Pratteln hats gut. Die Industriegemeinde, jahrelang klamm, hat wieder Geld. Und will damit kräftig investieren.

Nach den Vereinen soll nun auch die Musikschule ein eigenes Haus erhalten. Zwei markante Gebäude im Zentrum will die Gemeinde für diesen Zweck aufmöbeln. Geht alles nach Plan, so besitzt Pratteln ab Herbst 2017 ein Haus der Vereine und ein Haus der Musik – beide komplett saniert und umgebaut. Dafür will der Gemeinderat fast acht Millionen Franken in die Hand nehmen.

Die Rede ist von den zwei Schulhäusern, die zusammen mit der alten Dorfturnhalle im historischen Dorfkern ein markantes Ensemble bilden: das Burggarten-Schulhaus an der Ecke Hauptstrasse–Oberemattstrasse und das Schloss-Schulhaus gleich nebenan, vis-à-vis des Prattler Schlosses, im Volksmund «Gelbes Schulhaus» genannt.

Eine gelbe Ruine

Zwei Sondervorlagen hat der Gemeinderat ausgearbeitet. Sie sind für die kommende Sitzung des Ortsparlaments vom Montag, 29. Juni, traktandiert. «Wir haben grossen Aufholbedarf bei der Sanierung dieser Gebäude», begründet der Prattler Vizepräsident Max Hippenmeyer die geplanten Ausgaben. «Früher hatten wir die Mittel nicht dazu – nun sind wir in der komfortablen Lage, uns das leisten zu könnten.»

Als Luxus dürften die Sanierungen aber nicht bezeichnet werden, gibt Hippenmeyer zu bedenken, denn es müsse dringend etwas getan werden. Er verwendet für das Gelbe Schulhaus gar die Bezeichnung «Ruine». Wer sich die Gebäude anguckt, kann diese Einschätzung nachvollziehen: Beide präsentieren sich – gelinde gesagt – nicht mehr im besten Zustand. Vor allem das Gelbe Schulhaus mit Baujahr 1897 hat über die Jahre gelitten, was von aussen gut sichtbar ist: Der Putz blättert ab, Risse durchziehen die Fassade. Für die Sanierung des Schloss-Schulhauses wird mit einem Aufwand von 3,3 Millionen Franken gerechnet.

Auch das Burggarten-Schulhaus, es wurde 1874 erstellt, sah schon bessere Zeiten. Bei ihm schlagen die Bauarbeiten laut Kostenvoranschlag mit 4,6 Millionen Franken zu Buche. Im weiss gestrichenen Bau sollen in zweieinhalb Jahren die Kreismusikschule Pratteln-Augst-Giebenach und die musizierenden Vereine unterkommen. Die Musikschule ist heute an verschiedenen Standorten verteilt, teilweise in Räumen, die dem Kanton gehören und gemietet werden müssen.

«Es ist vernünftig», sagt Hippenmeyer, «wenn die Musikschule in Zukunft an einem Ort zentralisiert ist.» Im Kellergeschoss ist ein Pfadiraum geplant, im Dachstock ein Saal für Aufführungen. Zurzeit werden im Burggarten noch Primarschulklassen unterrichtet. Diese ziehen im Sommer jedoch ins Erli-Schulhaus um.

Das Gelbe Schulhaus wird schon seit längerem nur noch vereinzelt von der Primarschule genutzt. Hauptmieter sind gegenwärtig Vereine. Aber auch die Musikschule belegt dort Räume: Im Keller hat sie den Unterricht mit den lauten Instrumenten untergebracht. Auch diese ziehen per 2017 ins Nachbargebäude um.

Volksabstimmung im Herbst

Bei beiden Projekten ist je ein Kostenvoranschlag und ein Bauprojekt ausgearbeitet. Vom Kredit fürs Schloss-Schulhaus ist fast der gesamte Betrag bereits vorfinanziert. Beim Burggarten-Projekt wird das Volk das letzte Wort haben, da dort der Baukredit die Vier-Millionen-Grenze überschreitet. Die Volksabstimmung ist für diesen Herbst geplant.

Max Hippenmeyer sagt, er rechne nicht mit grossem Widerstand. «Die Arbeiten machen Sinn – die Liquidität der Gemeinde ist komfortabel.» Damit spricht er das Eigenkapital Prattelns an. Dieses ist mittlerweise auf satte 24 Millionen Franken angewachsen.