«So?» Die braunen Augen von Simone Casanova heften sich fragend auf den Fotografen. «Perfekt», sagt dieser. Die 24-Jährige aus Allschwil posiert wie ein Profi. Ihr Lächeln kommt auf Knopfdruck und wirkt trotzdem natürlich. «Ich mache das einfach gern», sagt sie und lacht.

Der FC Basel hat den Meistertitel in diesem Jahr erneut in die Region geholt. Nun will auch das Baselbiet endlich einen Titel. Und zwar den der Miss Schweiz. Ein Vierteljahrhundert ist es her, seit mit Eveline Glanzmann eine Baselbieterin sich das Krönchen der schönsten Schweizerin aufsetzen durfte. In letzter Zeit kamen vor allem Ostschweizerinnen und Aargauerinnen zum Zug. Nun macht sich also Simone Casanova auf, um die ästhetische Ehre der Region zu verteidigen.

Die Leute drehen sich um

Das Zeug dazu hat sie. Wo die grosse, schlanke Frau mit den langen dunklen Haaren vorbeigeht, recken sich die Köpfe zu ihr um. Wie viele Models hat sie früher aber mit ihrer Grösse und schlanken Statur jeweils Mühe bekundet. «Wobei: Nicht ich habe ein Problem damit gehabt, sondern die anderen», konkretisiert sie. Dann ist das 1,79 Meter grosse Teenie-Mädchen aber nach Paris gereist und hat festgestellt, dass es dort viele grosse und schlanke Frauen gibt. Das hat ihr geholfen, ihren Frieden zu finden mit sich. «Heute fühle ich mich sehr wohl», betont sie.

Auch sonst hat sie ihren Platz gefunden im Leben: Sie arbeitet als Pflegefachfrau im Rehab-Zentrum Basel. «Schon als Vierjährige habe ich ein Arztköfferchen mit mir herumgetragen», erinnert sich Simone Casanova lachend. Erblich vorbelastet – der Vater Drogist und die Mutter Praxisassistentin – hat insbesondere auch der frühe Tod ihrer Mutter ihre Berufswahl beeinflusst. «Ich habe sie oft im Spital besucht und dabei den Wunsch verspürt, ihr und anderen Menschen zu helfen», sagt die in Pfeffingen aufgewachsene junge Frau.

Starke soziale Ader

Die soziale Ader ist bei ihr stark ausgeprägt. «Ich mag es sehr, Menschen kennen zu lernen und Gespräche zu führen», erzählt sie. Die vielen, unterschiedlichsten Kontakte sind etwas, worauf sie sich im Miss-Jahr freuen würde. Den Kontakt zu den Leuten sucht sie zudem in einem eigens für die Kandidatur eingerichteten Facebook-Profil. Dass sie sozial denkt, zeigt sich auch in ihrer Antwort auf die Frage, was sie tun würde, wenn sie Königin von Basel wäre. «Zuerst gäbe es ein grosses Fest für die ganze Bevölkerung. Und dann würde ich eine Anlaufstelle einrichten, damit mir die Leute sagen können, welche Wünsche sie haben.»

Zum Interviewtermin erscheint die junge Frau pünktlich. Die Fragen beantwortet sie souverän. Als ihre Stärke bezeichnet sie ihre Geduld. Und Schwächen? «Ich bin manchmal zu emotional – und ich bin überpünktlich. Das Gefühl, ich könnte zu spät sein, macht mich fertig», sagt sie heftig. Hat sie einen übertriebenen Hang Richtung Perfektionismus? «Es geht wahrscheinlich in diese Richtung. Das ist etwas, woran ich arbeiten muss», räumt sie selbstkritisch ein. Sich hinterfragen, sich weiterentwickeln – das ist der als sensibel beschriebenen Frau sehr wichtig.

Der Bruder hat sie zur Teilnahme an der Wahl ermuntert

Zur Miss-Schweiz-Wahl hat sie sich angemeldet, nachdem ihr älterer Bruder sie dazu ermuntert hat. Als sie den Anruf erhielt, dass sie in den Final unter die letzten zwölf kommt, war sie zuerst baff. Und danach hoch erfreut. «Das ist eine Chance, eine ganz andere Welt kennen zu lernen», sagt sie. Schon als Kind hat es sie einmal auf eine Bühne gedrängt: Zusammen mit drei Freundinnen wollte sie an der Mini-Playback-Show auftreten. Leider wurde nichts aus diesem Traum.

Vielleicht klappt es jetzt mit dem Miss-Schweiz-Titel. Einen Vorgeschmack auf das Model-Leben hatte sie bereits: Im Vorbereitungslager in Zermatt stand sie um 6 Uhr auf und fiel um Mitternacht ins Bett. Dazwischen ein Marathon an Shootings, Interviews, Fitnessübungen. Ihr hats so gut gefallen, dass sie sogar einen Dankesbrief geschrieben hat. «Für mich ist es nicht selbstverständlich, in so tollen Hotels zu wohnen und einen Koffer voller Kleider geschenkt zu bekommen», erklärt sie.

Die Hip-Hop-Liebhaberin, die sich ein Tattoo auf ihren Unterschenkel stechen liess, findet in schwierigen Momenten Trost im Singen oder in Gesprächen mit ihrer Familie und ihrem Freund. Mit ihnen teilt sie auch die schönen Momente. Einer von diesen wäre, wenn sie am 24. September das Krönchen wieder einmal ins Baselbiet holen könnte.