Gestern ist in Liestal der grösste Baselbieter Weihnachtsmarkt gestartet; er dauert noch bis Sonntag. Er ist sozusagen das Schlussbouquet von Vreni Büchi. Denn die 66-jährige Geschäftsfrau hat diesen Markt vor über 30 Jahren erfunden und prägt ihn seither mit Ausnahme von ein paar wenigen Jahren, als sie die Verantwortung an einen KMU-Kollegen abtrat. So ganz sicher ist sich Büchi bei der Zeitrechnung zwar nicht mehr, aber 25-mal habe sie den Weihnachtsmarkt sicher organisiert. Das erste Mal mit 3, jetzt zum letzten Mal mit rekordhohen 91 Ständen im Stedtli.

Entstanden ist der Markt aus einer Laune heraus: Büchi gab ihren Comestibles-Laden an der Rathausstrasse Mitte der 1980er-Jahre auf und hatte plötzlich Zeit. So begann sie, in der familieneigenen Schreinerei Holzspielzeuge für Kinder zu schnitzen und kam auf die Idee, diese an einem Markt zu verkaufen. Mit zwei andern heimischen Geschäftsleuten rief sie den Liestaler Weihnachtsmarkt ins Leben – und ihr Stand war am ersten Abend des dreitägigen Markts restlos ausverkauft.

Selbstgebasteltes ist wieder in

Der Anlass hat sich gemausert vom Spontanevent mit Selbstgebasteltem an improvisierten Ständen zu einem durchorganisierten Grossereignis mit professionellen Holzhäuschen-Ständen und einem reichen Angebot von Verpflegung über Kleidungsstücke und Schmuck bis hin zu – Selbstgebasteltem. Denn Büchi sagt: «Getöpfertes, Gestricktes und Genähtes ist zwischenzeitlich verschwunden, jetzt ist es wieder in.»

Geblieben sei über all die Jahre, dass bei der Standvergabe Liestaler Geschäfte Vorrang haben. Büchi ist mittlerweile in der komfortablen Lage, aus weit mehr als jenen rund 90 Bewerbern, die im Stedtli maximal Platz haben, auswählen zu können. Büchi sagt: «Heute hat der Liestaler Weihnachtsmarkt Volksfestcharakter. Er ist ein Ort, um sich zu treffen.» Das Ganze dauert seit letztem Jahr fünf Tage; am Sonntag findet auch noch der erste von zwei Weihnachtsverkäufen der Liestaler Geschäfte statt. Und über die ganze Marktdauer gibt es den Gratis-Heimfahrservice, eine Liestaler Exklusivität.

Auch wenn Büchi das Markt-Zepter jetzt weitergibt – an wen, ist noch offen –, so hat sie trotzdem Ideen, wie man den Anlass weiterentwickeln könnte: «Wenn nächstes Jahr die Bauerei beim ‹Rebgarten› am unteren Stedtlirand fertig ist, könnte man den Markt bis zum Lüdin-Areal erweitern. Und auf dem neuen Platz vor dem Regierungsgebäude könnte man Weihnachtsbäume verkaufen.» Vielleicht mit den Regierungsräten als verkleideten Darstellern, die ähnlich der Drei Könige in Basel Geld für einen gemeinnützigen Zweck sammeln? Aber diese Idee stammt nicht von Büchi.

Der Durchbruch der Häuschen

Als Höhepunkt ihrer 25-jährigen, ehrenamtlichen Tätigkeit für den Weihnachtsmarkt bezeichnet sie das Jahr 2000. Damals gelang es ihr nach mehreren vergeblichen Versuchen, mit der ersten Powerpoint-Präsentation ihres Lebens und einem Musterhäuschen dem Stadtpräsidenten – wie sie ein Freisinniger – die Markthäuschen schmackhaft zu machen. Schöner Nebeneffekt: Die Schreinerei Büchi baute die Häuschen und ist bis heute für Montage, Unterhalt und Lagerung zuständig.

Als Tiefpunkte kommen der zupackenden Organisatorin nur die Wetterkapriolen des vergangenen Jahrzehnte in den Sinn. So erstaunt wenig, dass Büchi nach einem Vierteljahrhundert Weihnachtsmarkt ein positives Fazit zieht.
KMU-Liestal-Präsident Matthias Renevey meinte bei der gestrigen Eröffnungszeremonie mit etlicher Prominenz aus Politik – darunter zwei Regierungsräte – und Gewerbe gar überschwänglich: «Vreni, ich verneige mich vor Deiner Leistung und dem Herzblut, Einsatz und der Verve, die Du für den Weihnachtsmarkt erbracht hast. Eigentlich bist Du der Weihnachtsmarkt.»