Morcheeba steht für federnd leichte Melodien, eine Sängerin mit ausdrucksstarker, rauer Stimme, die sanfte Schwingungen annimmt. Morcheeba steht für Songs, die wie Brunnenwasser fliessend ineinander plätschern und für eine fünfköpfige Band, die auf der Bühne für melancholische Rhythmen sorgt.

Wer mit diesen Erwartungen am Mittwochabend den ausverkauften Festsaal der Messe Basel betrat, wurde belohnt. Die Trip-Hop-Band aus London nämlich setzte in erster Linie auf Altbewährtes. Als Sängerin Skye Edwards die Bühne in einem roten Federnkleid betrat und mit «The Sea» aus dem Jahr 1998 einen der grössten Hits der Band anstimmte, empfing das Publikum sie mit stürmischem Beifall. «Friction» – ebenfalls vom Album «Big Calm» – bestärkte den Eindruck, dass Skye und die Brüder Ross und Paul Godfrey – die Gründer von Morcheeba – die Zuschauer zum Mitsingen anregen wollten. Bei «Otherwise» (2002) trauten sich die Gäste – wenn auch noch zaghaft –, ihre Sitzplätze zu verlassen und sich an den Bühnenrand zu stellen. Diese Bewegung nach vorne schafften Sananda Maitreya & The Nudge Nudge, die vor Morcheeba im Saal für Stimmung sorgten, nicht. Erstaunlich, denn der US-amerikanische Sänger, einst bekannt als Terence Trent D’Arby, jagte einem mit seiner Soul-Stimme einen kalten Schauer über den Rücken.

Der Ventilator blies zu stark

Erst mit dem vor ihr tanzenden Publikum schien Skye nun zufrieden. Immer wieder spornte die 36-Jährige ihre Fans an, die Hits mitzusingen. Die Balkonscheinwerfer sollten gar gedämmt werden, damit sie den Zuschauern im ersten Stock in die Augen blicken konnte. Überhaupt liebte die Künstlerin den direkten Kontakt zu ihren Fans – und zum Bühnenmechaniker. Um seine Hilfe bat sie, als sie den vor ihr installierten Ventilator verschieben wollte. Er blase zu stark an ihre Beine und sie könne sich nicht selber bücken wegen ihres «federleichten» Kleides. Das herzliche Gelächter über das Strahlen, das bei ihren Worten über Skyes Gesicht ging, bewies die Zuneigung des Publikums zu der schwarzen Sängerin.

Dass Morcheeba nur wenige Kostproben aus ihrem neuen Album «Blood Like Lemonade» gaben, machte den anderthalbstündigen Auftritt keineswegs langweilig. Der Titelsong sowie «Even tough» waren zwei der wenigen neuen Werke der Trip-Hop-Band. Für grosse Überraschung sorgten die aktuellen Stücke nicht – sie sind in Morcheeba-Manier komponiert, setzen auf die Erfolgskomponenten Chill-out-Beat, folkig angehauchte Arrangements und Jazz-Flair.

Mit ihrem warmherzigen Auftritt und den alten Liedern machte die Trip-Hop-Band deutlich, dass die sechs Bandmitglieder wieder fest zusammengehören. Im 2002 trennten sich nämlich Paul und Ross Godfrey von Skye. Es folgten sechs Jahre, in denen die Brüder mit anderen Sängerinnen auftraten – ohne Erfolg. Seit 2010 hat Skye wieder die Rolle der Leadsängerin übernommen. In der Zugabe an der AVO Session heizte die Band – passend zum Gesamtbild – mit dem Welthit «Rome wasn’t built in a day» ein. Morcheeba hinterlassen in Basel definitiv einen bleibenden Eindruck.