Die Sparpläne des Landkantons im Kulturbereich haben ein wenig von ihrem Schrecken eingebüsst. Seit die Idee eines Entlastungsbeitrags der Stadt zur Diskussion steht, ist der Erhalt des Kulturvertrags wieder in greifbare Nähe gerückt.

Aber wie sieht es eigentlich mit der Zukunft der Kultur auf dem Land aus? Kulturdirektorin Monica Gschwind verkündete diese Woche, man wolle Baselbieter Kulturanbieter wie etwa das Biomill in Laufen bekannter machen. Weiter würden Institutionen wie das Theater Roxy und auch Chor- und Laientheaterprojekte unterstützt, und in die regionale Filmförderung soll noch mehr Geld als bisher gesteckt werden.

Grosse Unsicherheit

Das klinge zwar gut, die oft erwähnte Planungssicherheit für Baselbieter Kulturinstitute könne man durch die Medienkonferenz aber nicht gewährleisten, wie Christoph Meury, ehemaliger Direktor des Roxy, sagt. «Die Direktbetroffenen werden im Moment immer noch in der grösstmöglichen Unsicherheit gelassen.» Die Bildungs- Kultur- und Sportdirektion (BKSD) macht auf Anfrage aber eines klar: Die Umsetzung der beschlossenen Sparmassnahmen, wie sie am 23. September kommuniziert wurde, steht zurzeit nicht zur Diskussion.

Für die kulturellen Institutionen im Baselbiet gelten also weiterhin die Beschlüsse zur Reduktion des Kunstkredits, zur Sistierung oder Nicht-Erhöhung von Subventionen und zur Einstellung der Eigenproduktionen. An diesen Massnahmen würde auch der Entlastungsbeitrag der Stadt von jährlich 20 Millionen Franken und die Rettung des Kulturvertrags nichts ändern.

«Absurde Situation»

Dieser Sachverhalt irritiert: «Sollte der Kulturvertrag tatsächlich erhalten bleiben, ergäbe sich eine fast schon absurde Situation», sagt Tumasch Clalüna, Geschäftsleiter des Festivals Rümlingen. «Der Kanton Baselland streicht sein Budget für die Kultur zusammen und fördert gleichzeitig dasjenige der Stadt. Er stärkt damit die Zentrumsfunktion von Basel.»

Clalüna befürwortet die Vereinbarung der beiden Regierungen zur Rettung des Kulturvertrags durchaus. «Wir erwarten in diesem Fall aber, dass die Sparmassnahmen in Baselland ebenfalls noch einmal zur Diskussion gestellt werden.» Dem weit über die Landesgrenzen bekannten Festival droht durch das Wegfallen der Subventionen der Verlust von bis zu 50 Prozent des Gesamtbudgets.

Swisslos-Fonds als Retter

Nach Ablauf der Subventionsphase, also ab 2018, erhält das Festival Rümlingen die Möglichkeit, Beitragsgesuche an den Swisslos-Fonds Baselland zu stellen. Für Clalüna bedeutet dies zwar einen gewissen Trost, aber auch eine reduzierte Planungssicherheit. «Bisher haben wir die Subventionen des Kantons für vier Jahre erhalten. Das Geld konnten wir in dieser Zeit relativ frei verwenden, je nach Grösse der jeweiligen Ausgabe», sagt er. Nun müsse man sich für jedes Jahr neu bewerben. «So können wir nur schlecht planen.» Hinzu kommt, dass über die Gelder des Swisslos-Fonds jeweils erneut die Regierung entscheidet. «Darauf können wir uns nicht wirklich verlassen.»

Den Weg über die Unterstützung aus dem Swisslos-Fonds prüft nun auch das Stadt- und Landkino, wie dessen Direktorin Nicole Reinhard sagt. Das Kino gehört zu den Eigenproduktionen des Kantons Baselland und muss den Betrieb in der heutigen Form bei Streichung der Subventionen wohl einstellen. Da das Amt für Kultur das Angebot des Landkinos aber sehr schätze, setzte man sich gemeinsam an einen Tisch und sprach über verschiedene Optionen des Landkinos. «Eine reduzierte Fortführung des Kinobetriebs wäre in Form eines Nachfolgeprojekts denkbar, das die Kriterien für die Unterstützung aus dem Swisslos-Fonds erfüllt», sagt Reinhard. «Man hat uns bei den Gesprächen viel Goodwill signalisiert.»

Dass von Sparmassnahmen betroffene Kulturinstitutionen ihr Glück beim Swisslos-Fonds versuchen, ist nicht unproblematisch. Dessen Verwalterin Heidi Scholer stellt klar: «Der Fonds ist kein Auffangbecken, wenn der Kanton gesetzlich umschriebene Leistungen streicht.» Die Mittel des Swisslos-Fonds sind begrenzt. Darüber hinaus droht bei einer Zunahme von Gesuchen laut Clalüna auch Konkurrenz zwischen verschiedenen Institutionen. «Solche kleinlichen Diskussionen gab es seit dem Kulturvertrag nicht mehr.»