Es gibt auch keinen Schweizer Branchenverband, wie es bei anderen Handwerken üblich ist. Was mir aber auffällt, ist, dass in Magazinen immer wieder Berichte über Seifensiederinnen erscheinen, so kürzlich über eine Seifensiederin aus dem Thurgau, die sich das Seifensieden zum Beruf gemacht hat und Hotels und Restaurants beliefert.

Ich für meinen Teil möchte das Seifensieden weiter als Hobby pflegen und mich freuen über die Kreationen, die ich weiterhin an den Märkten verkaufen werde.»

Aufgezeichnet von Simon Tschopp