Hergestellt wird der Nordwestschweizer Raclette-Käse derzeit im Wallis. «Die Milch kommt jedoch zu 100 Prozent aus der Miba-Region.» Darauf legt Christophe Eggenschwiler, Geschäftsführer Milchverband Nordwestschweiz (Miba) grossen Wert, denn Ziel und Existenzberechtigung der Miba ist es, die Milch der Bauern zwischen dem Fricktal und La Chaux-de-Fonds, zwischen Basel und dem Chasseral möglichst gut zu verkaufen.

Das ist einfacher gesagt als getan. «Wir haben in der Nordwestschweiz keine ausreichende Industrie-Kapazitäten für die Verarbeitung der hiesigen Produktion», erklärt Eggenschwiler. Deshalb verkauft Miba Milch und Rahm an Verarbeiter wie die Migros-Molkerei Elsa in Estavayer-le-Lac, an Cremo in Freiburg, Emmi in Luzern, Nutritec in Hochdorf (LU) oder an Nestlé und eben auch an Vallait in Siders im Wallis. Dies erfordert längere Wege, wobei die Transportkosten zulasten der Bauern gehen, denn der Milchpreis wird an der Rampe des Verarbeiters bezahlt.

Wertschöpfung in der Region

Eggenschwiler kennt die Klagen der Bauern, die Milchpreise seien zu niedrig und nicht mehr kostendeckend. In der Tat liegt der Preis für sogenannte A-Milch – also Milch für den Inlandkonsum, die rund 70 Prozent der verkauften Menge ausmacht – derzeit bei 66 Rappen. Zu Zeiten der staatlichen Milchkontingentierung lag er über einem Franken pro Kilo.

Als Reaktion auf diese Situation sieht Eggenschwiler theoretisch drei Möglichkeiten: «Entweder lösen wir die Miba auf und jeder Bauer schaut selbst, wer ihm die Milch abnimmt. Oder wir fusionieren mit einem anderen regionalen Milchverband.» Beide Lösungen kommen für ihn nicht infrage. «Die dritte Möglichkeit ist, dass wir zusätzliche Wertschöpfung wieder in die Region holen.»

Dies bedeutet unter anderem, dass Miba nicht nur Rohstofflieferant für andere sein, sondern Endkunden selbst beliefern will. Dafür hat Miba nach dem Auszug aus der Stadt vor anderthalb Jahren in Aesch eine Verteilplattform eingerichtet, von wo aus der Verband Spitäler, Gastrobetriebe, Heime und kleine Läden direkt beliefert. Ein weiterer Schritt in dieser Richtung ist die Beteiligung an der Regio Molkerei beider Basel in Frenkendorf, die von Emmi und Miba gemeinsam betrieben wird. «Diese Verarbeitungsmenge reicht jedoch nicht», betont Eggenschwiler. Die Regio Molkerei verarbeitet 4 bis 5 Millionen Kilo Milch pro Jahr. Miba hingegen müsse für den Absatz von 260 Millionen Kilo sorgen.

Export als Zukunftsperspektive

Deswegen will Eggenschwiler nun die nächste Stufe zünden und die Marke Miba auf dem Endkundenmarkt wiederbeleben. Diese ist Ende der 90er Jahre mit den Wirren um die Insolvenz von Toni Lait und Swiss Dairy Food verschwunden. «Als Erstes wollen wir Mutschli, Milch, Raclettekäse und Joghurt, alles produziert aus Miba-Milch, wieder unter unserer eigenen Marke verkaufen.»

Auf diesem Weg wird Miba etliche Hürden überwinden müssen: Da sind einerseits die fehlenden Produktions-Kapazitäten im eigenen Gebiet: «Wir haben zwar einige Käsereien, doch wenn wir gleichbleibende Qualität in grossem Rahmen anbieten wollen, müssen wir industriell produzieren lassen.» Deswegen fährt unter anderem die Baselbieter Milch nun per Bahn durch den Lötschberg ins Wallis, um als Raclette wieder in den Raum Basel zurückzukehren .

Andererseits startet Miba das Abenteuer der eigenen Marke in einer Zeit des schwachen Euros und des starken Einkaufstourismus. «Wir rechnen damit, dass ein Teil der Konsumenten es schätzt, wenn die Produkte aus der eigenen Region stammen», entgegnet Eggenschwiler und äussert gleich die nächste Idee: «Der Inlandmarkt ist gesättigt. Da müssen wir uns auch über den Export auf bisher Märkte mit hohem Potenzial wie Indien oder China Gedanken machen.»