Michel Berchtold, an der Medienkonferenz von SBB, FHNW und Gemeinde Muttenz war viel die Rede davon, wie die Studentinnen und Studenten künftig am Morgen zum neuen Fachhochschul-Campus in Muttenz anreisen sollen. Was aber ist am Abend?

Michel Berchtold: Für uns ist der Morgen entscheidend, da sich der gesamte Personenverkehr auf den Schulbeginn hin ballt. Im späteren Verlauf des Tages verteilen sich die Kundenströme besser. Darum haben wir uns auf eine Lösung konzentriert, wann die Spitzenbelastung am grössten ist. Das ist uns mit der heute vorgestellten Win-win-Lösung gelungen.

Die FHNW wollte allerdings auch am Abend gesonderte Schnellzughalte in Muttenz haben.

Wir haben das gemeinsam angeschaut, aber von Seiten SBB konnten wir nicht auch noch am Abend zusätzliche Schnellzughalte in Muttenz anbieten. Dass wir überhaupt Halte auf dieser mit Güter- und Personenverkehr stark ausgelasteten Strecke einführen können, ist bereits ausserordentlich.

Die heute vorgestellte Lösung ist also ein Kompromiss zwischen SBB und FHNW?

Natürlich. Die FHNW hätte sich ausserdem gewünscht, dass auch die Inter-Regio-Züge aus dem Fricktal einen zusätzlichen Halt in Muttenz einlegen. Nach Überprüfung der zu erwartenden Kapazitäten, etwa 300 bis 400 Studenten aus dem Fricktal im Gegensatz zu den rund 1300 Studenten aus Richtung Ergolztal, musste ich den FHNW-Vertretern jedoch klarmachen, dass wir dort anpacken müssen, wo die grösste Nachfrage zu erwarten ist. Bei den Zügen aus dem Fricktal stellte sich zudem das Problem der Zuglänge, da der Bahnhof Muttenz nicht für die 400-Meter-Züge ausgelegt ist.

Für den Laien klingen zwei zusätzliche Inter-Regio-Halts in Muttenz banal. Welche Auswirkungen hat das aber für die SBB tatsächlich?

Diese Inter-Regio-Züge werden zwei bis dreieinhalb Minuten später im Knoten Basel SBB ankommen, was Auswirkungen auf alle folgenden Verbindungen hat und die Umsteigezeiten verkürzt. Allerdings erlauben die jetzigen Umsteigezeiten diese Verzögerung.

Welches Preisschild tragen diese beiden zusätzlichen Halte für die SBB?

Das haben wir nicht quantifiziert, und ich glaube auch nicht, dass abgesehen von der Beschriftung des FHNW-Werbezugs zusätzliche Kosten anfallen. Das Ganze war mehr eine Frage der zur Verfügung stehenden Bahnkapazitäten auf einem dicht befahrenen Netz, und wie die Fahrplanstabilität aufrechterhalten werden kann.

Welche Kosten kommen durch diese Lösung auf die FHNW-Kantone zu?

Keine, da diese Lösung Teil des nationalen Fernverkehrs ist. Im Gegenteil werden die Kantone Geld für das Rollmaterial jener zusätzlichen S-Bahnverbindungen einsparen können, die sie stattdessen hätten bestellen müssen.

Wann wird dieses Muttenzer Pionierprojekt auf die übrigen FHNW-Standorte zur Anwendung kommen?

Im Rahmen der Diskussionen war das stets unsere Bedingung, dass wir eine solche Lösung nicht nur auf Muttenz beschränken, sondern auch eine ähnliche Entlastung an den anderen Standorten erreichen wollen. Wir haben mit unseren Partnern ein «Memorandum of Understanding» unterschrieben, das vorsieht, dass wir innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre auch in Olten und Brugg einen Schritt weiter kommen.

Die FHNW ist nur eine der grossen Schweizer Bildungsanstalten. Was haben Sie mit anderen Hochschulen im Sinn?

In der Zentralschweiz, die ebenfalls zu meinem Verantwortungsgebiet gehört, bin ich mich der Uni Luzern im Gespräch. Am Fachhochschulstandort Rotkreuz konnten wir bereits 2016 eine solche Verschiebung mit gestaffeltem Vorlesungsbeginn vereinbaren. In diesem Ausmass ist das Muttenzer Projekt allerdings bisher einmalig. Mit der Universität und Fachhochschule Bern sind ebenfalls bereits Verhandlungen aufgenommen worden.